Bauman, Zygmunt: Unbehagen in der Postmoderne, Hamburger Edition Hamburg 1999


  • Moderne- Übermaß an Ordnung, Mangel an Freiheit, Sicherheit verlangte ein Freiheitsopfer
  • heute ist individuelle Freiheit der Wert
  • „Das Unbehagen in der Moderne erwuchs aus einer Art Sicherheit, die im Streben nach dem individuellen Glück zuwenig Freiheit tolerierte. Das „Unbehagen der Postmoderne“ entsteht aus einer Freiheit, die auf der Suche nach Lustgewinn zuwenig individuelle Sicherheit toleriert.“(S:11)
  • jede Ordnung hat ihre eigenen Störfaktoren
  • dem defizitären Konsumenten den Zutritt versperren
  • 1) Konsumfreiheit für freie Konsumenten noch erweitern
  • 2) den deregulierten und privatisierten Protesten von Opfern der Deregulierung und Privatisierung vorzubeugen, diejenigen, die der Konsumfreiheit beraubt sind, müssen auf ihre Plätze verwiesen werden und unter Kontrolle gehalten werden
  • „Eine der lästigsten „Verunreinigungen“ der modernen Reinheitsversion waren die Revolutionäre, wie sie der Geist der Moderne zwangsläufig hervorbringen mußte.“
  • „Die anstößigste „Verunreinigung“ der postmodernen Reinheitsversion sind nun nicht Revolutionäre, sondern diejenigen, die entweder das Gesetz mißachten oder es selbst in die Hand nehmen...“(Kriminelle, Terroristen)
  • „Der moderne Reinheitsgedanke drückte sich in täglichen Strafaktionen gegen gefährliche Bevölkerungsklassen aus; das postmoderne Reinheitsstreben drückt sich in täglichen Strafaktionen gegen die Bewohner heruntergekommener Straßen und verslumter Viertel, gegen Vagabunden und Tagediebe aus.“ (S. 34)
  • wir leben heute im Angstmilieu, Ungewißheit, in einer Atmosphäre uns umgebender Furcht, Gründe: Neue Weltordnung, Deregulierung, Sicherheitsnetze zerfallen, Unsicherheit,
  • Freiheit hängt davon ab, wer stärker ist
  • Differenz, Pluralität, abgestoßen von der Vorstellung gesetzlich verordneter Uniformität, Gemeinschaft
  • Staat bürdet Kosten den Opfern selbst auf
  • Status als Produzenten enthoben, bringt sie von kollektivem Handeln ab; als Konsumenten definiert, individuelle Aktivität
  • gefährliche Klassen werden als kriminelle Klassen umdefiniert, Armsein als Verbrechen
  • sind nicht mehr stille Arbeitsreserve, sondern überflüssig
  • Gerechtigkeit strittiges Thema
  • Polarisierung
  • heutige Arme für konsumorientierte Märkte ohne Nutzen, sind nicht mehr Ausgebeutete, sondern überflüssig
  • „Da man sie nicht physisch vernichten kann..., müssen sie isoliert, neutralisiert und entmachtet werden, damit die Wahrscheinlichkeit, daß sich ihre massiven, jedoch individuell erfahrenen Nöte und Demütigungen zu kollektivem (und gar wirksamem ) Protest verdichten könnten, weiter verringert, ja im Idealfall auf Null reduziert wird. Dies versucht man durch eine Doppelstrategie zu erreichen: die Kriminalisierung der Armut und die Brutalisierung der Armen. Die Kriminalisierung scheint sich als wichtigster Ersatz der Konsumgesellschaft für die rasch schwindenden Leistungen des Wohlfahrtsstaates abzuzeichnen.“ (S. 107f.)
  • Sozialstaat für stille Arbeitsreserve, heute Arme als Problem von öffentlicher Ruhe und Ordnung
  • „Die Lage des größeren Teils der heutigen Menschheit...verschlimmert sich rasch und daher spürbar. Unter solchen Bedingungen sollte man ein weitverbreitetes Gefühl der Ungerechtigkeit mit dem Potential zu Massenprotesten, wenn nicht gar offener Rebellion gegen das System, erwarten. Daß dies ausbleibt, ist vielleicht ein Beweis für die Effektivität der kombinierten Strategie des Ausgrenzens, der Kriminalisierung und Brutalisierung potentiell „problematischer“ Bevölkerungsschichten.“ (S. 111)
  • modern sein, heißt unterwegs sein; das wesentliche am Touristenleben ist das Unterwegssein, nicht das Ankommen
  • Vagabunden sind Abfall der Welt, sind die Mülleimer für den Abfall der Touristen
  • „Die Touristen bleiben oder ziehen weiter, wie ihr Herz sie treibt. Sie verlassen den Ort, sobald sich anderswo neue, noch nicht erprobte Möglichkeiten auftun. Die Vagabunden hingegen wissen, daß sie nicht lange bleiben werden, sosehr sie dies auch wünschten, da sie nirgends willkommen sind: Während die Touristen weiterziehen, weil sie die Welt unwiderstehlich attraktiv finden, ziehen die Vagabunden weiter, weil sie die Welt als unerträglich ungastlich erleben...Die Touristen reisen, weil sie es wollen; die Vagabunden, weil sie keine andere Wahl haben...Ich behaupte weiter, daß der Gegensatz von Tourist und Vagabund die grundlegende Spaltung der modernen Gesellschaft charakterisiert.“ (S. 165)
  • heutige Kunst schert sich nicht darum, wie es mit sozialen Wirklichkeit bestellt ist
  • einziger Gewinner Gefühl der Unsicherheit
  • Projekt der Moderne wandelte Identität von etwas Zugeschriebenem zu einer Leistung