Texte zu Verrücktheit

Was ist Wahn? Was ist Realität?

Zu DDR-Zeiten nie etwas davon gehört: Stralsund (dpa/mv) - Im Gedenken an die NS-Opfer von Euthanasie und Zwangssterilisation sind am Freitag in Stralsund zwei weitere Stolperschwellen verlegt worden. Eine Stolperschwelle erinnere an die 652 Frauen und Männer, die zwischen 1934 und 1939 im Städtischen Krankenhaus unfruchtbar gemacht wurden, sagte der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Helios-Hanseklinikum, Harald Freyberger, am Freitag. Eine weitere Stolperschwelle gedenkt der Stralsunder Opfer des NS-Euthanasie-Programms gegen psychisch Kranke. Mehr als 1000 psychisch kranke und behinderte Menschen wurden von der Landesheilanstalt Stralsund im Jahr 1939 deportiert. Die überwiegende Zahl sei einem systematischen Massenmord zum Opfer gefallen.

Aber der Irre hat seine guten Momente; oder er ist in seinem Wahnsinn der Augenblick der Wahrheit selbst; als Wahnsinniger verfügt er über mehr gesunden Menschenverstand und redet weniger Unsinn als die Vernünftigen. (aus Wahnsinn und Gesellschaft von Michel Foucault)

Kabul (AFP) 20.3.2015: Ein Mob hat in der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Frau gelyncht, weil sie einen Koran verbrannt haben soll. Die Gruppe habe die Frau zu Tode geprügelt, ihre Leiche in Brand gesteckt und in einen Fluss geworfen, sagte der Leiter der Kriminalpolizei von Kabul, Farid Afsali, am Donnerstag. "Tausende" Menschen hätten sich an der Moschee im Stadtteil Schahi Doschamschira versammelt, wo die Frau den Koran verbrannt haben soll. Die Polizei habe Mühe gehabt, die wütende Menge auseinanderzutreiben. Die Frau sei psychisch krank, sagte ihre Familie...

Paranoia-Paranoia

Geburtstagskonzert Terrorgruppe SO36

Interview mit Otze (Schleimkeim) u.a. Er wurde in der DDR mehrfach inhaftiert. 1995 ging es los mit seinem Wahn. 1999 erschlug er seinen Vater, 2005 kam er in der Forensik ums Leben.

Nach 75 Jahren gedenkt die deutsche Politik und Öffentlichkeit der Euthanasieopfer!!!

Einweihung des Gedenk- und Informationsortes für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde am 2. September 2014 um 11 Uhr im Foyer der Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, 10785 Berlin

Jeder zweite Deutsche wird mindestens einmal im Leben psychisch krank

Zwei Drittel der Wohnungslosen sind psychisch krank

Immer mehr Menschen, besonders auch Psychiatriebetroffene und „Behinderte“, sind von Wohnungslosigkeit bedroht. Nach Schätzungen des Mieterbundes wurden im Jahr 2012 bundesweit ca. 70.000 Zwangsräumungen vollstreckt. Offizielle Statistiken gibt es dazu nicht, die Tendenz ist aber steigend. So betrug in Berlin die Zahl der von Obdachlosigkeit bedrohten Zwangsgeräumten im Jahr 2009 noch knapp über 5.000. 2011 waren es schon fast 7.000.

Durch diese Zwangsräumungen werden auch kranke Menschen obdachlos gemacht. Das hat schon zu Todesfällen geführt, wie im Fall von Rosemarie Fließ. Die gehbehinderte 67-jährige Frau verstarb nach ihrer Zwangsräumung. Die Proteste gegen Zwangsräumungen begannen wiederum mit Nuriye Cengiz, einer 63-jährigen Frau im Rollstuhl, der die Räumung drohte. Im Mai 2014 wurden Mohamed S. und seine Familie zwangsgeräumt. Er wohnte seit 36 Jahren in einer Wohnung in Charlottenburg und ist seit einem Schlaganfall schwerbehindert. Weitere Infos: http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/presse/

Insbesondere auch Psychiatriebetroffene sind – wenn sie nicht funktionieren – von dieser Räumungspraxis betroffen. Als Grund werden persönliche Krisen genannt, die zu Eigengefährdungsprognosen durch den Sozialpsychiatrischen Dienst führen können und in der Folge zu einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Dort wird oftmals eine gesetzliche Betreuung eingesetzt. Eine regelrechte „Maßnahme-Industrie“ (gesetzliche Betreuung, betreutes Einzelwohnen usw.) hängt an diesem rechtlichen, behördlichen, medizinischen und psychiatrischen Prozedere.

Die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung und die folgende Entlassung kann zugleich mit Wohnungslosigkeit verbunden sein. Denn es kommt oft vor, dass der Träger der sozialen Grundsicherung (z.B. Jobcenter) Mietzahlungen zwischenzeitlich einstellt, ohne dass die in geschlossene Abteilungen Eingewiesenen davon informiert werden und rechtzeitig darauf reagieren können. Oftmals kommen die Betroffenen erst in die Beratung, wenn sie schon obdachlos sind.

Ca. 11.000 wohnungslose Menschen leben laut Senatsverwaltung für Soziales (vgl. taz vom 4.1.2014, Keine Frage des Geschlechts) in Berlin in Notunterkünften, die überwiegend von privaten Unternehmen betrieben werden. Dort herrschen teils unzumutbare Bedingungen, zum Beispiel katastrophale hygienische Zustände (Feuchtigkeit, Schimmel, Wanzen etc.). In vielen Bezirken finden aufgrund von Personalmangel keine Prüfungen statt (vgl. taz vom 19.5.2014, Abkassieren leicht gemacht)

Das Betreiben von Obdachlosenunterkünften ist ein lukratives Geschäft: Laut Berliner Mietergemeinschaft kostet ein Platz pro Tag zwischen 20 und 30 Euro im Einzel- oder 12 bis 15 Euro im Mehrbettzimmer. Laut taz lagen die Kosten bei sechs bis 68 Euro pro Nacht. Wir wissen: Zwischen fünf bis 90 Euro gibt es alles, weil der Markt dereguliert ist. Durchschnittlich 30 Euro pro Nacht für jede/n der 11.000 Wohnungslosen ergeben 330.000 Euro, pro Monat werden ca. 9,9 Millionen eingenommen, pro Jahr 118,8 Millionen....

Während es früher feste Sätze und Budgets im Sozialbereich gab, erfolgte nach 2005 eine fortschreitende Privatisierung der Dienstleistungen. Rund 60 Prozent der 130 Einrichtungen in Berlin gehören privaten Trägern, der Rest wird von freien Trägern wie der Diakonie oder der AWO betrieben. Die Auslastung liegt bei fast 100 Prozent. Offizielle Zahlen zur Wohnungslosigkeit werden in Berlin nicht erhoben.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales schrieb im März 2013, bereits seit 2009 sei „eine stetige Steigerung des Bedarfs an Unterbringungsplätzen für wohnungslose Menschen zu verzeichnen“. Dies hänge mit dem fehlenden Angebot an preiswertem Wohnraum zusammen, ebenso wie mit der längeren Verweildauer derer, die einmal in einem solchen Heim gelandet sind. Die jetzige Politik führt dazu, dass die Betroffenen wieder verstärkt in Heimen landen und in eine Ghettoisierung getrieben werden. Oder sie landen gleich auf der Straße.

Bezeichnend ist auch, wie die Polizei mit den Betroffenen umgeht. Die Polizei erfasst Hinweise zu Krankheiten in Datenbanken. „GKR“ steht für geisteskrank, „ANST“ für ansteckende Krankheiten. Von den 38 Menschen, die bundesweit zwischen 2009 und 2013 durch Polizisten getötet wurden, wurden etwa zwei Drittel als „geistig verwirrt“ bezeichnet. In Berlin wurden zwei Fälle bekannt, Andrea H. aus Reinickendorf und der „nackte Mann am Neptunbrunnen“. Verurteilt wurden die Polizisten wegen der Todesschüsse nicht, sie sind weiter im Einsatz...

Verrückte als Freiwild: Schizophrener von Polizei erschossen

Polizeikugeln töten psychisch Kranke

Schusswaffengebrauch gegen psychisch Kranke

Polizei stürmt Wohnung, um von Zwangsräumung bedrohte Frau in die Psychatrie einzuliefern

Geisteskrank? Berliner Polizei hortet Krankenakten

Geheimheime...

Menschen mit Schizophrenie werden zunehmend ausgegrenzt. Das ergab eine Untersuchung von Greifswalder und Leipziger Wissenschaftler, die von Ende 2011 an bundesweit rund 3600 Menschen befragt hatten. Während es 1990 jeder fünfte Deutsche (20 Prozent) ablehnte, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten, war es 2011 fast jeder dritte (31 Prozent). Der Anteil derjenigen, die es sich nicht vorstellen konnten, einen an Schizophrenie leidenden Menschen einem Freund vorzustellen, stieg von 39 Prozent auf 53 Prozent. „Das Ergebnis ist beunruhigend“, sagte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Georg Schomerus, am Universitätsklinikum Greifswald am Dienstag.

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw

Da wurde mir klar, dass entweder ich verrückt war oder die Welt. Und ich tippte auf die Welt. Und natürlich hatte ich recht.
Jack Kerouac

Ein Wahn, der mich beglückt, ist eine Wahrheit wert, die mich zu Boden drückt. Christoph Martin Wieland

Werner Schwab "verwirrt und traurig muss die archäologie als das uneingegrabene einmal sein können über meinen vorwurfsvollen resten"

Drehtüreffekt: Wer keinen Sinn im Leben findet, wird zwangsläufig immer wieder in der Psychiatrie landen.

Beschwerde- und Informationsstelle Psychiatrie in Berlin (BIP) – Jahresbericht 2011
Beschwerde- und Informationsstelle Psychiatrie in Berlin (BIP) – Jahresbericht 2012

In einer kranken Gesellschaft ist jeder krank, der so tut, als sei er gesund.

Walter Vogt: Ein Psychiater mit der Faszination für abnorme Bewußtseinszustände

Der Stress macht immer mehr Berliner krank

Die Zahl schwerer psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren in Berlin stark gestiegen. Wie die Techniker Krankenkasse mitteilte, mussten 2005 insgesamt 49 000 Menschen und damit 11% mehr als 2001 wegen seelischer Störungen in Klinken eingewiesen werden. Ein Sprecher begründete den deutlichen Anstieg mit einer Zunahme der Belastung, mehr Stress im Alltag und einer allgemein größeren Unsicherheit. (Berliner Zeitung 18.9.07)

Zunahme der psychischen Erkrankungen um 40% in den letzten zehn Jahren

Ver-Rückte

Noch ein Guter. George Grosz. Knapp 6 Wochen in Berlin fällt er nach einem Kneipenbesuch eine Treppe hinunter und erstickt.

Jaco Pastorius

Chet Baker

Der wahre Rockstar stirbt mit 27

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