Von der verschwiegenen sozialen Randschicht zur skandalisierten Unterschicht


Kaputt durch diese Gesellschaft

Seid stolz auf das Werk!

Vereinzelt, aussortiert, eingesperrt

Der Marsch durch die Institutionen

abgekanzelt, abgestempelt, abgeschoben.

Der Marsch durch die Institutionen

abgefüllt, abgefüttert, abgestumpft.

Schreie nicht zugelassen.

Ruhe herrscht im Land.

Die Unterschicht sitzt vor der Glotze

die anderen im Restaurant

oder machen auf Kultur

im politischen Kabarett wird herzlich gelacht

ja man steht über den Dingen

und betrachtet alles ironisch

die Armen stören im Bild

sie sollen gefälligst in ihren

verwahrlosten Wohnungen bleiben

Selber schuld

ungeeignet.

Setzen!



Tristesse


Da sitzen sie auf ihrem Bänkelein

saufen tagein tagaus

was schütten sie alles in ihre Kehle rein

und kommen nicht mehr aus ihrem Kiez raus.


Erleben nichts in ihren Tagen,

die Gespräche wiederholen sich,

wo sind die großen Lebensfragen,

so ein Leben will ich nich.


Sie bekommen nichts mehr auf die Reihe,

der ewig gleiche Lebenstrott.

Wer gibt ihnen eine neue Weihe,

alles andere ist doch Schrott.


Kein Geld auf der Tasche,

keine Idee im Kopf,

manche halten es für eine Masche,

man muß sie packen beim Schopf.


Wacht auf Verdammte dieser Erde

seid lebendig und doch schon tot,

sollt auch nicht leben wie die Menschenhorden,

rafft euch auf, dann kommt alles ins Lot.


Soziale Randgruppen sind häufig Menschen, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Sie können ihren Lebensunterhalt wegen Krankheit, Behinderung, Alter, als Alleinerziehende nicht bestreiten, d.h. keiner Lohnarbeit nachgehen und sind deshalb auf staatliche Leistungen angewiesen. Sie können nicht arbeiten und werden als unbrauchbar klassifiziert. Soziale Randgruppen sind aber auch Menschen, die als nicht angepaßt und nicht normal gelten. Das sind z.B. Obdachlose, Strafgefangene, Punks, Junkies. Hier scheiden sich die Geister. Oftmals gelten sie als Faulenzer und Drückeberger, wie viele Punks. Häufig sind sie aber auch nicht mehr arbeitsfähig, wie alkohol- und psychisch kranke Obdachlose. Ursachen für Obdachlosigkeit sind z.B. Verschuldung, Scheidung, Gefängnisaufenthalt, psychische Probleme oder Alkoholismus. Straßenkinder fliehen aus dem Elternhaus und aus Heimen und suchen Zuflucht in Großstädten, wo sie sich mit Prostitution, Drogenhandel und Kleinkriminalität über Wasser halten. Auch Roma und Sinti sind vielen Vorurteilen ausgesetzt. Psychisch Kranke gehören oft zur sozialen Randgruppe, da sie aufgrund ihrer Erkrankung auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben und oft auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Zudem sind sie häufig isoliert. Auch Strafgefangene werden in der Gesellschaft abgelehnt. Sie finden schwer eine Arbeit und eine Wohnung. Draußen haben sie oftmals keine sozialen Kontakte mehr und wenden sich daher wieder ihrem kriminellen Umfeld zu, was meistens zu Rückfällen führt. Auch Hartz IV-Bezieher und arme Alte werden immer mehr zur sozialen Randgruppe gerechnet, da sie am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können und ausgegrenzt sind. Es gibt aber auch Menschen, die wegen ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit ausgegrenzt werden. Nach dem 11.September 2001 gibt es besonders eine Hatz gegen den Islam und Muslime und einen Terrorismusverdacht gegen diese Religion.

Die Mitglieder dieser Sozialen Randgruppen werden häufig zu Opfern von Stigmatisierung und Diskriminierung.

Da es in der DDR angeblich keine sozialen Probleme mehr gab, wurden die sozialen Randgruppen nicht thematisiert. Sie wurden verschwiegen und oftmals weggesperrt. Es gab auch in der DDR Heimkinder, psychisch Kranke, Strafgefangene, Alkoholiker, Punks. Fürsorgeempfänger gab es kaum. Durch die hohe Erwerbsquote und die Preissubventionen der Grundbedürfnisse wurde ihre Zahl niedrig gehalten. Hauptaufgabe der Sozialfürsorge war, arbeitsfähige Unterstützungsempfänger in Arbeit zu bringen. Die Sozialfürsorge betrieb die Eingliederung in die Produktion der ganz oder teilweise Arbeitsfähigen mit beträchtlicher Härte. Nach der Devise: „Wer arbeitsfähig ist, erhält nichts.“ Seit Anfang der 60er Jahre wurden „Arbeitsscheue“ kriminalisiert. Bis auf einige Rentner, alte und nicht erwerbsfähige Frauen und alleinerziehende Mütter dünnte die Sozialfürsorge weitgehend aus. In den 80er Jahren gab es eine Zunahme der Gefährdungserscheinungen bei der Vernachlässigung von Kindern. Gründe waren die Zunahme der Ehescheidungen, der Anstieg der alleinerziehenden Eltern und der Anstieg des Alkoholmißbrauches. Gab es 1980 10688 Heimeinweisungen, so waren es 1988 12854.

Das Thema Randgruppen in der DDR ist kaum aufgearbeitet. Am Rande der Gesellschaft lebten Altersarme. 1/3 der Rentner bezog eine Mindestrente zwischen 300 und 370 Mark, 96% davon waren Frauen. Es gab in der DDR eine soziale Randschicht. Deren Ranständigkeit verfestigte sich durch Heimerziehung, Kriminalisierung, Alkoholismus etc. Diese Randschicht stand unter permanenter Kontrolle, blieb in dem Kontrollapparat der DDR gefangen. Sie wechselten zwischen Arbeit im Strafvollzug und Arbeitsplatzbindung draußen. Sie waren ständigen Auflagen ausgesetzt. Ohne eine Straftat begangen zu haben, konnten Personen als „kriminell gefährdet“ etikettiert werden und mit Auflagen belegt werden. Verstießen sie gegen diese harten Auflagen, wie Arbeitsplatzbindung oder Berlin-Verbot landeten sie im Knast. Nach der Haftentlassung gab es ebenfalls Auflagen. Diese soziale Randschicht hatte vor allem mit der Etikettierung und Kriminalisierung der staatlichen Institutionen zu tun. Sie galten als „asozial“. Es gab auch Menschen in der DDR, die freiwillig die Integration in das System verweigerten und damit auch am Rand der Gesellschaft lebten. So gab es eine jugendliche Subkultur, die eine abweichende Lebensweise von der sogenannten Normalität wählten. Sie wechselten häufig die Arbeitsverhältnisse im unteren Beschäftigungssegment, hatten häufig individualisierte Arbeitsplätze wie Heizer und Pförtner oder arbeiteten pauschal ohne Arbeitsvertrag bzw. als Tagelöhner (Erntehelfer). Sie lehnten arbeits- und familienorientierte Lebenskonzepte ab. Sie waren Vorreiter eines Wertewandels und einer Pluralisierung der Lebensstile. Sie verbrachten ihre Freizeit außerhalb der formellen Organisationen. Und sie waren Marktpioniere, nutzten die Nischen der Mangelgesellschaft und stellten Konsumartikel (wie Schmuck) selbst her und verkauften diese. Häufig waren sie auch Ausreiseantragsteller, weil sie an die Grenzen des Systems stießen bzw. mit Diskriminierungen zu kämpfen hatten. Wer in der DDR einen Ausreiseantrag stellte, wurde zum Staatsfeind. Oftmals gab es Überschneidungen dieser Randgruppen. Ein Punk konnte wegen Asozialität im Knast gesessen und einen Ausreiseantrag gestellt haben. Auch Kranke gehörten in der DDR zu den Randgruppen, wie psychisch Kranke und Alkoholiker. Ernst Klee hat die unhaltbaren Zustände in der DDR-Psychiatrie beschrieben. Und auch Alkoholiker hatten oft Probleme mit der Arbeitspflicht und waren von Kriminalisierung bedroht. Es gab aber auch geschützte Arbeitsplätze, sogenannte Trinkerbrigaden in der DDR. Viele Alkoholiker sind nach der „Wende“ arbeits- und obdachlos geworden. Ihre Ausgrenzung in der Gesellschaft nahm noch zu, nun kümmerte sich noch nicht einmal der Staat um sie, sie stürzten tief. Im Realsozialismus konnten die sozialen Probleme nicht beseitigt werden, im Gegenteil sie verstärkten sich durch die Etikettierung der staatlichen Institutionen. Die Vorurteile gegen „Asoziale“, das Lumpenproletariat, blieben erhalten und führten durch die Kriminalisierung zur Verfestigung dieser Unterschicht in der DDR. Nun im Neoliberalismus nehmen die sozialen Probleme weiter zu. Die Unterschicht wächst. Gleichzeitig nimmt die Skandalisierung in den Medien zu. Berichte über Hauptschulen mit gewaltätigen Schülern und überforderten Lehrern. Die Schüler seien die einzigen in der Familie, die früh aufstehen. Hartz IV-Familien würden verhaltensgestörte Kinder produzieren. In Berlin-Neukölln steht daher Security vor den Schulen. Es wird wieder Zucht und Ordnung gefordert, die 68er mit ihrem Multi-Kulti-Gesäusel und ihren laschen Erziehungsmethoden seien an allem Schuld. Ausländische kriminelle Jugendliche sollen härter bestraft und abgeschoben werden, so Roland Kochs Offensive. Überhaupt die Unterschicht vernachlässigt ihre Kinder. Die Eltern seien überfordert und müßten stärker kontrolliert werden. Die Medien skandalisieren die Kindestötungen am laufenden Bande. Das das Unterschichten-TV selbst Schuld hat an der Verrohung und Brutalisierung in der Unterschicht, wird natürlich nicht thematisiert. Da werden Hotlines eingerichtet, um Kinder vor Vernachlässigung zu schützen. Das damit natürlich auch die Denunziation und Stigmatisierung unliebsamer Nachbarn gefördert wird, auch darüber kein Wort. In Zeiten der Stimmungsmache gegen die Verrohung der Unterschicht. Und natürlich werden nicht die gesellschaftlichen Ursachen für die Lebenssituation in der Unterschicht analysiert. Schule-Kaserne-Betriebe- das waren für Michel Foucault die Disziplierungs-einrichtungen. Wenn das Kontrollorgan Arbeit wegfällt und auch die Schule die Disziplinierungsfunktion nicht mehr erfüllt, weil die Schüler den Lehrern auf dem Kopf herumtanzen und auch die Eltern kein Interesse zeigen, denn die Schüler sind sowieso chancenlos, dann bleibt die Kaserne. Die Bundeswehr wirbt in den Arbeitsagenturen. Besonders ostdeutsche Jugendliche in Regionen hoher Jugendarbeitslosigkeit beißen an. Das Beispiel USA zeigt, dass Arme doch für etwas nützlich sind, nämlich im Auslandeinsatz für die Nation zu sterben. Denn ansonsten werden die Armen nicht mehr gebraucht. Sie werden zu einem Überflüssigkeits-Problem. Und sie müssen wieder diszipliniert werden. Geschlossene Heime, Erziehungscamps, härtere Strafverfolgung, mehr Disziplin in den Schulen, Leistung nur gegen Gegenleistung, d.h. vor allem Fordern, Arbeitspflicht. Die Unterschicht wird in ihrem Müßiggang und ihrer Lebensweise (mit dem Bier vor dem Unterschichten-TV) bedrohlich. Sie verroht und wird dem Rest der Gesellschaft lästig.

Im Herbst 2006 entbrannte eine Unterschichtendebatte. Der Arbeitersohn und SPD-Chef Kurt Beck hatte diese mit folgenden Worten ausgelöst:

„Es gibt viel zu viele Menschen in Deutschland, die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen. Sie finden sich mit ihrer Situation ab. Sie haben sich materiell oft arrangiert und ebenso kulturell.“

Dabei verkennt der Aufsteiger Beck, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Die Jahre des kollektiven sozialen Aufstiegs sind vorbei, der Soziologe Ulrich Beck nannte das Fahrstuhleffekt nach oben. Die Angst vor dem Abstieg dringt heute in die Mittelschicht ein.

Als Grundlage wurde dann eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervorgeholt. Die dominante gesellschaftliche Grundstimmung sei Verunsicherung. 59% müssten sich finanziell einschränken, 61% meinten, es gibt keine Mitte mehr, nur noch ein Oben und Unten. Die Parteienbindung nimmt ab. In der Studie wurde ein neuer Begriff geprägt. Das abgehängte Prekariat. Das wären 8% der Bevölkerung, im Osten sogar 20%. In der Studie sind das allerdings korrekterweise die Jungen und jene mittleren Alters. Von den sogenannten älteren autoritätsfixierten Geringqualifizierten redet keiner. Der andere Begriff- das abgehängte Prekariat- machte sich in der PR besser. Das abgehängte Prekariat habe die geringste berufliche Sicherheit, sie haben eher einfache und mittlere Tätigkeiten. Viele erleben einen gesellschaftlichen Abstieg. Dieser Typ hat den höchsten Anteil an Arbeitslosen und Arbeitern. Sie haben die größte finanzielle Unsicherheit und besonders starke Zukunftssorgen. Die gesamte Lebenssituation ist prekär. Sie zeigen eine starke Desorientierung, würden sich eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft mit einem stark regulierenden Staat wünschen und sich gegen Ausländer abschotten. Der Idee des Sozialismus ständen sie positiv gegenüber. Das sei der stärkste Osttyp. Wobei ich mir dieses verwirrende Konglomerat im Osten gut vorstellen kann, und mir vorstellen kann, mit wem man da auf Montagsdemos so alles protestiert.. Das abgehängte Prekariat hätte den höchsten Nichtwähleranteil und die meisten „Protest“wähler, 26% würden die PDS und 6% rechtsradikale Parteien wählen.

Und der Medienhype, die Hysterie konnte losgehen. In vielen Talkshows diskutierten Ober-und Mittelschichtler über die armen, dummen und arbeitsscheuen Unterschichtler. So zum Beispiel im Presseclub. Das alles läge nicht am Geld. Die Unterschicht sei eben ungebildet, ernährt sich schlecht, bewegt sich nicht, raucht und trinkt zu viel, glotzt zu viel TV, sie richtet sich ein und hätte keinen Aufstiegswillen. Nach der Devise, gut, dass wir mal darüber geredet haben und nebenbei hatten sich die Nicht-Unterschichtler auch wieder neue Einnahmequellen gesichert. Im Kapitalismus wird selbst das Thema Armut zum Geschäft. Die Märkte sind gesättigt, es geht um Verdrängung, Medien brauchen Themen, die hysterietauglich sind, und Politiker PR. Die erreichen Politiker auch, wenn sie sich angeblich querstellen. Arbeitsminister Müntefering verleugnete, dass es Schichten in Deutschland gebe, wie heute auch Soziologen nur noch von Milieus, Lebenslagen und Lebensstilen sprechen, Klassen und Schichten sind eigentlich out. CDU-Politiker wie Kauder, denen immer viel an Sicherheit und Sauberkeit, ganz im Sinne ihrer traditionellen Klientel, liegt, sprechen dann auch lieber von Verwahrlosung. Schon 1997 hat der CDU-Parteigenosse Landowsky gesagt: „Es ist nun einmal so, dass dort, wo Müll ist, Ratten sind, und dass dort, wo Verwahrlosung herrscht, Gesindel ist. Das muss in der Stadt beseitigt werden.“ Landowsky, der Saubermann im Bankenskandal. Zum Gesindel gehören natürlich vor allem die Sozialschmarotzer. Bild titelte "Die üblen Tricks der Hartz IV-Schmarotzer !...und wir müssen zahlen" oder "Villa mit Hartz IV" oder "Die Wahrheit über Hartz IV: In München gibt`s am meisten Geld! Jeder fünfte Bezieher ist Ausländer. Manche kriegen über 2000 Euro.". "Seriöse" Blätter wie Spiegel oder Focus titeln: Kaum Arbeitsanreiz. Üblicherweise wird immer das Arbeitslosengeld II den Löhnen von Niedriglöhnern gegenübergestellt. "Logisches" Fazit: Die Hartz IV- Ansprüche müssen gesenkt werden. Die fünf Wirtschaftsweisen und Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut forderten dann auch die Senkung von Hartz IV um 30% mit gleichzeitiger Kopplung eines Arbeitsdienstes, so nennen sie das natürlich nicht. Die Leute sind dann gezwungen, jeden Job anzunehmen, weil der Regelsatz nicht zum Leben reicht. Keine Rede von Arbeitszwang auf Hungerniveau. Die Kommunen können dann auch an die Privatwirtschaft verleihen. Für mich logisches Fazit: Der Niedriglohnsektor soll ausgebaut werden. Noch paar Medieninszenierungen a la "Kurt Beck und Henrico Frank- "Deutschlands frechster Arbeitsloser" - dann ist es soweit. Hartz V. Nach Florida Rolf und Schröders "Es gibt kein Recht auf Faulheit" kam Hartz IV. Henrico Frank, der dem Medienrummel nicht gewachsen war und sich nicht zum Büttel eines Kurt Beck - als integrierter Bauhelfer, Tellerwäscher, Müllsammler, Straßenbauer oder sonstiges- machen ließ, nach der Devise "Wer sich wäscht und rasiert, findet einen Job". Die Frau des Chefs einer Firma, die den Punk einstellen wollte, sagte: "Er (Kurt Beck) hat ausgesprochen, was alle denken. Wer wirklich arbeiten will und ordentlich auftritt, der findet auch Arbeit." Bei der Süddeutschen Zeitung Online findet sich dann auch, was so gedacht wird: "Es gibt Leute, die arbeiten 40 Stunden die Woche, um am Ende des Monats mit 1200 Euro ihre 4köpfige Familie zu versorgen. Jeder andere hat alles dafür zu tun wieder in Arbeit zu gelangen und ist an seiner Situation selbst Schuld." Bravo, haben das die Herrschenden nicht prima gemacht, Niedriglöhner gegen Erwerbslose gehetzt. Kein Hinterfragen der Lohnhöhe und Vergleich mit den Verdiensten vieler Herrschaften. Oder "Den Bärendienst erweisen den Arbeitslosen andere...die Journalisten zum Beispiel, die sich auf die Seite eines Menschen stellen, dem seine Asozialität geradezu aus dem Gesicht trieft und dafür sogar einen Menschen als Volltrottel hinstellen, der trotz seines Politikerseins einmal ungeschminkt die Wahrheit sagt..." Da kocht Volkes Stimme. Man achte auf die Wortwahl "Asozialität". "Eine absolute Frechheit und unfassbar sollte dort "keine" 30% Sperre erfolgen." Oder "Das Ärgerliche an derlei Geschichten ist ja nicht nur, dass derartige Sozialschmarotzer sich auch noch groß+breit mit Bild in den Medien genüsslich sonnen dürfen, sondern dass deren vollkommen inakzeptables Verhalten den ehrlichen und arbeitenden Menschen sowie Unternehmern dieser Republik richtig Geld kostet. Wann endlich begreift dieser schläfrige, Milliarden Euro verschlingende und offensichtlich maßlos inkompetente Moloch namens "Arbeitsagentur", dass es höchste Zeit ist, zu handeln, und allen Henricos dieser Republik den Geldhahn komplett zu sperren." Da haben wir die Straflust. Kein Geld und wie geht's weiter im Kampf gegen "Parasiten" (Begriff aus dem Report "Vorrang für die Anständigen" des Arbeitsministeriums unter Clement) und "Sozialschmarotzer". Auch die Schilderungen in den Medien über Arbeitslose dienen der Vorurteilsproduktion. In einem Artikel des Focus "Generation Überflüssig" schildert z.B. eine Alleinerziehende "gestenreich", warum sie seit 10 Jahren keinen Job hat. Der Schluß des Berichtes über sie " Ich kann gar nicht mehr arbeiten, und ich konnte es auch nie." Das Ende aller Hoffnungen- mit 31." Der Bericht über eine Familienmutter mit 5 Kindern endet: "Arbeiten wolle sie schon, beteuert die übergewichtige Mutter. "Allerdings nur in Marzahn, Hellersdorf oder Hohenschönhausen, vielleicht zwei bis drei Stunden am Tag." Berlin verkommt..." Ein 26Jähriger Vater eines Babys wird so beschrieben: "Gearbeitet hat er noch nie. "Hat sich nicht so ergeben, ist aber normal." Die meisten seiner Verwandten beziehen Hartz IV. Auf die Bewerbungen, die er geschrieben hat, bekam er nie Antwort, das Arbeitsamt hat ihn längst abgeschrieben. Jetzt will er nicht mehr." Der letzte Fall in dem Bericht ist ein arbeitsloser Schreiner, "der gelassen wirkt". Das Geld reicht sogar für "ein 300 Liter- Zierfischbecken und für die Hunde Hupe und Lady". Mit 48 strebe er einen Führerschein an. "Führerschein nebst Autokauf von bis zu 2500 Euro zahlt der Staat." Der Bericht über den Schreiner und der ganze Artikel endet mit dem Satz: "Eigentlich fehlt es uns an nichts". Paradies Hartz IV für Arbeitsscheue, könnte man meinen. Wo wird diese Meinungsmache enden?