Umwelt- von der Tabuisierung zum Klimawandel


Umweltschutz spielte in der DDR kaum eine Rolle. Die Produktion war wichtiger. In der DDR gab es verheerende ökologische Probleme. Die Böden waren belastet. DDR-Landwirte verwendeten je Hektar landwirtschaftlicher Fläche 10 Prozent mehr Düngemittel als Landwirte im Westen. Die Luftverschmutzung in den großen Industrieregionen war hoch, besonders aufgrund des Rohstoffmangels durch die Verbrennung von Braunkohle. In den 70er und 80er Jahren weist die DDR die höchste Schwefeldioxid-Belastung in Europa auf. 16 Prozent des Waldes waren stark geschädigt. In Sachsen lag der Anteil der Waldschäden bei 52 Prozent. Auch die Wasserverschmutzung in den Chemiegebieten um Halle, Bitterfeld und Halle war hoch. In die Elbe z.B. gelangten pro Jahr rund 23 Tonnen Quecksilber, 380 Tonnen Kupfer, 120 Tonnen Blei, 2 000 Tonnen Zink und 3,5 Millionen Tonnen Chlorid. Nur drei Prozent aller Flüsse und ein Prozent aller Seen waren zu Wendezeiten ökologisch intakt. Das Wasserleitungssystem war teilweise fast 100 Jahre alt. Auch viele Klärwerke und Trinkwasser- Aufbereitungsanlagen mußten modernisiert werden. Riesige Flächen waren durch Umweltgifte verseucht. Aufgrund der Rohstoff- Knappheit war allerdings das Abfallsystem (SERO) vorbildlich.

In Zeiten des Neoliberalismus sind zwar „Bio“ und „Umwelttechnologien“ in, sie sind inzwischen ein großer Markt, der wächst. Aber seit der Industrialisierung, aufgrund der kapitalistischen Produktions-, Konsum- und Lebensweise nimmt die globale Erwärmung, der Treibhauseffekt zu. Der Meeresspiegel steigt, es kommt zunehmend zu Dürren, Überschwemmungen, Hurrikans. Es gibt zwar Umweltkonferenzen und Umweltgipfel, aber an der Lebensweise der Mehrheit der Menschen ändert sich nichts. Zum Beispiel belastet der Straßenverkehr immer mehr die Umwelt. Laut einer Studie, die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben wurde, steigt die Fahrleistung des LKW-Verkehrs in den kommenden 17 Jahren um 40 Prozent und die Verkehrsleistung (beförderte Tonnen mal zurückgelegte Wegstrecke) sogar um 84 Prozent. Die Gutachter prognostizieren einen Anstieg der Kohlendioxidemissionen des LKW-Verkehrs um 16 Prozent von derzeit jährlich 49 Millionen Tonnen auf 57 Millionen im Jahr 2025 und eine Vergrößerung des PKW-Bestandes um 13 Prozent auf 51,1 Millionen. Die Schadstoffbelastung durch den Straßenverkehr ist groß, trotzdem bevorzugt die Verkehrspolitik den Straßenverkehr gegenüber Schiene, öffentlichen Nahverkehr und Fahrrädern. Die Preise des öffentlichen Nahverkehrs steigen ständig. Die Forderung nach Nulltarif scheint in weiter Ferne. Die Kontrollen in den U- und S-Bahnen nehmen zu. Anstatt die Preise zu senken, wird gegen das Schwarzfahren zu Felde gezogen. Auch die Deutsche Bahn erhöht ständig die Preise. Nach dem erfolgreichen Streik der Lokführer drohte sie sofort mit weiteren Preissteigerungen und Stellenabbau. Durch die Privatisierung geht sie zwar an die Börse, der Service für Fahrgäste wird aber schlechter, so werden Strecken einfach stillgelegt. Während der Schienenverkehr stagniert oder zurückgeht, boomen Billigflieger im Flugverkehr. Flugverkehr schädigt wiederum das Klima. Und der Flugverkehr macht Lärm. Dagegen gibt es immer wieder Bürgerinitiativen, wie beim Ausbau der Flughäfen in Berlin- Schönefeld und Frankfurt am Main. Zu Fuß gehen und Rad fahren sind am umweltfreundlichsten, aber viele fahren mit ihrem Auto sogar kurze Strecken. In den Niederladen fahren dagegen die Menschen auf 27% ihrer Wege mit dem Rad. Es geht bei den Autos nicht nur um unweltfreundlichere Technologien, sondern darum, es einfach stehen zu lassen oder m.E. besser für die Umwelt, sich erst gar keines zu kaufen. Und in der Stadt den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad zu benutzen. Auf dem Land wird es da schon schwieriger, weil die Verkehrspolitik dazu geführt hat, dass es kaum noch Schienen- und Busverkehr gibt. So wurden in den neuen Bundesländern viele Strecken abgewickelt. Das hatte aber auch mit dem Bewußtsein der Menschen zu tun, sie wollten endlich ihr eigenes schickes Westauto haben. Das war eine Sache des Prestige. Wer kein Auto hat, ist dann Verlierer. Und es hatte natürlich auch mit den gestiegenen Preisen zu tun, in der DDR war der öffentliche und Schienenverkehr subventioniert. Und auch der gestiegene Tourismus ist Umweltverschmutzer, selbst wenn er als umweltschonend und „Öko-Tourismus“ verkauft wird. Landschaften werden auch durch die „Öko-Touristen“ zertrampelt. Aufgrund des Schneemangels in den Hochgebirgen (Klimawandel!) dringt der Tourismus immer mehr in bisher unberührte Regionen vor. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz sagte, dass mit Fortschreiten des Klimawandels die Natur in Deutschland stark beeinflußt sei. Bis zu 30% aller einheimischen Arten könnten verschwinden. Besonders gefährdet sind Lebensräume in tropischen Regenwäldern und in den großen Feuchtgebieten Südostasiens. Der Klimawandel wirkt sich so zuerst in den Ländern der Dritten Welt aus, obwohl die Verursacher meistens die Industriestaaten sind. Wenn in China der Pro-Kopf-Verbrauch bei Autos und anderen Konsumgütern genauso hoch ist, wie in den USA und Europa, dann ist die Klimakatastrophe erreicht. Für die Wirtschaftskonzerne zählt nur der Profit. Aber nur eine alternative ökologische Lebensweise und vor allem die Einschränkung des Konsums kann den Klimawandel stoppen.

Kritik kann man natürlich auch an der Atompolitik üben. Nicht nur Atombomben sind gefährlich, sondern auch Atomkraftwerke. Daher fordert die Anti-Atomkraft-Bewegung die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. Besonders die Katastrophe in Tschernobyl machte auf die Gefahren aufmerksam, die von Atomkraftwerken ausgeht. Immer wieder gibt es Störunfälle in Atomkraftwerken. Diese hinterlassen radioaktive Strahlungen. Atomkraftwerke sind für die Bevölkerung und die Umwelt gefährlich. Probleme gibt es auch bei der Entsorgung des Atommülls. Jedes Jahr gibt es Widerstand gegen die Castor-Transporte. Die Anti-AKW-Bewegung hat auch Kritik an dem sogenannten Atomausstieg, der 2002 auch von den „Grünen“ beschlossen wurde. Die Regellaufzeit der Atomkraftwerke wurde auf 32 Jahre seit Inbetriebnahme befristet. Tatsächlich sei die Laufzeit aber länger, so die Gegner. Eigentlich wurde auch der Neubau verboten, das gelte aber nur für kommerzielle Atomkraftwerke, so wurde der Forschungsreaktor München II in Betrieb genommen. Auch eine Urananreichungsanlage in Gronau wurde ausgebaut. Der Atomkonsens gilt also nicht allgemein für Atomanlagen.

Und Kritik gibt es auch an der Gentechnologie. Zum Beispiel gibt es desöfteren „Feldbefreiungen“, also von gentechnisch veränderten Feldern. Andere umliegende Felder werden davon durch den Pollenflug und unreines Saatgut auch verändert. So ist die Verbreitung der Genpflanzen kaum noch stoppen. Wie sich die Gentechnik auf Pflanzen und dann durch Verzehr auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, ist noch unklar. Es entstehen „Super-Unkräuter“, Gifte der Gen-Pflanzen gelangen in den Boden, es kommt zum Artenrückgang. Die Menschen, die genverseuchte Pflanzen essen, werden zu Testpersonen. Oftmals wurden Antibiotika-Resistenzen in Gen-Pflanzen eingebaut. Die Menschen können nicht mehr wählen, was sie essen. Und keiner will für die Schäden in der Natur und bei den Menschen aufkommen. Durch Patente können Großkonzerne dann den Markt beherrschen, für die Bauern und Konsumenten bedeutet das Abhängigkeit. Der Wettbewerbsdruck wird zum Abbau von Arbeitsplätzen und zu Übernahmen, Zusammenschlüssen etc. führen. Letztlich geht es nur noch um Profit. Gentechnik wird als Zukunftsbranche gefeiert. Alternative ist dagegen der ökologische Landanbau. Allerdings wird dieser immer schwieriger, wenn die Felder der Umgebung mit Gentechnik verseucht sind. Aber auch in der Medizin und Biologie wird Gentechnik eingesetzt, wie bei der Stammzellforschung und dem Klonen. Gentechnisch veränderte Menschen und Tiere sind für viele eine Horrorvorstellung. Die Bioethik setzt sich mit diesem Thema auseinander. Das Buch „Schöne neue Welt“ von Huxley zeichnet eine Zukunftsvision. Auch die Eugenik spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Durch Zucht soll der Anteil der positiven Gene vergrößert werden. Man begünstigt die Fortpflanzung Gesunder und „Höherwertiger“, verhindert die Fortpflanzung Kranker und „Minderwertiger“. So bevorzugt das Elterngeld Besserverdienende, während die Unterschichten kaum etwas davon haben. Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky spricht dann davon, dass sich die unteren sozialen Schichten nicht immer weiter reproduzieren sollten. Die Gentechnik kann natürlich auch an Erbanlagen herum experimentieren. So stellt sich die Frage für die Zukunft, in was für einer Welt wir leben wollen. In einer Welt mit genmanipulierten Menschen, in der „Schönen neuen Welt“ oder in einer solidarischen und gerechten Welt jenseits von Profit und Kapitalismus.