Walter Serner

„Wer hätte sich besser auf das Verwischen von Lebensspuren verstehen können als ein Mann, der unter dem Namen Seligman als Halbjude geboren, Glauben und Namen wechselte....Vom Titelmissbrauch zur Flucht nach Zürich, dem Mekka der Pazifisten des 1. Weltkriegs, genötigt...“, schließt er sich dem Dada an. Tristan Tzara plagiert Serners dadaistisches Manifest so erfolgreich, dass er als Begründer und Theoretiker des Dada gilt. Serner „bricht mit dem Dada, taucht unter und wieder auf, reist, wechselt Nationalitäten, Pässe und Aufenthaltsorte, lanciert gezielt Falschmeldungen über sich. Immer ist er in Bewegung...“ Bis 1928 liest sich seine Biographie wie ein Fahndungsprotokoll. Sein Biograph Thomas Milch hat Ermittlungsakten von Ausländerbehörden, Staatsanwaltschaften, Fremdenbücher und Melderegister studieren müssen. 1942 wurde er vermutlich im Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk ermordet.

(aus Brittmacher,Klaue, Unterwegs, Zur Poetik des Vagabundentums im 20. Jahrhundert, Böhlau 2008)