Aussortiert und abgeschoben mit Hartz IV

ein Seminar im Mehringhof

Gneisenaustr.2a, 10961 Berlin- Kreuzberg

U-Bhf. Mehringdamm

Eintritt frei

 

Freitag, den 9.11. 2012 um 19 Uhr

Erst arbeitsunfähig, dann schwerbehindert mit Alg-II
Welche Rechte und Möglichkeiten habe ich? (Anne Allex)

Mitunter erkranken erwerbslose Alg-II-Berechtigte schwer und sind im Anschluss
schwerbehindert. JobCenter-Mitarbeiter und kranke Alg-II-Berechtigte finden
sich im Geflecht verschiedener Sozialversicherungssysteme schwer zurecht.
Fragen wie "Arbeitsunfähigkeit, stationärem Aufenthalt und Meldepflicht",
"Schweigepflichtentbindung", "Anschlußheilbehandlung oder medizinische
Rehabilitation und Leistungen" müssen geklärt werden, um das Überleben zu
sichern. Wieder arbeitsfähige, aber schwerbehinderte Alg-II-Beziehende fragen
sich, ob sie was davon haben, wenn sie einen Schwerbehindertenausweis
beantragen? Die Rechte Alg-II-Berechtigter in diesen Situationen werden
erörtert.

 

Samstag, d. 10.11.2012 um 13 Uhr

Psychisch Kranksein in Zeiten von Hartz IV und Gesundheitsreformen (Michael Bialek)

Mit dem Versorgungsstruktur- und dem Patientenrechtegesetz geht die endlose Novellierung der Gesundheitsgesetzgebung im Jahre 2012 weiter, nach dem Motto: „Vor der Reform ist nach der Reform“.
 
Auch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen gibt es wichtige Änderungen für Patienten im Hinblick auf Qualität und Quantität der psychotherapeutischen Versorgung, Akteneinsicht oder das mögliche Vorgehen im Falle eines Behandlungsfehlers bei Psychotherapie, ob ambulant oder stationär.
 
Arme und sozial unterdrückte Menschen wie z.B. Hartz-IV-Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken, wie die Sozialepidemiologie entgegen einem „epidemisch“ verbreiteten Biologismus wissenschaftlich nachweisen kann.
 
In diesem Seminarteil geht es darum, diese Zusammenhänge darzustellen und trotz des nicht bloß medizinischen Charakters psychischer Krankheit nützliche Hinweise für die Durchsetzung der spezifischen Patientenrechte zu geben.

 

Samstag, d.10.11.2012 um 15 Uhr

Die Sonderarbeitsmärkte für Psychiatriebetroffene in Behindertenwerkstätten, Zuverdienstfirmen etc. (Thilo Broschell)

Insbesondere Psychiatriebetroffene sind Risiken in der vorrangig an Effizienz, Leistung und Perfektion orientierten modernen Arbeitsgesellschaft ausgesetzt. 43 % sind aus dem Erwerbsleben ausgeschieden, davon sind ca. 16,5% Langzeiterwerbslose (ALG II Empfänger), ca. 12,5% erhalten Sozialhilfe bzw. Sozialgeld, ca. 14% beziehen Erwerbsunfähigkeitsrente; nur ca. 5,6 % (!) der psychisch Kranken sind vollbeschäftigt; ca. 6,5% sind teilzeitbeschäftigt; ca. 20% haben einen geschützten Arbeitsplatz; ca. 5% befinden sich in Maßnahmen der Beruflichen Rehabilitation. Die Lebenssituation vieler psychisch kranker Menschen mit chronifizierten Störungen ist durch ein Leben am Armutsrand und durch Abhängigkeit von Institutionen gekennzeichnet. Viele Psychiatriebetroffene werden in Sonderarbeitsmärkten bei  absolut geringster Entlohnung geparkt. In einer Gesellschaft, die Menschen nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt, wir ihnen die Anerkennung verweigert.

 

 

Was ist normal- was ist verrückt?:

Traumatisierung- Gewalt- soziale Ausgrenzung

 

ein Seminar im Mehringhof

 

30.11. und 1.12. 2012

 

Gneisenaustr.2a, 10961 Berlin- Kreuzberg

U-Bhf. Mehringdamm

 

Eintritt frei

 

 

Freitag, d. 30.November 2012 um 19 Uhr

 

Uschi Volz-Walk

 

Traumatisierung

Viele Menschen in unserer Gesellschaft leiden unter seelischen Verletzungen, sog. Traumatisierungen. Durch die Aufdeckung vieler sexueller wie auch gewalttätiger Mißbrauchsfälle in den letzten Jahren in kirchlichen Einrichtungen und Heimen erahnt unsere Gesellschaft die Dimensionen, die diese Verletzungen für die Betroffenen hat, erahnen deshalb, weil der Haupttatort, die familiären Verhältnisse, letztendlich noch kaum in seiner Gänze erfasst ist. Wer Traumatisierungen erlebt hat, reagiert in aktuellen Bedrohungssituationen im Erwachsenenalter oft im selben Muster wie damals, nur dass die Reaktion damals eine wichtige Überlebensstrategie war, die später nicht mehr für die betroffene Person hilfreich ist bzw. oftmals zu sog. "posttraumatischen Belastungsstörungen" oder Verhaltensweisen führt, die irritierend und belastend sind.
Viele, die solche Erfahrungen gemacht haben, haben sehr früh ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden entwickelt, weswegen diese Menschen vermehrt in Protest- und Widerstandsbewegungen anzutreffen sind.
In der Veranstaltung geht es darum, eine gewisse Sensibilisierung für und mit Betroffenen zu erreichen. Sensibilisierung dafür,  dass Betroffene einen heilsamen Rahmen für sich brauchen, der nicht aus Ausschluss, Demütigung und Nicht-Anerkennung besteht, sondern in der Würdigung ihrer speziellen Geschichte ohne sie zu opferisieren.

 

Samstag, 1. Dezember 2012

um 13 Uhr:

Anne Seeck

Gewalt von und gegen Psychiatriebetroffene

Insbesondere Menschen mit den Diagnosen „Psychose“ und „paranoide Schizophrenie“ haben es mit Gewaltsituationen in Wahnzuständen zu tun. 1% der Bevölkerung sind schizophren, d.h. es besteht ein relevantes Problem, das aber tabuisiert ist. Jede/r kennt Menschen, die sich „merkwürdig“ verhalten. So kann es in Paranoiazuständen vorkommen, dass die Betroffenen mit Messern herumfuchteln, evt. sogar töten. Auch die 53jährige Andrea H. fuchtelte am 24. August 2011 in einer betreuten Wohngemeinschaft in Berlin-Reinickendorf aus Angst vor Einbrechern mit dem Messer herum. Sie sollte von der Polizei in die Psychiatrie gebracht werden und wurde schließlich von einem Polizisten getötet. Seit 2007 wurden in Deutschland ca. 10 Psychiatriebetroffene in solchen Situationen von Polizisten getötet. Andererseits sind es auch Psychiatriebetroffene, die andere Menschen töten oder sich selbst umbringen. Bei Selbst- oder Fremdgefährdung landen sie in der Psychiatrie. Bei ausgeübter Tötung in der Forensik oder auf dem Friedhof. Abschließend soll diskutiert werden, was es aus Betroffenensicht für Möglichkeiten gibt, auch mit dieser Erkrankung ein lebenswertes Leben zu haben und stabil zu bleiben?

Samstag, 1. Dezember

 

um 15 Uhr:

 

ein/e Vertreter_In der Kampagne

 

"Soziale Ausgrenzung als Folge von Pathologisierung von geschlechts-non-konformen Menschen (Vorstellung der internationalen Kampagne "Stop Trans*-Pathologisierung 2012")

Internationale Krankheitskataloge schreiben fest, daß nicht geschlechts-konforme Menschen ("Trans*-Menschen") sich als psychisch krank diagnostizieren lassen müssen, um ein Recht der Personenstandsänderung durch zu setzen. Im sozialen Nahraum, im öffentlichen Raum, in der Arbeitswelt, bei Behörden, im Gesundheitswesen und im Dienstleistungssektor hat diese Zuschreibung erhebliche Diskriminierungen sowie verbale und massive Gewaltübergriffe bis hin zu Hass-Verbrechen zur Folge. Erwerbslosigkeit von Trans*-Menschen ist europaweit überdurchschnittlich hoch. Die rechtlichen und medizinischen Regelungen (u.a. Sterilisierung in 28 EU-Ländern) ziehen oft eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses oder der Wohnung nach sich. Zahlreiche weitere Alltags-Diskriminierungen lassen oft nur eine illegale (Rand-)Existenz in prekären subkulturellen Bereichen und risiko-reicher Sexarbeit zu.

Eine internationale Kampagne "Stop Trans*-Pathologisierung 2012", die weltweit seit 2009 mehr wie 300 Gruppen auf allen Kontinenten in einem Netzwerk vereint, fordert aufgrund dieser auch vom Europa-Rat als Menschenrechtsverletzung benannten Phänomene eine Streichung der Kategorie "Geschlechtsidentitätsstörung" aus den internationalen Krankheitskatalogen ICD und DSM.

 

Ausblick

 

Seminar 8.+ 9. Februar 2013

 

Armut und Arbeit machen krank

 

Freitag 19 Uhr: Armut macht krank – wie handeln die Experten?
oder Armut macht krank – helfen Experten?
Samstag 13 Uhr: “Mir ist alles zuviel!"- Gesellschaftliche Ursachen des Burn-Out-Syndroms

Samstag 15 Uhr: Ambulante soziale Hilfen zwischen Emanzipation, neoliberalem Sparzwang und Repression?

 

 

Veranstalter: AK Was tun/ Teilhabe e.V.

 

www.teilhabe-berlin.de

 

Unterstützt von Aktion Mensch 

 

 

 

 

 

Zwischen Bittbrief und Barrikade

Perspektiven der Erwerbslosenbewegung

Wochenendseminar 28./ 29.10.2011 im Mehringhof, Gneisenaustr.2a (U-Bhf. Mehringdamm)

Freitag 19 Uhr:

„Wo sind sie geblieben“: Geschichte und Besonderheiten der Erwerbslosenbewegung

mit Harald Rein (Frankfurter Arbeitslosenzentrum), Roland Roth (Politologe, Hochschule Magdeburg-Stendal) und Christian Schröder (Gruppe reflect! Berlin)

Harald Rein wird über seine 30jährigen Erfahrungen in der Erwerbslosenbewegung berichten. Wo gab es Erfolge, was ist misslungen. Wie sieht die aktuelle Situation aus und wo sind Ansatzpunkte für neue Wege.

Roland Roth wird als Protestforscher darstellen, warum Proteste in Deutschland erfolgreich waren und welche Schlüsse man daraus für die Erwerbslosenbewegung ziehen kann. Was können wir z.B. von Stuttgart 21 und der Anti-AKW-Bewegung lernen? Welche Impulse können uns Proteste z.B. in der arabischen Welt, in Israel, in Spanien oder Griechenland geben?

Christian Schröder wird seine Forschungsergebnisse über die Erwerbsloseninitiativen in Amsterdam und Berlin vorstellen. Was sind die Ursachen der Flaute in Berlin? Wie kann eine Erwerbslosenbewegung erfolgreich sein?

Können wissenschaftliche Erkenntnisse den Blick für neue Perspektiven öffnen?

Samstag 13.00 Uhr

Die Quadratur des Kreises?

Wollen und können Erwerbslose überhaupt zu einer „Bewegung“ werden?

Inwieweit ist es überhaupt möglich, dass höchst unterschiedliche Gruppen und zahlreiche Querköpfe „ihre Kräfte bündeln“, wie es so schön heißt?

Ist „Arbeitslosigkeit“ ein Stigma, das alle Aktivitäten lähmt?

Oder gibt es eine Kunst, mit unvollkommenen Mitwirkenden und unzureichenden Ressourcen erfolgreich zu sein?

Zu diesem Thema werden wir ein World Cafe durchführen.

Das World Cafe geht davon aus, dass jede Menge Wissen und Weisheit bei den TeilnehmerInnen vorhanden sind. Es schafft den Rahmen, um Wissen zusammenzuführen und im Dialog weiter zu entwickeln. Inspirierende Leitfragen geben den Dialogen eine Richtung. In wechselnden Gruppen werden Themen diskutiert, Ideen entwickelt, Standpunkte bearbeitet und Lösungen erarbeitet.

Samstag 15.00 Uhr

Erwerbslose Bewegungs-Los ?????

Input und Moderation: Thilo Broschell

Berlin ist die Hochburg von prekär Beschäftigten und Langzeitarbeitslosen. Hier gilt es der Frage nach zu gehen, wie setzen sie sich zusammen, wo könnten gemeinsame Schnittmengen liegen und warum finden sie nicht zu einander. Die gemeinsamen Interessen liegen doch offen zu Tage, oder täuscht hier unsere Wahrnehmung.

Außerdem wollen wir uns anschauen, welche Gruppen – und Erwerbslosenzusammenhänge es in Berlin noch gibt. Was sind ihre Stärken und Schwächen, wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen  oder eben auch nicht. Es soll auch ein Versuch unternommen werden nach zu spüren, wo sind  Gruppen und Zusammenhänge geblieben, bzw. worin sind sie aufgegangen oder was ist aus ihnen geworden (Professionalisierung, Frustration...). Sind die Formen bzw. die Konzepte der Organisierung von Erwerbslosen noch zeitgemäß?

Samstag 17 Uhr

Was tun?

Nach dem Rückblick, dem World Cafe und der Bestandsaufnahme wollen wir abschließend einige Fragen diskutieren.

Wo sind die Stärken und Schwächen?

Worauf können wir in Zukunft setzen?

Wie können wir etwas bewegen?

Was kann anders werden, wie können wir uns neu orientieren?

 

Veranstalter Netzwerk Selbsthilfe und Teilhabe e.V.

Unterstützt von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt

www.teilhabe-berlin.de

http://netzwerk-selbsthilfe.de/


Wie will und kann ich anders leben?

Infoveranstaltung und Open Space am 18./19.11.2011 in der SFE im Mehringhof, Gneisenaustr.2a (U-Bhf. Mehringdamm)

Freitag 19 Uhr

Wie anders leben, anders arbeiten, anders wirtschaften?“

(Vortrag von Wolfgang Ratzel)

Der Vortrag bereitet unser samstägliches Beieinandersein im Open Space vor.

Er wird eingangs einen Rückblick auf Antworten bieten, die wir im Jahre 2011 auf unsere vielfältigen Fragen „Was tun, wenn ...“ gegeben oder unterlassen haben.

Diesem Rückblick schließt sich die Frage an, was überhaupt Leben, Arbeiten und Wirtschaften unterscheidet:

- Worin zeigt sich das jeweils Spezifische dieser Lebensbereiche und wie gestalten sich diese Lebensbereiche im postmodernen Berliner Hier und Jetzt.

- Wie leben wir in der Leistungsgesellschaft und wie unterscheidet sich unser Lebensvollzug von der fordistischen Disziplinargesellschaft.

- Als Kontrast dazu zeigt der Vortrag kurz und knapp, wie sich in der Vormoderne (und in weiten Teilen der Welt auch heute noch) Leben, Arbeit und Wirtschaften miteinander verbindet.

Schwerpunkt dieser Betrachtung ist die Frage, welches Fähigkeitsprofil die Leistungsgesellschaft vermittelt, und worin sich dieses von den Befähigungen der vormodernen und modernen Disziplinargesellschaft unterscheidet. Auf welche „inneren“ Schranken würde die Perspektive eines anderen Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens treffen?

Im zweiten Teil des Vortrags geht es darum, was das Wort „anders“ meint.

Was verbinden wir mit dem Wort „Anderes Leben“, „Anderes Arbeiten“ und „Anderes Wirtschaften“? Das Wort „anders“ sagt ja lediglich aus, dass wir nicht so leben, arbeiten und wirtschaften wollen wie unter den Bedingungen unserer kapitalistisch-technischen Verhältnisse. Hinsichtlich dessen, was kommen soll, ist das Wort inhaltlich leer.

Im Open Space werden wir unsere Gründe, warum wir das Gegebene ablehnen, ebenso aussprechen wie unsere Sehnsuchtshorizonte. Der Vortrag beschränkt sich deshalb auf die Frage, ob kapitalistisch-technische Verhältnisse überhaupt ein „Anderes“ zulassen.

Oder ob das Wesen des Kapitalismus gerade in seiner „Fähigkeit“ besteht, das „Andere“ immer wieder und aufs Neue zu seiner eigenen Modernisierung einzuverleiben.

Daran schließt sich die Frage an, ob es Grenzen für die Verwandlungs- und Anpassungsfähigkeit des kapitalistisch-technischen Systems gibt?

Gibt es ein Anderes, das dieser Einverleibung widerstehen kann?

Gibt es ein Außen, in dem sich das Andere niederlassen kann?

Hinsichtlich der Frage nach den Grenzen der Integrationsfähigkeit des Anderen greift der Vortrag auf Rosa Luxemburgs „Die Akkumulation des Kapitals“ zurück, stellt aber auch neuere Überlegungen zu den „inneren Schranken“ der kapitalistisch-technischen Verhältnisse vor.

 

Samstag:

OPENSPACE: „Wie will und kann ich anders leben?“(Oberthema)

Nach dem Vorstellen der Open Space Prinzipien können die TeilnehmerInnen ihre Themen für die Workshops einbringen. Das sind Themen, die ihnen am Herzen liegen, die sie bewegen, die sie mit anderen bearbeiten wollen und für die Verantwortung übernehmen möchten. Danach folgen die Workshops, zu denen sich kleine Gruppen zusammenfinden. Derjenige, der das Thema eingebracht hat, übernimmt meistens die Moderation der Gruppe und hält Ergebnisse fest. Die Ergebnisse der Workshops werden dokumentiert, veröffentlicht und vervielfältigt.

Veranstalter: AK Was von Teilhabe e.V.

Unterstützt von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt


Umbrüche in der Arbeitswelt und des Sozialstaates 2011

im Mehringhof, Gneisenaustr.2a, Berlin- Kreuzberg


18./19. März: Was tun, wenn ich kein Geld habe...- und zur Lebensmittelausgabe muß?


Freitag 19 Uhr
Diskussionsveranstaltung mit Stefan Selke: Grenzen der guten Tat - Kritik der Tafeln

1963 gab es die erste Tafel in den USA, 1993 wurde die erste in Berlin gegründet. Inzwischen existieren fast 900 Tafeln in Deutschland, die von einer Millionen Menschen genutzt werden. Stefan Selke hat die Tafeln in Deutschland untersucht und kommt zu folgendem Urteil: Die Tafeln stabilisieren die Gesellschaft, weil sie ganz offensichtlich eine Leerstelle füllen. Sie erzeugen damit aber auch Armut und ‘zementieren’ den Staus quo...Statt an einer Abschaffung der Armut mitzuwirken, beteiligen sich die Tafeln- sicher unintendiert- an einer Segmentierung der Gesellschaft in ‘Oben’ und ‘Unten’. Bedürftige Menschen werden durch ein gut funktionierendes Tafelsystem zwar nicht vom Staat, dafür aber umso effektiver von freiwilligen Hilfsorganisationen ‘ruhig gestellt’.


Samstag:
13 Uhr Zurück in den Almosenstaat? (Dieter Hartmann, Sozialforum Berlin)

Das Berliner Sozialforum hat sich kritisch mit der Vertafelung der Gesellschaft auseinandergesetzt. Das Sozialforum: Die ‘großzügigen’ Spender aus der Wirtschaft, die ja von der wachsenden sozialen Ungleichheit profitieren, können sich vor laufenden Kameras als Wohltäter darstellen, obwohl ihre Spenden lächerlich sind im Vergleich zu ihren Profiten – und die Besucher der Tafeln müssen sich als Almosen-Empfänger auf der Straße in die Schlange stellen. Und Politiker – wie etwa Sarrazin, der meint, dass man von Hartz IV ja toll leben kann - erhöhen die Regelsätze nicht, weil die Tafeln ja schon helfen werden...Den Ärmsten helfen und die Umwelt schützen- und dies kostenneutral für den klammen Vater Staat. Eine klassische Win-Win-Situation. Die Frage ist nur: Für wen?

15 Uhr Anders leben. Aber wie? (Anne Seeck)

Dieser Teil des Seminars ist die Fortsetzung der „Tipps für Erwerbslose„ in dem Seminar „Was tun, wenn ich nicht gebraucht werde„ vom 17./18. Dezember 2010.
Was können wir tun, um nicht um Almosen betteln zu müssen. Und was nützen uns Forderungen an den Staat, die die Herrschenden ignorieren. Wir müssen in unserem Alltag beginnen, „anders zu leben„. Wir werden gemeinsam erarbeiten, wie wir in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Essen, Arbeiten, Wirtschaften etc. mit dem anderen Leben beginnen können. Tolle Ideen und konkrete Vorschläge für die Umsetzung sind herzlich willkommen

17-18 Uhr Abschlussdiskussion

WAS TUN? TEIL 2 – Ausblick der Seminarreihe
Umbrüche in der Arbeitswelt und des Sozialstaates

25./26.März: Was tun, wenn ich lohnarbeite und mich trotzdem nicht dem Proletariat zugehörig fühle?

· Proletariat- was war das? (Vortrag mit Karl-Heinz Schubert)
· Die Arbeitswelt im Sozialbereich und der Arbeitsagentur (Input von Anne Seeck)
· Die Arbeitswelt im Gesundheitswesen (Input von Sarah Heselhaus)
· Die Arbeitswelt bei Kreativen (Input von Patricia Schwindkowski)
· Postmoderne und alternative Arbeitswelten (Input von Wolfgang Ratzel)

15./16. April: Was tun, wenn der Zwang zur Positivität mich in die Erschöpfung treibt?

· Zur Situation der Beschäftigten in der Weiterbildung (Vortrag von Renate
Singvogel, Verdi)
· Die Bildungsträger aus Sicht eines Teilnehmers (Vortrag von Joachim Maiworm)
· Vorstellung des Ehrenreich- Buches "Smile or die"(Anne Seeck)
· "Die Müdigkeitsgesellschaft" – Vorstellung des Buches von Byung-Chul Han (Wolfgang Ratzel)

13./14.5.: Was tun, wenn der Sozialstaat abgeschafft werden soll?


· Geschichte und Kritik des Sozialstaates (Vortrag von Christian Frings)
· Der abendländische Sozialstaat: Drei Formen und zwei Alternativen
(Vortrag von Wolfgang Ratzel)

· Grundeinkommen in Namibia (Vortrag von Susanne Laudahn)

 

24. und 25. September 2010

Teil 1

Was tun, wenn ich die Ostalgie nicht ertrage?

Ort: Mehringhof Gneisenaustr.2a

(U‐Bhf.Mehringdamm) 10961 Berlin

 

Freitag, d. 24.9. um 19 Uhr Vereinigung, Ostalgie und Aufarbeitung (Vortrag von Anne Seeck)

Demnächst wird der 20. Jahrestag der deutschen Vereinigung gefeiert. Aber es gibt nichts zu feiern. Die sozialen Folgen in Ostdeutschland sind dramatisch. Schon 1 989 sah die DDR-Wirtschaftslage nicht rosig aus, aber Währungsunion und Treuhandpolitik führten zum wirtschaftlichen Niedergang. Massenarbeitslosigkeit und Niedriglöhne sind an der Tagesordnung. Wer kann, geht. Nicht blühende, sondern verwaiste Landschaften und schrumpfende Städte entstehen. In diesem Umfeld erblüht nur die Ostalgie. Aber weder die Verklärung der DDR, noch ihre Dämonisierung, wie sie die Herrschenden betreiben, sind angebracht. Wie sollte Vergangenheitsaufarbeitung heute für nicht-autoritäre Linke aussehen?

Samstag, d. 25.09.2010

13-14.30 Uhr Die Jugendopposition in der DDR (Vortrag von Anne Seeck)

Während die Mehrheit der DDR-Normalbürger meckerte, aber die Staatsführung "wählten", lehnte die Subkultur die "Gartenzwergidylle" DDR radikal ab. Der Staat bot Sicherheit für Wohlverhalten, die abweichenden Jugendlichen suchten dagegen das Abenteuer und schufen sich Freiräume. Sie wollten selbst über ihr Leben entscheiden und fühlten sich vom Staat gegängelt. Planstellen, Zwangskollektive, FDGB-Urlaub, staatlicher Kindergarten, Marxismus-Leninismus-Studium – all das kotzte sie an. Was unterschied die Jugendopposition von Normalbürgern, die sich anpassten?

14.30-15 Uhr Kaffeepause

15-16.30 Uhr Die libertär-sozialistische Kritik am Realsozialismus und nichtautoritäre Alternativen: Wie kann Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Realsozialismus gestaltet werden? (Vortrag von Ralf G. Landmesser)

Im historischen Sozialismus gab es zwei Haupttendenzen: den sog. "Wissenschaftlichen Sozialismus" und die aus ihm resultierende Sozialdemokratie mit Ziel der Staatsübernahme per "Arbeitermacht" und demgegenüber den staats- und hierarchiekritischen libertären Sozialismus. Aus dem wissenschaftlichen Unfehlbarkeitsanspruch der sozialdemokratischen Richtung enwickelte sich der Leninismus. Dessen Demokratie war nur noch parteiintern gedacht und sollte nach außen die Diktatur "des Proletariats" sein. De facto war er aber die Diktatur über "das Proletariat" – und zwar überall wo dieses Modell angewandt wurde. Dabei hatte Marx gesagt: "Die Befreiung der Arbeiter muß das Werk der Arbeiter selbst sein."

Seit dem Zusammenbruch des Regiments des "Realexistierenden Sozialismus", der nach Überzeugung der Libertären kein Sozialismus war, weil er nicht befreiend war und sogar Entfremdung, Pauperisierung und Ausbeutung noch verschärfte, stellt sich die Frage nach libertärer Neustrukturierung der Gesellschaft erneut und drängend. Im Vortrag werden libertäre Grundsätze und Grundstrukturen erörtert und anhand von historischen und aktuellen Strömungen, Ereignissen und Projekten erläutert. Gerne darf anschließend darüber diskutiert werden.

Ralf G. Landmesser ist Publizist und Gesellschaftswissenschaftler (Politik, Soziologie, Kommunikationswissenschaft) und lebt seit 1980 in Berlin.

16.30-17 Uhr Pause

17-18 Uhr Abschlußdiskussion

 

22./23.10.2010

Was tun, wenn ich mich selbst ausbeute?

Subjektivität in der Krise (Vortrag von Christina Kaindl)

Selbstausbeutung im Kapitalismus (Vortrag von Anne Seeck)

Die Ressource Kreativität – erneuerbare Energie oder Selbstausbeutung? (Vortrag von Patricia)

 

12./13.11.2010

Was tun, wenn ich nicht funktioniere?

Antipsychiatrie und der Normalitätsbegriff (Vortrag von Hannelore Pietsch und Ludger Bruckmann)

Wahrnehmungsveränderungen (ver – rücktsein) und mögliche Ursachen (sexuelle Gewalt) (Vortrag von Sarah Heselhaus)

Psychiatriebetroffene in der Arbeitswelt (Vortrag von Anne Seeck)

Das Recht auf Faulheit (Vortrag von Rene Talbot)

 

17./18.12.2010

Was tun, wenn ich nicht gebraucht werde?

Über die Selektion des unbrauchbaren Leben durch Bevölkerungspolitik und gesellschaftliche Kostenrechnung. (Vortrag von Wolfgang Ratzel )

Überleben im Widerstand gegen die Verwertungslogik der Bevölkerungspolitik: Über Handlungsstrategien der Ausgegrenzten und Randständigen. (Vortrag von Wolfgang Ratzel)

Tipps für Erwerbslose (Vortrag von Anne Seeck)

 

Eine Seminarreihe von Teilhabe e.V.

Kontakt: anne.snk44@yahoo.de

Unterstützt von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt

 


Wochenendseminare "Armut: global-lokal-Widerstand"

1. Seminar:Überlebenskampf global

7./8.5.2010 im Mehringhof

Freitag 19 Uhr

Die Globale Armut- Vortrag von Anne Seeck

In diesem Vortrag sollen die sozialen Probleme der Globalisierung beleuchtet werden.
So leben viele Menschen trotz Erwerbstätigkeit unter der Armutsschwelle. Knapp 1,4 Milliarden erwerbstätige Personen haben zwei US-Dollar pro Tag und Kopf. Die Bedeutung des informellen Sektors ist im subsaharischen Afrika, in Lateinamerika und der Karibik sowie in den einkommensschwachen Staaten Europas und in Zentralasien sehr hoch. Gleichzeitig gab es 2005 etwa 192 Millionen Arbeitslose. Die soziale Spaltung nimmt zu. Während die zehn Reichsten dieser Welt ein Vermögen von etwa 275 Milliarden US-Dollar haben, sterben jährlich über zehn Millionen Kinder vor ihrem fünften Lebensjahr. Schätzungen gehen von weit über 800 Millionen Hungernden aus. Im Hinblick auf die Ressourcen ist auch das Bevölkerungswachstum wichtig. Gegenwärtig nimmt die Weltbevölkerung jedes Jahr um etwa 76 Millionen Menschen zu. Im Jahr 2050 wird über ein Fünftel aller Menschen in Afrika leben. Ein weiteres Problem ist die Verstädterung und vor allem die Verslumung. In Afrika hat sich die Stadtbevölkerung zwischen 1950 und 2005 mehr als verzehnfacht, in Asien nahezu versiebenfacht. Ein weiteres Problem ist Aids, seit 1981 hat die Krankheit mehr als 25 Millionen Opfer gefordert. Das südliche Afrika war im Jahr 2005 mit 25,8 Millionen infizierten Menschen die am stärksten betroffene Region. Im Jahr 2002 hatten deutlich über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Im selben Jahr hatten etwa 42 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen bzw. geregelter Abwasserentsorgung. Mit den Problemen in den Herkunftsländern nimmt die Migration zu. Unter den Migranten gab es laut Weltbank im Jahr 2004 weltweit 8,7 Millionen Flüchtlinge, davon stammten 6,8 Millionen aus nur 15 Staaten.

Input Wolfgang Ratzel: "Global denken und lokal überleben und Widerstand leisten"
Der Input wendet sich einerseits gegen die lokale Borniertheit insbesondere (aber nicht nur) von Erwerbsloseninitiativen; andererseits aber auch gegen einen abstrakten, romantisierenden und moralisierenden Internationalismus, der die besonderen Existenzbedingungen der globalen und lokalen Armutsbevölkerungen geflissentlich übersieht oder gegeneinander ausspielt.

Samstag - Verantwortlich: Wolfgang Ratzel:
Ich werde versuchen, bezogen auf die USA, Lateinamerika, Afrika und Asien vier konkrete Überlebens- und Widerstandsszenarios vorzustellen:
- Wie sieht der Alltag in den prekarisierten Gebieten aus?
- Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?
- Wie unterscheidet sich der Alltag der prekarisierten Frauen von dem der Männer?
- Welche Ökonomie funktioniert nach welcher "Logik" und wie genau?
- Gibt es Reste von Selbstversorgungs- und Subsistenzwirtschaft?
- Wie funktioniert Lohnarbeit? Regulär? Irregulär?
- Rahmenbedingungen: Herrschen kapitalistische Verhältnisse mit oder ohne Sozialstaat?
- Gibt es Ansätze oder Reste von Systemen sozialer Sicherung?
- Gibt es ein Gesundheitssystem?
- Gibt es vor Ort Wohlfahrtseinrichtungen religiöser,
weltanschaulich-politischer oder privater Einrichtungen? –
und wie funktionieren sie?

Optimal wäre, wenn es gelänge, einen kompletten Tagesablauf zu dokumentieren:
Herr oder Frau oder Kind oder Jugendlicher oder Alter X in der Favela Y oder Slum Z steht morgens auf und dann passiert das und das.

Wer solche Abläufe sieht und hört, kann diese Szenarien immer schon mit seinen eigenen Tagesabläufen vergleichen.

11:30 - 13 Uhr Zum Beispiel Amerika
- am Beispiel eines Hustlers (das ist eine multiflexibler regulär-irregulärer Überlebensfigur im Ghetto von Chicago) und
- am Beispiel eines typischen Bewohners einer lateinamerikanischen Favela

13-14 Uhr Mittagessen

14-15.30 Uhr Zum Beispiel Afrika
- am Beispiel einer an AIDS erkrankten Frau und einem AIDS-erkrankten Mann – unter Einbeziehung der Folgen für die Großfamilie und die Kinder.

16-17.30 Uhr Zum Beispiel Asien
- am Beispiel eines Slumbewohners bzw. einer Slumbewohnerin in Indien und eines
- Wanderarbeiters bzw. Wanderarbeiterin in China

18-19 Uhr Abschlussdiskussion
Die Diskussion thematisiert über die globalen Zustände hinaus vor allem auch den "seriösen" Vergleich zwischen den eigenen und "fremden" Überlebens- und Widerstandsbedingungen.

2. Seminar: Überlebensformen lokal

4./5.6.2010 im Mehringhof

Freitag 19 Uhr

Die Hetze gegen Hartz IV-BezieherInnen und aktuelle Entwicklungen- Vortrag von Anne Seeck

Im Zeitraum rund um die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zu den Hartz IV-Regelsätzen verging kein Tag, an dem nicht gegen Hartz IV-BezieherInnen Hetze betrieben wurde. FDP-Chef Westerwelle tat sich dabei besonders hervor. Für ihn hat die ganze Debatte "sozialistische Züge". Er sagte: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein." (Die Welt vom 11.02.2010). Westerwelle versuchte sich dabei zum Anwalt der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit kleinen und mittleren Einkommen zu machen, diese seien die "Melkkuh der Nation". Von den Hartz IV-Empfängern verlangt er Gegenleistungen, sie sollen gefälligst Schneeschippen. Wer nicht mitmacht, dem sollten die Leistungen gekürzt werden. In dem Vortrag soll auf aktuelle Entwicklungen in Bezug auf Hartz IV und die begleitende Hetze gegen die Betroffenen eingegangen werden. Dabei soll auch beleuchtet werden, dass Politiker wie Westerwelle Klientelpolitik betreiben. Das eigentliche Problem ist nicht die Höhe der Hartz IV-Leistungen, sondern es sind die niedrigen Löhne und die Ausweitung des Niedriglohnsektors durch seine Klientel des Arbeitgeberlagers.

Vortrag von Wolfgang Ratzel: "Sind Erwerbslose, Working Poor und andere Prekarisierte zur Selbstorganisation willens und fähig?"

Der Vortrag schöpft aus der Vielfalt eigener Erfahrungen mit einer Selbsthilfeperspektive, die systemüberwindenden politischen Widerstand mit wirtschaftlicher Selbsthilfe verbinden will.
Im einzelnen geht es um Erfahrungen mit der "Selbsthilfeinitiative der Geringverdienenden und Erwerbslosen im Crelle-Kiez (Berlin-Schöneberg)"; dem "Selbsthilfeverein der Geringverdienenden und Erwerbslosen in Pankow e.V."; dem "Projekt KiezVerantwortung" und dem "Treffpunkt Pankow-Precaristi".
Dabei werden die konkreten Probleme und Möglichkeiten dargestellt, auf die eine Selbsthilfe- und Selbstorganisationsstrategie zwangsläufig trifft: Positive und negative Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Bezirksämtern, den JobCentern und den Trägern von Gemeinwohlarbeit.
Vor allem aber geht es darum, warum und woran Selbstorganisationsprojekte immer wieder scheitern? Gibt es trotz alledem eine Perspektive Selbstorganisation des prekären Lebens?

Samstag
11.30-13 Uhr
Deutschland Dritter Klasse- Leben in der Unterschicht
Wir wollen aus dem gleichnamigen Buch den Alltag von Hartz IV-BezieherInnen, Ein-Euro- Jobbern, NiedriglöhnerInnen und Leiharbeitern, Kinder in Förder- und Hauptschulen sowie im Jugendarrest vorstellen. Ein Buch über die soziale Schieflage in Deutschland.

13-14 Uhr Mittagesessen

14-15.30 Uhr
Der Tag einer Ein-Euro-Jobberin und einer Vermaßnahmten
Hier wollen wir zunächst eine Ein-Euro-Jobberin in einer Kirche zu Worte kommen lassen. Sie wird uns über ihren Arbeitsalltag berichten und ihr prekäres Leben. Armut trotz Arbeit.
Anschließend wird aus dem Buch "Dead men working" der absurde Alltag in einer Maßnahme beschrieben.

16-17.30 Uhr
Wolfgang Ratzel: Aus dem Leben des Herr W. siehe (u.a.):
http://www.freitag.de/2004/43/04430401.php
http://www.freitag.de/2004/49/04490501.php
http://www.freitag.de/community/blogs/wolfgang-ratzel/wie-die-weltwirtschaftskrise-in-die-kleine-welt-des-herrn-w-einbricht/?searchterm=wolfgang+ratzel

Wolfgang Ratzel wird die ironisch-selbstironischen Beschreibungen seiner Verwicklungen in die kafkaeske Grundsicherungsbürokratie vorstellen und dazu noch sein Tagebuch, in dem er dokumentiert, wie ihn die "Große Krise" nicht traf, sondern sogar bis zum heutigen Tage monetär besser stellt. Weil nämlich erst einmal krisenbedingte Deflation angesagt war, die sich in elf Preissenkungswellen für Nahrungsmittel äußerte und manch einen Euro in Herrn W’s. Geldbeutel verharren ließ. Wie soll man gegen Krisenfolgen rebellieren, die man nicht spürt? Darüberhinaus werde ich die Anwesenden ermuntern, selbst zur Feder zu greifen, u.a. auch deshalb, um auf diese Weise mit seiner eigenen randständigen Lebenssituation fertig zu werden: sozusagen Schreiben als Überlebensstrategie!

Input von Anette Heselhaus: Spiegelzitat(40/2003.21):"Der wahre Treibsatz für die Sozialhilfeetats steckt in den Ausgaben für Schwerstbehinderte."
Gegen diese Behauptung können sich die Betroffenen nicht nur mangels Sprache schwer wehren, sondern auch weil sie für jeden lebenspraktischen Schritt ( Nahrung, Hygiene, Bewegung) Assistenz benötigen; darin bleibt wenig Zeit übrig, gesellschaftliche Barrieren wegzuräumen. In der Debatte um mehr Eigenverantwortung tauchen diese Menschen und andere nicht zu Normalisierende fast gar nicht auf, Kostenfaktoren können bei Ihnen nicht
verringert werden. Diese Ausgeschlossenen werde ich künftig komplex behinderte Menschen nennen. Darstellen möchte ich die Unterschiedlichkeit dieser Menschen und nach Gründen suchen, warun sie aus Sozialdebatten herausfallen. Meine Überlegungen basieren auf Theorie und persönlicher Praxiserfahrung.

18-19 Uhr Abschlußdiskussion
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3. Seminar: Widerstandsformen

11./12.6.2010 im Mehringhof

In diesem Seminar werden VertreterInnen aus Erwerbsloseninitiativen und weitere politisch Aktive aus dem Sozialprotestspektrum eingeladen, um ihre Erfahrungen einzubringen, wie Selbstorganisation und Widerstand von Erwerbslosen aussieht bzw. aussehen könnte. Wie können Erwerbslose motiviert werden, sich aktiv zu wehren. Und was hindert sie daran. In Berlin dümpeln einige Gruppen vor sich hin, ohne einen gemeinsamen Kampf zu führen. Wie erreichen wir eine Vernetzung und wie können wir stärker werden.

Freitag, d. 11.6.
19 Uhr

"Erwerbslosenprotest- Rückblick und Ausblick"
Podiumsdiskussion mit Guido Grüner (ALSO), Peter Nowak (Autor des Buches "Zahltag"), Anne Allex (AK Marginalisierte), Paul Decruppe (AK Arbeitslosigkeit der IG Metall) u.a.
Zur Zeit zeigt die "Erwerbslosenbewegung" ihre Schwäche, der Kampf gegen Hartz IV scheint verloren. Der Alltag der Erwerbslosen ist so prekär, dass Gegenwehr unbedingt erforderlich ist. Aber weder von Masse, Radikalität, Kreativität, noch Prominenz ist etwas zu sehen. Trotzdem- es gibt Lichtblicke, wie die Zahltag-Aktionen und das Sanktionsmoratorium beweisen. Oftmals werden Aktionsformen gegeneinander ausgespielt, dabei ist eine Breite des Widerstandes notwendig, um wirklich etwas zu erreichen. Was haben wir bisher eigentlich erreicht und was müssen wir noch erkämpfen. Was sind die Perspektiven?

Samstag, d. 12.6.
11.30- 13 Uhr

"Mieterhöhungen, Zwangsumzüge und Verdrängung von Erwerbslosen"
Input von Kampagne gegen Zwangsumzüge
2009 soll es in Berlin nur 428 Umzüge gegeben haben, das sind 0,13% aller Bedarfsgemeinschaften. Allerdings zahlen viele den "unangemessenen" Mietkostenanteil von ihrem Regelsatz selbst und verarmen noch mehr. Zudem gibt es Probleme bei der Wohnungssuche, gerade kleine, billige Wohnungen für Singles sind knapp. Und ein Wohnungswechsel bedeutet oft eine Wohnungsverschlechterung. Gerade Arme leiden unter der Unzufriedenheit mit unsanierten und maroden Wohnungen. Aber auch Einkommensschwache müssen ein Recht auf eine menschenwürdige Wohnung haben. Problematisch wird es zudem, wenn Verschuldete, z.B. mit Mietschulden und Schufa-Eintrag zum Umzug aufgefordert werden. An den Sozialgerichten gibt es besonders viele Klagen zur Übernahme von Unterkunfts- und Heizkosten. Gestritten wird darüber, was "angemessen" sei.
Das größte Drohszenario ist dann, in eine unattraktive Wohnung, z.B. in den Plattenbau am Stadtrand ausweichen zu müssen. Das bedeutet dann die Verdrängung aus der Innenstadt. Wir müssen uns kollektiv organisieren, um unsere Verdrängung aus der Innenstadt zu verhindern

13-14 Uhr Mittagessen

14-15.30 Uhr

Hilfe beim Ämterstress- Solidarisches Begleiten zum Jobcenter
Input von der Initiative "Keiner muss allein zum Amt"
"Gegenseitiges Begleiten ist eine Möglichkeit, sich im Alltag solidarisch zu unterstützen. Deshalb haben wir die Idee eines "Begleitpools" ins Leben gerufen. Hier können sich Menschen vernetzen und austauschen. Sowohl diejenigen, die eine Begleitung für einen Termin aufs Amt benötigen als auch die, die sie dorthin solidarisch begleiten wollen, können sich hier finden und absprechen.
Vom individuellen Begleiten zum "Zahltag"
Das Begleiten ins JobCenter ist praktizierte Solidarität im Alltag. Es ist Gegenwehr gegen die Zumutungen von Hartz IV und setzt bei den Bedürfnissen der betroffenen Menschen an. Aber gleichzeitig ist es auch wichtig, dass der Protest öffentlich sichtbar gemacht wird. Deshalb haben wir in den letzten Monaten u.a. vor den JobCentern in Pankow, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg öffentliche Aktionen durchgeführt. Dort haben wir unabhängige Rechtsberatung und "Begleitschutz" angeboten. Neben dem Begleitpool und den Aktionen vor den JobCentern haben wir angefangen, uns regelmäßig zum Frühstück zu treffen. Dort lernen wir uns kennen, können Erfahrungen, die bisher beim Begleiten gemacht wurden, austauschen.." (aus dem Selbstverständnis der Initiative)

15.30-16 Uhr Pause mit Imbiß

16 –17.30 Uhr

Die Aktivitäten der Kampagne gegen Hartz IV
Input Angelika Wernick (Berliner Kampagne gegen Hartz IV)
Die Berliner Kampagne gegen Hartz IV ist vor Einführung von Hartz IV entstanden und hat seitdem vielfältige Aktivitäten entwickelt. So haben sie das Konzept "Ein-Euro-Jobs ersetzen" entwickelt und ein Sanktionsmoratorium initiiert. Zur Zeit beschäftigt sich die Initiative mit der Umstrukturierung der Jobcenter. Neben einer Schilderung der bisherigen Aktivitäten soll es vor allem einen Ausblick geben. Was müssen wir tun, um den Erwerbslosenprotest zu beleben.

17.45- 19 Uhr Die Abschlussdiskussion: Der Ausblick

Nachdem wir nun verschiedene Initiativen vorgestellt haben, wird es an der Zeit, zu diskutieren, wie es weitergehen soll. Wäre es nicht notwendig, dass sich die AktivistInnen und Initiativen im Erwerbslosenspektrum vernetzen, um Erfolge im Kampf gegen die neoliberalen Angriffe gegen Erwerbslose zu erzielen?

Wochenendseminare "Überzählige- Prekarier- Absteiger"

Ort: Mehringhof Versammlungsraum, Gneisenaustr.2a, Berlin-Kreuzberg

Bitte anmelden: anne.snk44@yahoo.de

Die Einteilung in die Überzähligen- die Prekarier- die Absteiger entstammt dem Buch "Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung" (Hrsg. Robert Castel und Klaus Dörre, Campus Verlag 2009). Diese Wochenendseminare sind Beispiele angewandter kritischer Sozialwissenschaft.
 
Samstag, d. 24.10.2009
 
11-11.30 Uhr Einführung
11.30- 13 Uhr: Armut in einem reichen Land (Input und Diskussion)
Christoph Butterwegge beschreibt in dem gleichnamigen Buch, dass 2009 im Campusverlag erschienen ist, wie das Problem der Armut in Deutschland verharmlost und verdrängt wird. In diesem Vortrag wird sein Buch von Anne Seeck vorgestellt, u.a. die Missbrauchsdebatte auf Stammtischniveau und die Debatten über die neue "Unterschicht". Droht ein autoritäres Sicherheitsregime?
13-14 Uhr Mittagessen
14- 16 Uhr: Der Stellenwert der Arbeit- ein Spiel
Anhand einer Typologie aus dem Buch "Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung" von Robert Castel und Klaus Dörre sollen die Teilnehmer reflektieren, zu welchen Typen von Erwerbslosen sie gehören bzw. bei Erwerbslosigkeit wohl gehören würden. Nach der Selbsteinschätzung soll über die verschiedenen Typen diskutiert werden und darüber, ob diese Einteilung der Erwerbslosen überhaupt sinnvoll ist.
16-16.30 Uhr Pause
16.30-19 Uhr: Hartz IV (Arbeit in Kleingruppen)
Im Mai 2009 wurden in einer internen Anweisung der Bundesagentur für Arbeit Observationen "bei Verdacht auf besonders schwerwiegenden Leistungsmissbrauch" erlaubt. Die Sozialschnüffler können jede Art von Auskunft einholen, sei es beim Nachbarn, Vermieter oder bei Banken. Hausbesuche sind bereits an der Tagesordnung, wie auch Denunziationen von Bekannten und Nachbarn. Auch Sanktionen sind üblich. Für September 2007 wies die Statistik bundesweit 173 796 Sanktionen aus. Hartz IV-BezieherInnen wurden gemaßregelt, wegen Meldeversäumnissen 57,2%, wegen Verweigerung/ Abbruch einer "zumutbaren" Arbeit 20,8%; 17,5%- weil sie eine Eingliederungsmaßnahme nicht unterschrieben bzw. ihre "Pflichten" nicht erfüllten. Auch die Beschäftigungsindustrie (Arbeitszwang, Ein-Euro-Jobs, kein Arbeitsrecht etc.) macht sich zu Lasten der Betroffenen breit. Von der Armut der Hartz IV-Bezieher ganz zu schweigen, viele besuchen deshalb Lebensmittelausgaben, um über die Runden zu kommen. Soziale Rechte statt Almosen, forderte das Berliner Sozialforum und wandte sich gegen die Vertafelung der Gesellschaft. Das Behördenchaos, mit dem die Betroffenen konfrontiert sind, erledigt den Rest.
Diese Themen (Schnüffelei, Sanktionen, Arbeitszwang, Armut, Ämter) sollen in Kleingruppen mit Hilfe von Behördentexten, Zeitungsartikeln, Statistiken, Zitaten, Bildern etc. diskutiert werden. Die Ergebnisse werden im Plenum vorgestellt.
 
Sonntag, d. 25.10.2009
 
12-14 Uhr: Workshop (Arbeit in Kleingruppen)
Hier sollen in Kleingruppen verschiedene Texte gelesen und diskutiert werden. Es sind zum Thema passende Interviews aus den Bücher "Das Elend der Welt" (Pierre Bourdieu) und "Gesellschaft mit begrenzter Haftung" (Hg. Franz Schultheis, Kristina Schulz), sowie Geschichten aus dem Buch "Einfach abgehängt" (Nadja Klinger, Jens König). Die Ergebnisse der Diskussion in den Kleingruppen werden dann in der Gesamtgruppe vorgestellt.
14-14.30 Uhr Pause mit kleinem Imbiss
17 Uhr Soziale Unruhen? (Vortrag von Rainer Wahls)
Angesichts der Krise und der Zumutungen, die uns nach den Bundestagswahlen erwarten, sind Politiker und Medien besorgt, ob es womöglich soziale Unruhen geben könnte. Ein Bündnis organisierte eine Krisendemo, es wurde ein Sanktionsmoratorium gestartet und es finden Jobcenteraktionen mit Begleitservice statt. Es tut sich etwas, aber noch zu wenig. Leider ist die Masse der Erwerbslosen nicht kollektiv zu mobilisieren, jedoch im Kleinen wehren sie sich, zum Beispiel mittels Klagen. Was sind die Gründe, warum ist es so ruhig. Wie können wir das ändern?
 
2. Wochenendseminar: Die Prekarier (28./29.11.)
Samstag
11-13 Uhr: Prekarität (Input und Diskussion)
13-14 Uhr Mittagessen
14-16 Uhr: Die berufliche Integration- ein Spiel
16-16.30 Uhr Pause
16.30-19 Uhr: Enrico und Rico- Routine und Flexibilität (Arbeit in Kleingruppen)
Sonntag
12-14 Uhr: Workshop (Arbeit in Kleingruppen)
14-14.30 Uhr Pause mit kleinem Imbiss
17 Uhr Das erschöpfte Selbst (Vortrag von Wolfgang Lenk)
 
Wochenendseminar: Die Absteiger (aus der Mitte) (12./13.12.)
 
Samstag 11-13 Uhr Die feinen Unterschiede- zur Kultur der Mittelschicht (Input und Diskussion)
13-14 Uhr Mittagsessen
14-16 Uhr Abstiegssorgen- ein Spiel
16-16.30 Uhr Pause
16.30- 19 Uhr Milieus, Schichten oder Klassen? (Arbeit in Kleingruppen)
Sonntag
12-14 Uhr: Workshop (Arbeit in Kleingruppen)
14-14.30 Uhr Pause mit kleinem Imbiss
14.30-17 Uhr Politik des Ressentiments (Vortrag von Robert Ulmer)
 
Veranstalter: Anne Seeck, Teilhabe e.V.
Unterstützt von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt