Dorothea Wildenburg: Jean-Paul Sartre, Campus Frankfurt, New York 2004


  1. Entdeckung der Freiheit: Das Sein und das Nichts
  2. Die existentielle Psychoanalyse: „Wir sind keine Lehmklumpen und wichtig ist nicht, was man aus uns macht, sondern was wir selbst aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.“
  3. Die Entdeckung der Moral
  4. Die Entdeckung der Gesellschaft

zu 1) „Diese zwei Pole, um die Das Sein und das Nichts ständig kreist,...sind das „An-sich“ (en-soi) und das „Für-sich“ (pour-soi), die Dinge und das Selbstbewusstsein, die Welt und der Mensch oder die „menschliche Realität“.“
Das An-sich arbeitet sich am Für-sich ab, und es stellt fest, daß das ein nutzloses Unterfangen ist, ein An-sich-Für-sich zu werden.
3 Merkmale des An-sich:
Das Sein ist an sich.
Das Sein ist., das An-sich ist grundlos.
Das Sein ist das, was es ist, es ist ohne jeden Bezug.
Der Akt, durch den das Selbstbewusstsein allererst möglich wird, ist ein Akt der Verneinung. Ich bin nicht An-sich.
Das Für-sich ist überhaupt nicht, es ist Nichts. Es ist nicht, sondern macht sich, besteht in nichts anderem als im Vollziehen.
„Jede Reflexion auf sich setzt das unmittelbare Wissen um sich selbst voraus.“
Ich bin verurteilt, frei zu sein. Da wir Freiheit sind, können wir ihr nicht entkommen.

Zu2 ) Sartres Leidenschaft: die Menschen zu verstehen.

„Einerseits die Freiheit des Individiums, seinen Urentwurf, seine individuelle Weise, sich die Welt anzueignen und dadurch allererst hervorzubringen: seine „Einzelheit“.
Andererseits die gesellschaftlichen Zwänge, denen das Individium ohnmächtig ausgeliefert ist, die es prägen und bestimmen: seine „Allgemeinheit“.“

Zu3)

nicht sein, sondern machen ist der einzig authentische Entwurf
„Die anständigen Leute, die, beseelt vom „Geist der Ernsthaftigkeit“, immer schon wissen, was gut und böse ist, die an einen immer gültigen, objektiven Wertekanon glauben, nach dem es zu handeln, zu urteilen, zu belobigen und zu verdammen gilt. Einen Wertekanon, den sie nicht gemacht haben, für den sie nicht verantwortlich sind- und auf den sie sich berufen können, wenn es ihnen an den Kragen geht...Die anständigen Leute sind diejenigen, die „jemand“ sind, diejenigen, die etwas repräsentieren. Sie sind immer auf der richtigen Seite, alles ist unter Dach und Fach, „alles ist in Ordnung, alles hat immer existiert, die Welt ist ein Museum, dessen Konservatoren wir sind.“ (G45) S. 79/80

„Authentizität erfordert es, ständig gegen sich zu denken. Dazu müssen wir uns von unseren jeweiligen konkreten Entwürfen distanzieren, sie betrachten und immer neu entscheiden, ob wir sie tatsächlich weiter verfolgen oder aufgeben wollen. Diese reflexive Diatanzierung nennt Sartre auch die „nicht-komplizenhafte“ oder „reine Reflexion“, die unabdingbar ist, um authentisches Leben zu ermöglichen.“
unablässiges Infrage-Stellen, eine lebenslange Aufgabe

zu4) Verstehen heißt, sich ändern...

Phase nach Krieg: Sartre als Modeerscheinung, Zeit der schwarzen Rollkragenpullover
Phase während Studentenbewegung: Sartre als politischer Schriftsteller
Phase: 1977 begann man sein Gesamtwerk in den Blick zu nehmen, Sartre als seriöser Denker

Sartre 1965: „Der Intellektuelle ist jemand, der sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen.“
Man hasst die Intellektuellen, weil sie nerven, weil sie stören, weil sie die Welt komplizierter machen, als sie ist.
Der engagierte Intellektuelle will die Welt hinterfragen, gesellschaftliche Mechanismen und Machtstrukturen aufdecken.
Bourdieu forderte den kollektiven Intellektuellen.