Widerliche Ignoranz

Wie widerlich die Reflexe von Linken auf die Kritik des Kommunismus sein können, beweist das Buch „Roter Holocaust? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus" (Hrsg. Jens Mecklenburg/ Wolfgang Wippermann), Konkret Verlag 1998.
Sie stürzen sich regelrecht auf das Vorwort des Herausgebers des Schwarzbuches Stephane Courtois. Der Rassen-Genozid der Nazis würde mit dem Klassen-Genozid der Kommunisten gleichgesetzt. Man vergleiche Unvergleichbares miteinander. Dabei hatten selbst Autoren des Buches sich vom Vorwort distanziert, wie Nicolas Werth und Jean-Louis Margolin. Das Buch hat 970 Seiten, das Vorwort 30.
Eingangs wird gleich klargestellt, was das Schwarzbuch beabsichtigt:
„Zunächst einmal wollen die Autoren, von denen die meisten früher selber linken, insbesondere maoistischen Organisationen angehört haben, daß ihre früheren Genossen `trauern` und Selbstkritik üben. Sie sollen zugeben, daß alle kommunistischen Regime Verbrechen begangen haben. Sie sollen zweitens bekennen, daß nicht nur die kommunistische, sondern daß `die linke Idee` insgesamt schon im Ansatz verbrecherisch war und zu Verbrechen führen mußte. Sie sollen drittens der zentralen These des `Schwarzbuches` zustimmen, daß die Totalitarismustheorie richtig und Faschismus und Kommunismus vergleichbar seien." ( Roter Holocaust, S.7)
Dabei gehen die meisten Autoren des Buches „Roter Holocaust?" kaum auf die Kernkritik des Schwarzbuches und die Opfer des „Realsozialismus" ein, diese können einem angesichts der Ignoranz nur leid tun.
„Argumente" sind:
Das Buch sei ermüdend....
Es sei nichts Neues....
Nur die Verbrechen würden zählen...
Es ginge nur darum, eine Idee zu kriminalisieren ..
Man würde die Verbrechen des Stalinismus übertrieben darstellen...
Es ginge nicht um Geschichtswissenschaft, sondern um Geschichtspolitik...
Dass die Linke Abwehr- und Immunisierungsstrategien habe, wie z.B. Christian Semmler behauptet, wird natürlich abgestritten, dabei beweist es das Buch „Roter Holocaust" ganz eindeutig.
Die einzigen, die auf die Kernkritik des Schwarzbuch eingehen, sind in dem Buch „Roter Holocaust" ausländische Autoren, wie Roland Lew zu China und der Sowjetunion. Er prangert insbesondere die Umerziehung durch Arbeit an und übt damit auch inhaltliche Kritik am „Realsozialismus". Zunächst wurden die unteren sozialen Schichten gefördert, sie stiegen auf. Später reproduzierten sich die aufgestiegenen Eliten selbst, der Aufstieg der sozialen unteren Schichten wird wieder blockiert. Das Repressionssystem galt insbesondere den Unterschichten, denn es ging um die Umerziehung durch Arbeit. Ein Prozeß, der auch in der DDR gut zu beobachten war. Auch viele jener, die schließlich in den Knästen saßen, kamen aus der Arbeiterschicht und den unteren Schichten.

Natürlich war die DDR kein totalitärer Staat, wie Erhardt Neubert in dem Schwarzbuch behauptet. Aber auch ein autoritärer Staat ist sehr zu kritisieren, das habe ich in zahlreichen Texten getan.

Augen zu und durch.

Angesichts der linken Kritik am Schwarzbuch habe ich es lange nicht gelesen. Aber das Beste ist es wohl, sich selbst eine Meinung zu bilden und sich von keiner Ideologie (ob rechts oder links) instrumentalisieren zu lassen. Denken ohne Geländer...

Zu DDR-Texten