Hannah Arendt, Antonia Grunenberg, Herder 2003


  • bei Intellektuellen war die Gleichschaltung die Regel, daß die Freunde Dich gleichschalten, Rückgratlosigkeit der Intellektuellen, das willfährige Verhalten vieler Intellektueller
  • Banalität des Bösen: die vollständige Abwesenheit von Denken (und damit auch von Gewissen und Selbstreflexion), diese Normalität war viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen
  • Grundproblem der Revolution: die Armut. „Sie sollen die soziale Frage „lösen“ und opfern ihrer „Lösung“ die freiheitlich politische Ordnung...Dies läßt sich nur erzwingen. Der Zwang jedoch ist der Gegner der Freiheit; er mündet in den Terror und die totale Herrschaft.“
  • Denken ohne Geländer : „Nach einem derartigen Einbruch der Tradition wie unter der totalen Herrschaft kann man sich als denkender Mensch nicht mehr auf vorhandene Traditionen stützen. Denn die grundlegende Erfahrung der totalen Herrschaft besteht darin, daß Traditionen, Konventionen, Sitten und Gebräuche, also das ganze moralische Gefüge eines Gemeinwesens, manipuliert werden können oder sich selbst zerstören. Das einzige, was Arendts Meinung nach bleibt, ist die eigene Fähigkeit zum Urteilen, zum Denken und Handeln. Die Menschen sind auf sich gestellt. Sie sind auf ihre Fähigkeiten angewiesen, den Zugang zur Welt immer wieder neu zu begründen. Das Risiko des „Fallens“ ist jedoch immer gegeben, denn es gibt kein „Geländer“, an dem man sich festhalten kann....“

  • Hannah Arendt: „Ich bediene mich, wo ich kann. Ich nehme, was ich kann und was mir paßt....Was allein uns wirklich helfen kann, meine ich, ist `reflechir`, Nachdenken. Und denken heißt stets kritisch denken. Und kritisch denken bedeutet stets dagegen sein. Alles Denken unterminiert tatsächlich, was immer es an starren Regeln, allgemeinen Überzeugungen etc. gibt.“

    „Es gibt für Arendt keinen Kanon, an dem man sich orientieren kann. Es bleibt, ist die Fähigkeit zu denken, zu urteilen und zu handeln....Das Geschehene und das Gedachte werden daher immer wieder neu in Frage gestellt. Das heißt, „die Aufgabe des Denkens“ besteht in einem ununterbrochenen Einreißen mehr oder weniger befestigter Denkpfade.“

    Intellektuelle müßten die „Zertrümmerer“ und „Einreißer“ sein. „Ihr Fragen reißt alle vermeintlich sicheren Gedankengerüste wieder ein. Sie haben die Rolle des „Dagegen-Seins“ übernommen und halten damit den Prozeß des Nachdenkens in Gang.“