Geld- Von Alu-Chips zur Börse


Kurzfristdenken

Neiddiskussion

Eigenverantwortung

Leistungsbilanz

Abwärtsspirale

ein Schritt vorm Abgrund

Schuldner

Spekulanten

Früchte des Risikos

Vertrauensverlust

Ansteckungsgefahr

das Kartenhaus bricht

Turbulenzen

die Blase platzt

Krise

Selbstheilung des Marktes

ein Mythos

Bremsspur



In der DDR war Geld, im Gegensatz zur Gegenwart, kaum ein Thema. Die DDR-Mark (auch Alu-Chips genannt) war nichts wert. Im internationalen Vergleich waren es keine Devisen. In der Mangelgesellschaft DDR konnte man sich davon kaum etwas kaufen. Man kaufte nicht, was man brauchte, sondern was es gab. Der Mangel führte oft zu Tauschhandel. Begehrte Waren und Dienstleistungen wurden getauscht. Dieser Tauschhandel wurde von DDR-Bürgern oft als solidarisch erlebt. Es gab in der DDR einen Geld- bzw. Kaufkraftüberhang. Die Lebenshaltungskosten waren gering, es gab keinen Existenzdruck aufgrund von Geldknappheit. Hier war für wenig Geld viel zu haben. Hochwertige Konsumgüter, insbesondere technische Geräte waren dagegen extrem teuer und somit Luxus. Mit diesen hohen Preisen sollte der Kaufkraftüberhang abgeschöpft werden. Geld wurde gespart, um sich ein Auto, eine Wohnungseinrichtung etc.zu kaufen. Durch diese Anschaffungen wurden die Sparguthaben wieder aufgebraucht. In der DDR konnte sich kaum Vermögen herausbilden. Das Geld war in der DDR im Umlauf und konnte nicht investiert werden, z.B. in die Sanierung von Häusern. Viele Bedürfnisse wurden in der DDR nicht befriedigt, andere wie die nach Computern und Bioläden gab es damals noch nicht. Um sich dann doch Wünsche zu erfüllen, die durch das Westfernsehen in viele DDR-Wohnzimmer strahlten, war in der DDR die DM, damals Währung in der BRD, begehrter als die DDR-Mark. Mit Einführung von Intershops konnten sich DDR-Bürger dort gegen DM Westwaren kaufen. Auch viele Handwerkertätigkeiten wurden mit der DM bezahlt. So entstand in der DDR eine Zwei-Klassengesellschaft, jene, die Westmark besaßen und jene, die keinen Zugang zur DM und keine Westverwandten hatten. Meistens erkannte man das bereits an der Kleidung. In der DDR gab es keine Börse und es wurde nicht spekuliert. Das stellt sich im Kapitalismus natürlich ganz anders dar. Georg Soros, Superstar unter den Devisenspekulanten, schieb, das Grundprinzip des kapitalistischen Weltsystems sei Geld. Alles drehe sich um Profit und Reichtum. „Im Jahr 2000 betrug der Kurswert aller gehandelten Aktien 31,1 Billionen Dollar im Vergleich zu 2,9 Billionen Dollar 1980. Das entspricht einer Steigerung auf das 10,7fache. Der weltweite Börsenhandel stieg dagegen in diesem Zeitraum auf das 187fache...Derivate erreichen Jahresumsätze von mehreren hundert Billionen Dollar. Der Nominalbestand betrug 1990 5,7 Billionen Dollar und war 2001 schon auf 123,3 Billionen Dollar gestiegen. Der weltweite Umsatz der an Börsen gehandelten Derivate lag 1990 bei 123,4 Billionen Dollar und erreichte 2001 593,7 Billionen...1979 lag der arbeitstägliche weltweite Devisenhandel noch bei 120 Milliarden Dollar, im Jahre 1998 bei 1490 Milliarden und 2001 bei 1210 Milliarden.“ (Dieter Klein, Milliardäre-Kassenlehre, Dietz Verlag Berlin 2006)

Robert Kurz schreibt, dass der Kasinokapitalismus in das Stadium einer rein finanzkapitalistischen „Geisterakkumulation“ übergegangen sei. Zusammen mit den überflüssigen Menschen werde auch das Geld arbeitslos. „Was tun mit den Geldmassen, wenn die Gewinne dank sinkender Reallöhne (noch) sprudeln und der Staat den Konzernen überdies diskret die Taschen vollstopft? Es ist „heißes Geld“, das keines falls einfach nur so herumliegen darf, sondern sich gemäß dem kapitalistischen Selbstzweck weiterverwerten muß. Obwohl gerade in solchen Zeiten eines sozialen Auseinanderfallens der Gesellschaft der Luxuskonsum parallel zur Massenarmut steigt, können die Besserverdienenden und upper ten gar nicht so viel Porsche-Kabrioletts, Rolex-Uhren, Yachten und anderen teuren Selbstdarstellungs-Unsinn verknuspern wie nötig wäre, um das real nicht mehr rentable investierbare Geldkapital zu absorbieren. Wohin also damit? Nun, es wird zunächst einmal verliehen: an Staaten, an Unternehmen und an private Konsumenten.“ (S.848f.) Mit der Goldkonvertibilität des Dollars fiel 1971 die letzte Bindung des Weltwährungssystems an eine gedeckte Wertsubstanz. Die neoliberale Deregulierung nahm dann die letzte Hemmung. Elmar Altvater schreibt, dass im April 1995 täglich 1572 Milliarden US-Dollar an den Devisenbörsen umgesetzt wurden. Dabei wurden täglich 56 Milliarden Dollar für „reale“ Geschäfte umgesetzt. Das waren etwa 4% des Devisentransfers. Der große Rest diente kurzfristigen Spekulantionen. Robert Kurz fragt sich, wann die Blase mal platzen wird. Es ist ein fiktiver Reichtum entstanden, dem die reale Wertschöpfung nicht mehr folgen kann. Diese spekulative Geldschöpfung ist Triebfeder der sozialen Spaltung geworden. „Verlierer ist, wer die Teilnahme an der fiktiven Reichtumsproduktion verpaßt hat, vermeintlicher Gewinner ist, wer sich an den Aktienboom anhängen kann.“ Wir alle sollen Anlegern werden. Du kannst doch nicht gegen Finanzmärkte sein, wenn Du Anleger bist. Sie versuchen, uns einzubinden. Gerade das ist das Gefährliche, damit konnte sich die neoliberale Ideologie vom „Shareholder value“ durchsetzen. Aktienhandel ist zur Popkultur geworden, schrieb der Spiegel. ( Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, Ullstein Verlag Frankfurt am Main 2002) Kritik am Finanzkapital führt oft zu antisemitischen Ausfällen. Da ist dann die Rede vom guten „schaffenden“ Kapital und bösen „raffenden“ Kapital. Die „Heuschrecken“-Kritiker sehnen sich dann nach einem „anständigen“ Kapitalismus. Eine Linke müsste dagegen den Leuten illustrieren, wie man ganz anders denken und handeln kann, um aus der Geld- und Konsumlogik auszusteigen. Beispiele für eine andere Logik sind Umsonstläden, Tausch- und Barterringe. Und es gibt Versuche, lokale Währungen zu fördern, was allerdings wie auch Silvio Gesells Freigeld (Vorsicht Antisemitismus)umstritten ist. Ziel ist, Geld nicht zu horten, sondern in einem regionalen Wirtschaftskreislauf zu bringen. Mit dem Begriff Solidarische Ökonomie sind in der Linken neue Diskussionen und Experimentierfelder aufgemacht. Zu den Projekten solidarischer Ökonomie zählen beispielsweise Genossenschaften, selbstverwaltete Betriebe, alternative Tausch-, Umsonst- und Handelnetzwerke und zunehmend soziale Unternehmen. Hier geht es um eine Non-Profit-Logik.