Eine Auswahl meiner Fragmente

Noch mehr Stylingtipps morgen!

 

Gentrifizierer


Mittelschichtskids

natürlich alle studiert

Repressionen wegen Armut oder politisch

kennen sie nicht

mehrheitlich stützen sie das System

wenn Subkultur

dann vermarkten sie die

do it yourself

sie kommen in Massen

und bringen die Langeweile

Uniformität

alle anders alle gleich

Machmal bleibt nur die Wut

über die Zerstörung der eigenen Lebenswelt

und Nostalgie...

 

Wohnungsbesetzer in der DDR

 

sie kamen meistens aus der Provinz

die einzige Chance für ein Dach über dem Kopf

war oft die stille Wohnungsbesetzung

Tausende besetzten leerstehendem Wohnraum

sie verdrängten niemanden

und auch sonst stiegen sie aus

Chancen auf ein Studium hatten die wenigsten

sie arbeiteten als Pförtner, Heizer, auf dem Friedhof,

bei der Volkssolidarität und so weiter

oder waren im Land des Asozialengesetzes arbeitslos

sie kannten sich aus mit Repressionen

§ wegen staatsfeindlicher Hetze, Herabwürdigung,

Verbindungsaufnahme, Rowdytum...

und sie sehnten sich nach Freiheit

und nahmen sich Freiheiten

sie waren einfach authentischer...

 

 

Machst Du auch in Kunst? Nee, aber in...

 

die Ordnung hinterläßt den Dreck im Kübel

Gesellschaftskritik nicht mehr schick

Pflüge um dein Leben

es hat keinen Sinn

Du bist das Original

Pathos des Augenblicks

großartig in der Welt

Vorhang zu

ein neues Stück im Programm

es gibt kein Konzept

Die Gefahr lauert

sie hetzen und

sie wetzen schon die Messer

dich in Ketten legen

das wollen sie

du Geschöpf des Freiheitsgedankens


Der Rest ist Schweigen.

die Gedankenpolizei führt Regie


HOFFNUNG IST ALLES

Konstruktion der Überlegenheit. Auf dieser West- Oberfläche schwimmt mein Ekel. Und im Osten Individualität gegen Zwangskollektivierung im Land der Spießer. Sie begreifen nichts...und verstecken sich in der Masse.

Um ungehorsam zu sein, muss man den Mut haben, allein zu sein...(Erich Fromm)

"Um neu zu beginnen, muß man das Alte überwinden." (Walter Janka, zum 20 Todestag, zitiert nach Gerhard Zwerenz)

Nicht geeignet für die Frischfleischproduktion: Am häufigsten alleinstehend (ledig, verwitwet oder geschieden) sind nach der Auswertung des Mikrozensus 2005 mit 49% Frauen mit Behinderung...

Kultur des Schweigens: Die Herrschaft der Eliten macht die Massen apathisch. Die Unterdrückten können sich nicht wehren, denn ihnen fehlt die Sprache und mit der Sprache die einzige unüberwindliche Waffe der Freiheit. (Freire)

5.4.1967: Mörderisches Puddingattentat auf US-Vize Humphrey durch die Kommune I

5.4.2013: Babyleiche in einem Altkleidercontainer in Berlin-Neukölln gefunden, Geiselnehmer in Kölner Kita, Täter kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen

 

Alles braucht eben seine Zeit. Voltaire

 

Zeige mir deinen Bücherschrank und ich sage dir, wer du gerne wärst. (aus ak)

 

Wohnlage:sozialer Brennpunkt

Als mir unlängst im Keller eine Ratte begegnete, hatte ich den Eindruck, daß sie sich erheblich mehr vor mir erschreckte als ich mich vor ihr. Ich glaube, ich habe mich allmählich hier eingelebt. (Heiko Werning)

 

Universitäre Diskurse in der Linken

der Soziologenflut sei dank...

es versteht sie niemand mehr

so wird das nie was mit der Revolte!!!

Erich Mühsam muß sich im Grab umdrehen...

 

20 Jahre blühende Landschaften

in denen mindestens 274 Menschen erfroren sind

erster Kältetoter in Meck Pomm

 

Otto: Als vernünftiger Mensch komme ich mit Hartz IV aus.

Egon: Ja, du bist im Kopf ja auch schon tot.

 

VS auflösen!

Verfassungsschutz

rück meine Akte raus!

Spitzeleinsatz im Berliner Sozialforum

Mit dem heutigen Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts aufgehoben. "Dies ist natürlich ein Erfolg," sagte der Kläger W.F., "das letzte Wort ist allerdings damit noch nicht gesprochen." Im nächsten Schritt muss sich das Oberverwaltungsgericht in Berlin noch einmal mit dem Antrag auf Akteneinsicht und Auskunft befassen.

Das Magazin „Der Spiegel" hatte aufgedeckt, dass das Berliner Sozialforum bespitzelt wurde. "Sie" stellte am 13. Juni 2006 einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz.

Die Akteneinsicht wird abgelehnt, das könnte die Quellen, das heißt Spitzel, gefährden. Am 24. Januar 2007 erhielt "sie" folgende Antwort:

 

Sehr geehrte Frau X.,

zu o.g. Auskunftsersuchen gem. § 31 Abs.1, 32 Abs. 1 Verfassungsschutzgesetz Berlin (VSG Bln) teile ich Ihnen mit, dass zu ihrer Person im Rahmen der Beobachtung linksextremistischer Bestrebungen Informationen gemäß §§ 5 Abs.2 Nr. 1 i.V.m. 11 Abs. 1 Nr.1 VSG Bln gespeichert sind.

Im einzelnen kann ich Ihnen mitteilen, dass neben den persönlichen Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum folgende Erkenntnisse über Sie gespeichert sind:

1. Ihre Teilnahme an einer Anti-Hartz - Demonstration am 2.10.2004

2. In einem Internet-Ausdruck unter www.sozialforum.net- Sozialforum 2005 in Erfurt sind Sie als Angehörige und Ansprechpartnerin der Initiative Y. als Unterstützerin des Sozialforums genannt....

Soweit auf ihre Teilnahme an Veranstaltungen hingewiesen wird, wurde die Teilnahme an solchen Veranstaltungen erfasst, an denen linksextremistische Gruppierungen teilgenommen haben....

Einer weitergehenden Auskunft steht ein überwiegendes Interesse an der Geheimhaltung der Tätigkeit der Berliner Verfassungsschutzbehörde und ein überwiegendes Geheimhaltungsinteresse Dritter gem. § 31 Abs.2 Satz 1 VSG Bln entgegen.

Durch die Mitteilung weiterer Erkenntnisse könnten Informationsquellen des Verfassungsschutzes gefährdet sein, da der Inhalt der weiteren vorhandenen Informationen zwangsläufig Rückschlüsse auf die Art ihrer Gewinnung zulassen würden. Darüber hinaus wäre eine Ausforschung des Erkenntnisstandes und der Arbeitsweise des Berliner Verfassungsschutzes zu befürchten (§31 Abs. 2 Satz 3 Nr. 2 VSG Bln)....

Nach Abwägung aller Umstände des Einzelfalles wird eine weitergehende Auskunft abgelehnt. Eine umfassendere Begründung dieser Entscheidung ist nicht möglich, da sie den Zweck der teilweisen Auskunftsverweigerung vereiteln würde.....

Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag


Die Junge Welt vor der Pleite

Wie bekloppt kann man sein

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Arnold Schölzl in die Rente

Für wen hat der IM sein Werk getan?

Die Linke unglaubwürdig

Aufstand statt Boykott

 

Ich war bei der Woche der seelischen Gesundheit

jetzt bin ich krank...

Widerstandsrecht der Unterdrückten?

Im ambulanten Ghetto der Mumien?

 

Nobel die EU

Danke für die Ertrinkenden an den Außengrenzen

Danke für das Elend der Flüchtlinge im Innern

"Die nun quasi inoffiziell ermittelte Zahl von 183 Toten im Jahr 2012 erfaßt jedenfalls nur einen Bruchteil der tatsächlichen Todesopfer an den EU-Außengrenzen. Denn alleine die Zahl der im Rahmen von Frontex-Operationen aus Seenot geretteten Personen beläuft sich jährlich auf 33000 – aber für diejenigen, die nicht gerettet werden, gibt es keine »amtliche« Statistik. »Es ist davon auszugehen, daß die Abschottung der Wohlstandsfestung EU jährlich Tausende Menschen das Leben kostet«, so die Linksfraktion in ihrer Presseerklärung." (JW,11.2.2013)

 

Kulturbanausen

Bukowski ist dem S.cafe zu sexistisch

dann lieber Herrengedeck im Bäreneck

 

Auf dem Weg zum Frauengefängnis Lichtenberg: Weg mit dem Paragraphen 129a

18.März. Tag der politischen Gefangenen. Beginn der Demo 15 Uhr. Viertel nach drei 40 Leute. Es wird Ton Steine Scherben gespielt. Die rote Front, die schwarze Front sind wir. Die letzte Schlacht gewinnen wir. Wie man das mit 40 Menschlein bewerkstelligen will, bleibt schleierhaft. Die Polizisten, die an den Eingängen in der Samariterstraße kontrollieren, schauen gelangweilt. Der Friedrichshainer Alternativszene geht das Ganze am Arsch vorbei, sie rennen vorbei. Essen wird vorüber geschoben, und vor allem Kinderwagen. Der Spartakist ist im Angebot, SDAJ-Fahnen flattern im Wind. Einer sammelt Flaschen. Um Viertel vor Vier gehts los. Jetzt sind es 150. Schön, dass wir so viele sind, tönt es aus dem Lauti. Ist ja auch schönes Wetter. Ein Sprecher der Roten Hilfe erzählt, wie sie in den 20er Jahren mal 10 000 auf der Straße waren. Der Ermittlungsausschuß ist geschaltet, heißt es. Und: Wer terroristisch ist, bestimmt der Staat. Hoch die internationale Solidarität. Einmal um die Ecke und meine Motivation ist dahin. Als ich sitzenbleibe, lächelt mich ein Polizist am Ende der Demo an. Die Terroristen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

 

Thomaner

15 min Mittagessen.
Tischdienst.
Disziplin.
Sich in der Gemeinschaft unterordnen.
Die Kinder haben einen gut strukrurierten Arbeits(!)tag.
Das müßte die Zukunft in Deutschland sein.
Glauben- Singen- Lernen
insbesondere in den Führungsetagen der Gesellschaft...

Zurück in den autoritären Staat
mit den Thomanern, Gauck, Merkel & co

 

Von allem zu viel. Wir ersticken an der Reizüberflutung.

 

Mit Peter Brückner* in der Lebensmittelausgabe

Karl- Marx-Straße. Die Autos schleichen vorbei. Die Autofahrer glotzen. Eine lange Schlange vor der Lebensmittelausgabe. Gesprächsfetzen: Du sollst das essen. Schokolade. Essen...Zeichnen kann ich auch...Stacheldraht ist das Ende...Wieder ein Schritt zum Sarg...Was man macht, machts man verkehrt...Die sind mir echt zu schnell mit Psychologen und so...Eine junge Dreadlook- Frau mit Hund und aufgedunsenem Gesicht unterhält sich mit einer älteren Frau mit Brille und C&A-Deutschlandfahne auf ihrem Einkaufswagen. Die Aufklärung ist gut, unterhalten sich zwei Mütter. Ein Kind schreit Anne. Denis langsam, ruft die zum Islam Konvertierte. Der Kleine schmeißt sein Auto weg. Sag bitte. Sag danke. Das Kind sagt Auto. Ein Mann mit Obdachlosenoutfit, sehr gebückt. Ich habe nur geguckt, sagt ein Mann zu einer Frau, die sich vorgedrängelt hat. Lachen. Ein grimmiger Weißhaariger geht vorbei. Und eine dicke Frau mit Einkaufstüte und roter Jacke, Ritter-Service steht drauf. 1 1/4 Stunde warten. Ich reiche meine gelbe Karte. Auf dem Tisch liegt das Buch "Aufruhr der Engel" zum Mitnehmen. Wieder warten. Es ist kuschlig eng. Ich gehe mit einer großen Tasche und eiskalten Füßen. Ein abgemagerter Hund läuft mir ins Fahrrad.

*"...was immer sich Menschen auch unter Revolution denken mögen, in Deutschland gibt es keine Umwälzung aller beklagenswerten Verhältnisse ohne tiefgreifende Veränderung von Innerlichkeit, Bedürfnis, zwischenmenschlichem Verkehr. Ohne Umwälzung also der Mentalität sehr großer Teile der Bevölkerung...(Ungehorsam) wird freilich 'oben' und 'unten' meist ungern gesehen, herrschende und beherrschte Klassen können sich da manchmal einig sein." (aus Peter Brückner, Selbstbefreiung, Wagenbach 1983)

Nachschlag: Provokation fordert heraus, sie reizt, sie reizt auf.

 

Bei der Flaschenabgabe


Die Verkäuferin schreit durch Edeka:

„Sie kommen immer mittags,

da haben sie gerade ausgeschlafen.“

 

Hier ist alles separiert...

In der DDR ging ich lieber in die Eckkneipe
als zur Opposition in die Kirche
in der Eckkneipe konnte ich mehr über die Stimmungslage im Land erfahren
Wieder in die Eckkneipe gehen

"Musikfreaks"

Die schönen
ins Alter gekommenen Frauen
"musikinteressiert"
man erkennt sie an ihren Täschchen

Und die eingefleischten Musikfans
außer Musik nichts im Kopf.

Sie passen wunderbar zusammen.

 

In einem Cafe in Lichtenberg

Kellner: Sooo. Kalter Hund.

Na dann guten Appetit !!

 

Aus

Es ist alles gesagt.
Was soll das Wortgerotze.
Literatengemetzel-
man will ja schließlich von was lebe

 

M. `s Glanzleistung

Duplo auf Deckel

Da macht das Leben Spaß

 

Es geht um die Existenz

sobald der Briefkasten geöffnet wird

 

Angst

die Methode der Unterdrückung
der Kitt der Gesellschaft
Angst um den Arbeitsplatz
Angst vor der Stasi
Angst vor dem Tod
Angst vor dem Leben
Angst vor den Männern
Angst vor den Frauen
Angst vor der Einsamkeit
Angst vor der Masse
Angst vor den Kapitalisten
Angst vor den Stalinisten
Angst vor der Befreiung
Angst vor der Alternativlosigkeit
Angst vor der Not
Angst vor der Verschwendung
Angst vor dem Außenseitertum
Angst vor der Anpassung
Angst
Angst
Angst
Stillgestanden!
Aus
Angst mein Prüfungsthema in Psychologie
Theorien...

 

Ja, ja

Gefangen im Kerker
des Ich und Virtuellen
ein endloser Kampf
Das Leben ist schön.
Das Wetter herrlich.
Ohne Schreiben ist der Wahnsinn
der Welt nicht auszuhalten


Die Kleinfamilie

Die Abtreibungsquote die niedrigste
seit 15 Jahren
Kinderwagen bevölkern
die bald hochgeklappten Bürgersteige
Ruhe
der Staat wartet schon auf die Kleinen
ab in die Zurichtung
sonst ins geschlossene Heim
die Frauen dürfen arbeiten
herrlich die Ausbeutung
Rollback in den Realsozialismus
liebe Muttis
übrigens mag ich Kinder
sie tun mir nur leid
das Erziehungsgefecht...

 

Vergleichen

Immer vergleichen
Osten-Westen
beides mir verhaßt

Du hast ein DDR-Trauma
aber im Westen ist es so
ich weiß
Peter Brückner
es gab nicht nur in der DDR politische Verfolgung
ich weiß
Und das KPD-Verbot
und die Berufsverbote
und der Deutsche Herbst
ich weiß
Und Hartz IV
und die armen Kinder
ich weiß
und der Reichtum
die Spaltung der Gesellschaft
ich weiß
und die Nazis im Westen
hatten wieder ihre Posten
ich weiß
Und...
Und was wißt ihr über die DDR?
Politisch aktiv sein gegen den Staat
das wäre Knast gewesen
Und wieviel politische Gefangene gibt es heute in diesem Land?
Sind es 5 oder 10?

 

Ich habe es satt

mich von der Mehrheit unterdrücken zu lassen
von den Wählern
von den Arbeitswütigen
von den Konsumbesessenen
von den gehorsamen Staatsdienern
von den Marktfetichisten
von den Konservativen
von den Postmodernen
von den DDR-Nostalgikern
von den Stalinisten
von den Rechtspopulisten
von den Reformisten
von den Verstaatlichern
von den Privatisierern
von den Psychologen
von den Pädagogen
von den Sozialarbeitern
von der Justiz
von der Polizei
von autoritären Charakteren
von Marketingcharakteren
von Selbstdarstellern
von Schaumschlägern
von Besserwissern
von Wortverschwublern
von Vielrednern
von Dominanz
von Hierarchien
von Posten
von Schlipsen und weißen Hemden
von Röckchen und BH`s
von Autofahrern
von Vielfliegern
von Weißen
von Mittelschichtlern
von Eliten
von dummen Armen
von der Brutalität
von der Verwahrlosung
von den Fatalisten
von den Resignierten
von den Unpolitischen
von den Aktivbürgern
von der Zivilgesellschaft
von dogmatischen Linken
von der Musikindustrie
von hohen Eintrittspreisen
von Lebensmittelausgaben
von Christen
von Islamisten
von Frauenunterdrückern
von Machos
von Arroganten
von Ignoranten
von Egoisten
von Weltuntergangsherbeifühern
von allen
Und wer bin ich?
Isolation die Schönheit der Idee
nicht auszuhalten

 

 

Lieber geistig umnachten

als tot im Massenmeer der Jasager

Ich Pionier und...Pink Floyd, Atom heart mother

Unbeweglichkeit die Bewegungsmuster des Lumpenproletariats im heute Vagabundentum Aufsässigkeit ade Passionierte Trinker Abenteuer als Lebensprinzip? das gewohnte Leben die Tristesse der Müßiggänger eingefroren die Steigerung Gestalten der Nacht Sinnentleerung Kampf der Hoffnungslosen der langsame Tod in der Masse der Toten die Schrauben werden angezogen der Gürtel wird enger Bermudadreieck Mistral Zum Blauen Affen ade ade ihr Eckkneipen Aneignung des Unglücks der Atem stockt vervollständigt die Mutmaßungen zersplittert die Form die gewollte Anonymität das Verhängnis im Gefängnis die Hüter der Moral der Tiefpunkt erreicht die Lüge der Schlipsträger hat System du sitzt in der Falle sie lachen laut gefährlich die Stille die Explosion kommt bald Mythos der Revolution kauft eine Bahnsteigkarte ihr Teutschen ich segle um die Welt zur Performance der Weltenbummler Respekt die Angst sitzt mir im Nacken Krimisucht der Fernseher abgeschafft die Vorgeführten ausgeknipst der Kopf tut mir weh die Zeche wird bezahlt ohne Geld über den Monat du wirst immer gelassener die Höhen der Freiheit wo sind sie? der Geist stößt an die Wolken oh der Schatten der Finsternis Auslöschen! entkommen nein die Paranoia ist allmächtig bis zum Zusammenbruch schlafen du Überlebenskünstler... vom Staat alimentiert hängst du am Tropf die Verzweiflung der Wahnsinn nur eine Nervenanspannung der Geist der Ordnung zubetoniert der Alltag entfremdet der Verzicht grandois sieh das Flugzeug ja,ja Ressourcenverschwendung der Schlüssel im Safe der Weißhemden mein Reiseziel unbekannt ausscheren in eine fiktive Welt Das Kommende Die Utopie getrieben die Ismen Das Pendel... Das Denken gelähmt im Terror der Stubenhocker der Wahlzettelankreuzer Klasse ihr Volltrottel Seid bereit! Immer bereit!

 

 

Nachhausefahrt am Dienstag

in der S-Bahn ein Obdachloser
schiebt seinen Wagen mitten in den Gang
eine Gestankwolke durchdringt die Luft
eine Frau steht auf und will durch
er schreit
du Votze
bist du bekloppt
du stinkst
nur Alkoholiker
mal sehn wann der nächste kommt
ich stehe auf
und gehe in die andere Richtung
an der Tür atme ich auf

weiter in der U-Bahn
ein Obdachloser schiebt seinen Rollstuhl
durch den Gang
er trägt Socken über den Schuhen
habt ihr Geld für was zu essen
keiner gibt was
auf der anderen Seite kommt
ein Mann tief gebückt
mit Krückstock und offener Hand
keiner gibt was

am U-Bahnhof Boddinstraße
wieder Fahrkartenkäufer
vor der Bank an der Hermannstraße
wie üblich der zersauste Obdachlose mit langem Bart
sein Wagen neben ihm
Aber:
vor ihm steht eine blonde Frau
er spricht mit ihr
englisch

Wir gehen kaputt
und wir schauen zu...

Die LINKE

Mit ihrem Geld
wirken sie
wie ein Staubsauger
die Bewegung fast tot...
Wer ist nützlich?
Wer ist minderwertig?

Lieber einen wackligen Barhocker
als einen festen Arbeitsplatz
(Kneipenspruch, leider von früher...)

Prognose der Absurdität
menschliche Anzeichen erträumt
das Problem wächst
funktionieren
aufgehoben die Wahl der Faszination
die Erwartungen totalisiert
vollständig die Äußerlichkeit
das Zentrum meiner Welt das Innere
der Prozeß der Realität
unveränderlich
das Selbst verallgemeinert
das Mögliche unbegreiflich
Gewalt der Gesunden
die Irren verstehen
definiert die Normalität
das Rollenspiel
dann der Stillstand
Versagen oder Autonomie
verwirrt
unbarmherzig die Vernunft
böswillig der Mangel am Menschsein
vernachlässigt die Zwangslage
verhindert das Nicht-Sein
Schuldgefühl
die Ordnung der Träume
notwendig die Überzeugung
die Problemlösung revolutionär
unser aller Los
nirgendwo
Ideale vernichten uns
die Norm der Masse bleibt
im Meer der Toten der Rassentheorie
das Gen der Islamophobie
Guck nich so
die Volltrottel der Ismen
Mörder der Phantasie
es bleibt das Himmelbett
oder die Hölle auf Erden
mit den Sarrazinen und Sarkozysen,
Merkels, Westerwellers,
den Ackermännern und anderen
Schweinehunden.
Die Welt der Bildzeitungsleser,
also der Diktatur der Proleten,
die Welt der Zeitleser,
also der Extremisten der Mitte.
Die unbeschreibliche Parallelwelt
der Elite.
Arme Sau.
Wie das aushalten
ohne Tabak und Alkohol
ausgerechnet rausgerechnet
Das Paradies der Freiheit.

Experimente

Momente finden
einen magischen Ort
Durchgeknallte

schwülstige Gewohnheiten
von der Obrigkeit geformt
schmerzhaft die Selbstauflösung

im Häusermeer
ohne schrille Vögel
die totale Langeweile

die Rettung rigoros

Künstler
rebellische Avantgarde?
Kreativwirtschaft als Wachstumsbranche!
Vorboten der Gentrifizierung
und letztlich Opfer des Imagewandels...

In der Kältekammer

Heißumkämpft
der Markt der Nächstenliebe
verhindert
der Aufstand der Armen
verfestigt
das Scheitern in der Einbahnstraße
Selbsterhalt des Systems
die Disziplinierung des Elends
aber
Elend und Disziplin
passen nicht zueinander
das Elend ist immer deplaziert
Ihr wollt das Elend bekämpfen
aber nicht sehen!
Hört auf damit
Elend in einen Plan zu pressen!
Akzeptabel zu machen!
Ihr "Idealisierer"

"Wenn das Elend schon Teil der eigenen Idealisierung ist, dann muss es sich auch- bitte schön!- nach den Spielregeln richten. Warten, bis es drankommt, eine Form annehmen, die vorzeigbar ist. Aber das Wesen des wirklichen Elends ist immer, dass es weder zum richtigen Zeitpunkt kommt noch eine ansehnliche Form annimmt...Die Tafeln stabilisieren die Gesellschaft, weil sie ganz offensichtlich eine Leerstelle füllen. Sie erzeugen damit aber auch Armut und ‘zementieren’ den Staus quo...Statt an einer Abschaffung der Armut mitzuwirken, beteiligen sich die Tafeln- sicher unintendiert- an einer Segmentierung der Gesellschaft in ‘Oben’ und ‘Unten’. Bedürftige Menschen werden durch ein gut funktionierendes Tafelsystem zwar nicht vom Staat, dafür aber umso effektiver von freiwilligen Hilfsorganisationen ‘ruhig gestellt’." (Stefan Selke)

Lebensmittelausgabe im Deutschlandfieber

oh ja
wie sie flattern im Wind
die Fähnchen neben der Schlange
Im Deutschlandlook
Helfer und Kunden
Public Viewing in der Kirche
mit 3 Beuteln gehe ich nach Hause
vieles werd ich wohl wegschmeissen müssen
das Schreien und Warten in Demut überstanden
danke Deutschland für deine Gaben
am Abend auch noch
die Splitterbomben und den Krach überwunden
danke siegreiches Deutschland
Heil äh bleib heil

Er kannte wohl Uschi Obermaier

Immer saß er auf einer Bank vor seinem Haus. Also vorm Getränkekiosk mit Bierflasche. Ein Treffpunkt in Kreuzberg. Es wurde getrunken, geredet, gelacht, Gitarre gespielt, geflirtet. Oft tobte das Leben. Man kannte sich.
Dann lag er im Hausflur. Krankenwagen. Urban. Psychiatrie. Draußen der Herd abgestellt. Das Geld bei der Betreuerin. Das Gedächtnis immer schlechter. Der Fuß tat weh. Ja ich war beim Arzt, aber er ging nicht. Bis die Ex-Freundin mal genauer schaute. Wieder Urban. Amputation. Im Winter weiter in den Prenzlauer Berg. Dann ein Pflegeheim in Mitte.
Er weiß nicht, wo er ist. Er weiß nicht, wie er nach Kreuzberg kommt. Die immer gleichen Fragen. Nie hat er Geld. Demenz. Oder doch Korsakoff. Die Wohnung fristlos gekündigt. Voller Müll und Ungeziefer. Seine Saufkumpane besuchen ihn nicht. Er ist 60.
Mit Demenz im Rollstuhl dahinvegetieren. Er war mal Kneiper, später konnte er in seinem Getränkeladen anschreiben, jetzt nicht mehr. Sein Platz auf der Bank ist wieder besetzt. Eine Welt der Verlassenen.

Aufgestanden
angepaßt
abgestanden
Joachim Gauck
Schöpfer
zu Tränen rührend
oh sein Chauffeur
erfasste einen Radfahrer
er ist sehr betroffen

Spucken
Kotzen
Scheißen
Frank Castorf
Eisenhändler

Der neueste Trend

Die Bobos* lassen sich ihre Gartenlauben designen
besonders beliebt
Plumpsklo und
Kerzenschein ohne Strom
für teures Geld natürlich

* Bohemé Bourgeois, besonders häufig in Großstädten anzutreffen, zeichnet sich durch eine hohe Intelligenz aus...

Der Britzer Garten als Spießerparadies
garantiert hundescheiße- und dealerfrei
bald auch Eintritt in Tempelhof
der Strick zieht sich zu

Paar Tage nach dem Sparpaket

Warten auf den Demozug
Warten auf die Abschlußkundgebung

Es erwartet einen das Grauen

Infostände von
SAV
Arbeitermacht
Spartakus
RSB
MLPD
Partei der sozialen Gleichheit
Arbeiterstimme
DKP
Marx21
Die Linke

dazu die DDR-Zeitungen
Junge Welt
ND
am ND-Stand eine Frau,
die die Zeitung seit 1973 liest
das alte Grauen erwacht

die Rote Fahne wird verteilt
es flattern Hammer und Sichel
Unsere Krisenberater sind
Marx, Engels und
vor allem Lenin

neben den Luftballons der Linken
ein Bratwurststand mit Deutschlandfahne

dazwischen der Mgler (Marxistische Gruppe)
mit Bierflasche
G, der so tut, als wenn er mich nicht kennt
und das ist gut so

Gesine Lötzsch als Abschlußrednerin

dazu passend Regen
Hubschrauberkreisen
es wird langsam kalt

dann der Zug mit dem üblichen Polizei-Gemetzel
eine schwarz gekleidete Frau mit DDR-Fahne
es waren wohl 10 000...

Schönen Tag auch! Vorwärts in die Vergangenheit!

 

Bergmannstraßenfest

Gutsituiertes Publikum beim Fressen
pardon Dinieren
natürlich alles teuer
gute Musiker
die einem leid tun können
nur paar Farbklekse
Punks auf einem Baugerüst
Althippies- Kreuzberger Urgesteine
W. mit Papagei
Gitaristen mit Spendendose
Es macht keinen Spaß
zwischen den Eventtouristen
da hilft auch kein Blues

 

Bergmannstraßenfest II

Was wollen die in Kreuzberg?

Bürgerliches Pack, würde R. jetzt sagen

Oder ist das 61?

Um 22 Uhr ist Schluß, tönt es von der Bühne. Die Anwohner sind nicht so tolerant, die wollen ihre Ruhe...

Kommentar einer schicken Frau hinter mir: Bei uns ist Schluß, aber ganz Berlin wird abgesperrt wegen irgendwelcher Punks auf Rädern...

(gemeint ist wohl die critical mass, ja wir sind alle tolerant...und feiern ganz lustig)

Während dessen drohen Flüchtlinge sich vom Dach in Kreuzberg zu stürzen...

 

Schlecht gelaunt

Tabak vergessen
und es schiesst aus den Idioten:
Warum gehst du auch ins S.
Selber schuld
Vorurteilsproduktion
dort noch nie gesehen
die
die sich nach unten abgrenzen
dabei sind fast alle Kneipen gleich
gentrifiziert oder leer
es gibt einen Unterschied
im S. kostet ein Kristall 1,20
bis 9...

Zum goldenen Hufeisen-
wo das Asoziale erblühte

Um die Mittagsstunde
die Säufer in trauter Runde
billig das Fressen,
welches Tier wird gegessen.

Das Bier dünn und schal,
die Auswahl eine Qual,
Künstler und Außenseiter,
dazwischen immer heiter.

Zahnlos die Frauen,
tätowiert die Männer,
für jeden Spießer das Grauen,
angeekelt die Kenner.

Mittagsstunde in Dresden-Neustadt
im Osten ein eigener Staat
heruntergekommen und zerfallen,
so ließ man sich den Sozialismus gefallen.

Sonntagmorgen

Morgens in der Pinte,
ich schlafe sonst um diese Zeit.
Ich sitze in der Tinte,
für Säufer ist das Freiheit.

Sie trinken schon ihr Bier
und ihren Schnaps dazu,
was mach ich nur hier,
geben keine Ruh.

Sie kommen aus den Betten,
ich aus dem Club,
sitzen schon über den Schachbretten,
die Kehlen machen Blub.

Für sie ist das normal
und ich bin erstaunt,
haben sie eine Wahl,
jeder Spießer raunt.

DA sitzt das Gesindel,
Alkoholiker von Beruf,
die brauchen bald `ne Windel,
das ist der wahre Groove.

Ich kann kein Bier mehr trinken,
aber einen Pfeffi gern,
zum Schluß kann ich noch winken,
wenn solche Leute nicht wärn.

Irres bringt mich zum Lachen,
mein Lachen steckt an.
Aus dem Stumpfsinn erwachen,
raus aus dem normalen Wahn.

 

Ernst Toller

Gläubig wie die Massen
wird er Kriegsfreiwilliger
der Krieg macht ihn zum Pazifisten
als Streikführer wird er verhaftet
Landesverrat Militärgefängnis
die Mutter glaubt er sei krank
ein Mensch aus bürgerlicher Familie
wendet sich Arbeitern zu
das bringt ihn 4 Tage ins Irrenhaus
wo er lernt:
die Harmlosen heißen Irre
und die Gefährlichen dürfen
die Harmlosen einsperren

Hassan

Als Jazzpianist hoch angesehen
bei seinen Kollegen.
Er ging einfach in Clubs
und spielte Klavier
immer mit Mantel,
wenn jemand ihn aufforderte
den Mantel auszuziehen
verließ er den Club.
Max Roach gelang
eine Aufnahme mit ihm
dem Wunderlichen.

Literaturnacht

In der Buchhandlung
dichterische Ergüsse über die Pubertätszeit
eines westdeutschen Mittelschichtskindes
das Publikum erkennt sich wieder und lacht
der junge Mann kann zwar schreiben
aber er hat nichts zu sagen
sie desinteressiert
auf einem Sitz mit dem Rücken zum Dichter
stöbert in einem Buch
Berlin für Arme
Sie hat kein Geld und es lohnt sich nicht
Im Konzertsaal
albernes Gesabber eines Musikers
der witzig sein will.
Punk ist Pop
wohlsituiertes Publikum
mit dem Gläschen Wein in der Hand
Konsum der Romantik
amüsiert sich prächtig
über das nichtssagende Gewäsch.
Sie geht lieber in die Kneipe.
Der Ausflug
in die zeitgenössische Literatur
beendet.
Literaturnacht umsonst.
Es wäre ihr auch keinen Cent wert.

Der letzte Arbeitstag im Monat
mittags
Gedrängel an den Geldautomaten
ja es ist drauf
für kurze Zeit mal entspannte Gesichter

 

Kostenfaktor

Pardon ich existiere
danke für die acht Taler
ihr Rechtspopulisten
Hoch leben die Renitenten!
Ihr werdet sie nicht los...

ZEIT

Der Gegner fehlt?

Verlier nicht dein Schlüsselbund
du sollst ruhen
rennst gegen Wände aus Stein
Angst ausgelöst
stell dich den Schwierigkeiten
in Schweigen gehüllt
tot die Unvernünftigen
das Geräusch splittert
du hängst am Mittelgang
die Zeit fällt

Geschwafel

Was ist der Gegenstand
der langen Debatten
unfähige Selbstdarsteller
die Gedanken schlafen
vermischt die Dinge
Verteidigungssystem
kaputt das Bewußtsein
legt den Hörer auf
Erleichterung
die Zeit altert

Vielleicht

Luft schnappen
die Ursache erkennen
ein Gefühl der Wut
es ist nichts verloren
und nichts paßt
Wortgeklimper
Phrasen
die Tür ist abgeschlossen
der Streifenwagen
es stinkt
die Zeit verloren

Goldschwindel

Unaufhörlicher Strom
Terminus der Elite
sie hetzen
du liegst unter der grünen Wiese
Gemeinschaftsgrab 26c
nichts was die Kosten deckt
laß uns die Sache zu Ende bringen
der Gesichtsausdruck der Aliens
Wums !
Die Zeit rennt

Schweigen

Die Patientenliste
hat man sie verständigt
zitternde Stimme
keiner sagt ein Wort
die Nazis werden uralt
umzingelt von Kranken und Toten
weiß jemand mehr
Leidensdruck
der Zustand der Welt entsetzt
der Tatsache ins Auge blicken
die Zeit dahinsiechen

Die Kandidaten

Früher der Partei
heute des Friedhofs
das erschöpfte Selbst
der Fall gelöst?
Herzrasen
die Schulden
die Rechnungen
kann man nie vorhersagen
alle halten die Hand auf
verkaufe dich- oder
die Zeit dahinvegetieren

Schubladen

oh nichts drin
Zwiebel mit Schalen und ohne Kern
der Marketingcharakter
immer ein Lachen
Networking
Small Talk
das Schreien hörst du nicht
Mitleid empfindest du nicht
du pflegst deine Marke
die Zeit oberflächlich machen

Wissen

Die Wortverschwurbeler
vermitteln den Eindruck
man sei profan
denken um tausend Ecken
nennen es Komplexität
vergessen dabei den einfachen Kern
wollen unter sich sein
den Pöbel fernhalten
das beste Gegenrezept
Denken ohne Geländer statt
die Zeit verphraseologisieren

Außerordentlich

Außer Kontrolle
der Wahnsinn hat Methode
er sitzt im Parlament
und in den Chefetagen
die Vernüftigen sitzen im Irrenhaus
oder mit der Flasche auf der Parkbank
sie schicken Sozialarbeiter oder Polizei
der letzte Mensch unterjocht
die Aliens freuts
die Zeit auf den Kopf stellen

Beförderung

Zum Leiter
zur Uniform
zum Aktenschrank
zum Aktenkoffer
keine weiteren Einzelheiten
der Mund voller Zähne
den Umschlag in der Tasche
eifrig die Stimme
ja, ja viel gearbeitet
Händeschütteln
Zustrom von Ergebenheit
die Zeit hochbuckeln

Nein mach nicht den Mund auf

In Wahrheit
am Anfang war was
unmöglich das Durchstöbern
der Fingerabdruck auf dem Revolver
du suchst einen Parkplatz
für dein Fahrrad
einen Steuerberater brauchst du nicht
der Redefluß der Schuld
schaue in deine Akte
da hilft keine Sonnenbrille
die Zeit schmarotzen

Schlaraffenland abgebrannt

Süßes Leben in der Hängematte
und in der Lebensmittelausgabe
1-5
warten
6-10
warten
11-15
warten
16-20
warten
21-25
warten..
Meine Nummer
137
in der Masse der Toten
Danke Almosenstaat
Dank an die Helfer mit Handschuhen
Der Ekel sitzt im Gemüse
Zeit totschlagen

Gespräche?

Das ist wirklich schwierig.
Der Kasten läuft.
Das ist wirklich schwierig.
Der Alk läuft.
Das ist wirklich schwierig.
Die Frau läuft.
Das ist wirklich schwierig.
Das Kind läuft.
Die Zeit verwahrlosen.

Es ist mir ein Rätsel

Stille im Raum
die Treppe führt ins Freie
die Selbstbeherrschung bröckelt
schwere Atemzüge
Übelkeit
bleich und schweißbedeckt
Bahren werden aufgestellt
Die Politiker haben gerade erfahren
statt Diäten gibt’s Hartz IV
Die Zeit umkehren.

Dann auf

Glitschig die Blindheit
Nachtgestalten schreien
zwingende Gründe
verläßt du das Haus
die Kehle ist trocken
wandernd durch den Herbst
der Augenblick
das Ende der Welt
was wirklich zählt
im „Slum" Neukölln
die Schicksalsschläge
aber das QM
will angepaßte Bewohner
man übt sich in Untertänigkeit
man tut seine Pflicht
dankend den Herrschaften
Straferlaß auf Bewährung
du prellst nie die Zeche
manchmal schwankt die Erinnerung
Hast du bezahlt?
Na endlich
da lauert die Kneipe..
Ja Ludwig Fels- Die Finsternis war menschenleer.
Ja Marek Hlasko- Ist heute Sonntag?
Atom heart mother
Die Zeit versaufen

Im LSD-Viertel

Das sitzen sie
die Übriggebliebenen
der barfüßige Bärtige
der Literat mit langen Haaren
der Bildhauer mit Schürze
vorbei die Zeit der Asozialen
statt verfallen saniert
das LSD-Viertel
ausgetauscht die Bewohner
statt proletarisch nun smart
vorbei die Zeit
der Boheme
gekommen die Zeit
der Bobos
Boheme Bourgeois

Im grauen Ledermantel
die Haare blondiert
so zogst du durch den Osten
die Welt der Asozialen
Unter Hitler hätten sie euch vergast
der Spruch der dir bleibt
vom antifaschistischen Staat der Mitläufer.
Der OM immer bei der Arbeit
du mittags in der Kneipe
Arsch mit Ohren
haben wir gelacht
über die Spießer und ihre Blümchenbeutel.
Das Lachen ist vergangen
das Elend kam bald
Anpassung oder Untergang
du wähltest die Verweigerung
wie schon im Osten
da hattest du auch gleich wieder
deine Gegner
in den Ämtern
in den Medien
in der Politik
in der Wirtschaft
Das Geld wird immer knapper,
die Haare immer länger.
Du hast viel gelesen
und eine einfache Herkunft.
Das geht nicht gut.
Die Hoffnung schwindet- tag für tag.

Nehmen Sie Platz!

Heimliche Gedanken
überhaupt der Alkohol
du säufst dich um den Verstand
das Lallen der Worte
Aber soooo.
Das Schweigen der Ohnmacht
lottrig das Gewissen.
Hat er sich ein Jahr nicht mehr gewaschen?
Er stinkt.
Der Nachbar hört das Flaschenrollen.
Der Herd abgestellt
Verwahrlosung-Tod
so willst du nicht enden
der Augenblick überführt
Wünsche in Eile
Was soll das Gaffen?
Die Narren am Ende
zum Totsaufen reicht das Geld nicht
Was machst du für Geschichten?
Sei konstruktiv
und nicht wie die Destruktiven
unter der grünen Wiese...

Zitternd

Leidenschaftlich das Bekenntnis
schonungslos die Form
sagenhaft der Traum
vollkommen die Zukunft
ein Fehlschlag die Vergangenheit
reichlich das Versagen
großartig die Lüge.
Das Gebrüll der Menschenmenge
zerfallen in Trümmer
ein Staat
unausgefüllt die Lücke
die Sehnsucht nach dem Anderen.
Wir haben das Gesicht gezeigt
die Masse seine Fratze
Wir sind ein Volk
ersäuft der Verstand
mehr Blase als Hirn
verloren der Verstand
der Wahnsinn kam bald
Mängelexemplar
Ballastexistenz
Die Jugend verschwendet
heute ein alter Knochen
Vielleicht
Reden ohne Worte
hinausgeworfen der Sinn
stehst du allein in der Landschaft
du Einfallspinsel
zwischen allen Stühlen
vergiß die Langeweile
Vom Versorgungsstaat zum Versorgungsstaat
der Westen brauchte den Osten nicht.
Aber immer pünktlich- der OM.
Tausendmal durchgekaut
20 Jahre Mauerfall
immer noch träumst du
vom abwechslungsreichen Leben
gestern wieder die Tristesse in der Kneipe
die Individualität entwurzelt
das Leben gefesselt
die Karre im Dreck
die Bobos kommen immer näher
das Quietschen der Türen der Modeboutiquen
unheimlich die Stille
bald schwankt der Turm
Spitzengespräch im Stehen
auf vier Kanälen
der Wahnsinn hat Methode
einschläfernd die Worthülsen
ein halbes Volk von Idioten
sitzt vor der Glotze
Gib mir den Schlüssel!
Nein, das sind die Normalen!
Atempause
an nichts glauben
ein Viertel ist unentschlossen
das Steinmeiermerkel tappt umher
der Geist entgleist
Verkehrschaos
die Bremsen versagen
entlassen die Spezialisten
die Börse ist wichtiger
du hälst es nicht mehr aus
obwohl die Pillen dämpfen
unendlich der Irrsinn
Lache
Stell dir vor, es sind Wahlen
und keiner geht hin!

1. Mai in Kreuzberg

Sie trifft einen Bekannten und erzählt ihm ihren gerade gedichteten Spruch:
Was ist der Unterschied zwischen 1968 und dem 1.Mai?
Damals: Junge demonstrierten und Alte schimpften.
Heute: Junge konsumieren und Alte sammeln Flaschen.
Auf der Demo dann Sekten, eine FDJ-Fahne und schwarzgekleidete Jugendliche. In ihrer Phantasie reißt sie dem FDJler die Fahne aus der Hand
und trampelt auf dieser herum. In der Realität schreit sie nur „Volltrottel" hinterher.
Als ihr Bekannter wiederum zu jemandem sagt:
„Ich bin nicht Trinker, sondern Linker.", antwortet sie lachend:
„Ich bin Beides". Und das hat Gründe...

Am Zeitungskiosk in Kreuzberg

Vollgepinkelt
der alte Säufer mit Bart
kennt Udo
bettelt um 20 cent
Udo dement
hat kein Geld

 

Schreiben als Therapie

In dem Moment,
in dem es mir gut geht,
geht`s mir schon wieder schlecht.


Neuköllner"I"nnen

M.

Ich wollte mir eigentlich einen Job suchen
aber heute war ich zu schlapp.

J.

Vielleicht mach ich bald in Marmelade.

F.

Wenn es dunkel wird
wache ich auf.

 

Die Verblödungsmaschine
läuft
und läuft
und läuft
bald kann ich nicht mehr aus meiner Wohnung gehen
dann spreche ich mit meinem Ungeziefer

Menschenhülse
schlecht angepaßt
so alterst du
nur die Tüchtigen überleben
du hinterläßt nicht die geringste Lücke
die Schädlingsbekämpfung heißt:
Euthanasie
von Minderwertigen säubern
fahrbare Gaskammern
erledigten das Geschäft
Abtransporte mit Möbelautos
Reichspost-Bussen
Schizophrene
Epileptiker
Schwachsinnige
Vergasungs-Tourismus
der Reichsgesundheitsführer zur Besichtigung
schließlich
das Gebiet erschöpft

Freud
er vernachlässigte seine Kinder
er hatte ein schreckliches Frauenbild
und er nahm im Selbstexperiment Kokain
ES
die arme Sau ICH
das Über-ICH

Das Gehirn
ein System versucht sich selbst zu verstehen.

Abstumpfen
bei dem ganzen Dreck
den man schluckt
ich schwöre
gelähmt die Seele
prima Scheiße
es ist nichts zu tun
im Irrenhaus
gib Ruhe du workaholic
Zeit zur Muße
fristlose Entlassung
bis du dich nicht mehr- beobachtet fühlst
schluckst du tapfer
WILD THING
du mußt noch viel lernen
zu fertig für den Gang
das wird herrlich
es stinkt vor lauter Faulheit

Empfinde das Unsichere
bringe deine ganze Person ein
begrenze das Risiko
sei gewappnet
du bist verwundbar
überzählig
die Arbeit überlebensnotwendig
abhängig von den „Starken"
Abstand zur Masse
disziplinierend die Wirkung
Klassenlogik
Brotrevolte
heruntergekommen dein Viertel
die Kluft zum Kern
du bist der Rand
abhängig
Dominanz der Normen
du machst einen ärmlichen Eindruck
in der Inszenierung der Normalität
Leben im Mangel
die anderen im Kartenhaus
ihre Verarbeitung unsolidarisch
verachten die Tüchtigen
den sozialen Zündstoff
das Zerrbild der Unterklasse
warte auf das Klopfen des entmenschlichten Gesindels
aus dem Fenster springen
oder zuvor zu Tode saufen
du wartender Komparse
wann ist das Drama vorbei
im pausenlosen Wortgewitter
der Schwätzer
und dem Blick der Obrigkeit
durchdrungen die letzte Zeile
mit deinem Elend
schwimmst du im Alkohol
der sonderbaren Klänge
Erinnerung wird Staub
Fenster blind
im Größenwahn
wartest du auf Lob
und zitterst
und schweigst
unbeachtet ausgefressen
wetteiferst du mit den Produktiven
gut geschnorrt
du komischer Vogel
wahnsinnig der Spaß
Hinhaltetaktik
handwerkliche Fehler
keine richtige Menschenführung
Staatsverleumdung
asoziales Element
das Ende der DDR
ein glorioser Sieg der Asozialen
der Kapitalismus ist schlauer
nichts ist vergeblich
wir haben ziemlich viel getrunken

Im Weltenschmerz
vom Zweifel gequält
fühlst du Sehnsucht
nach dem Duft des Lebens
in Einsamkeit
wo ist das Glück
wandernd auf der Suche
im Meer des Lichts
am Sternenhimmel
wühlst du im Wehleid
es blüht die Tiefe
dein Herz schlägt
der Ekel legt sich in Stücke
es bricht auf
schrei!
Du bist ein Schatten
deiner selbst.
Flüstern des Windes
du fällst.
Es ist der Charakter der Zeit
von dem du dich bedroht fühlst.
Du fürchtest dich
fortgeschleppt zu werden
in den Wahnsinn
der die Stimmen bringt
und eine verlorene Stirn
dein Schicksal geweckt
Gedankenflut
in der Leere und im Nichts
aber du suchst etwas
du weißt nicht
was es sei
das Unsichtbare verhüllt
dann die Stille
getränkt im Schmerz
bist du verlassen
nicht mehr verfolgt
nicht mehr einzigartig
kein Verfolgungswahn
kein Größenwahn
und du suchst nach dir selbst
nimmst Abschied
fühlst dich wie festgebunden
ungläubig,
was Menschen anderen Menschen
alles angetan haben
kann man in dieser Welt leben
ohne verrückt zu werden
immer diese Fremdheit
sie blüht
du trägst sie im Koffer
dein Rätsel der Heimatlosigkeit
grenzüberschreitend die Spur
des geistigen Ankers
stumm sind die Leidenden

Schreiben als Legitimation
Reibungsflächen hab ich auch im Westen
gegen Disziplin Unterordnung
Zerrissenheit
ein Akt der Selbstbehauptung
kündet von Heimatlosigkeit
im Meer von Nebelschwaden
Krise als Sprachlosigkeit
keine Orientierung finden
nutzlos geworden
ein bedrohlicher Zustand
nichts funktioniert
nicht einmal das Gedächtnis
Stolpersteine überall
was bleibt
Lob der Selbstkritik
ein Kontrast zum Schmerz
Macht regiert
inszeniertes Leben
paradox
die Schwere der Schuld
lädt die Atmosphäre auf
Konformität in der festen Ordnung
unerträglich
an den Verhältnissen zugrunde gehen
die Waffe Dekadenz

Das Dasein als Programm
der Mensch vorprogrammiert
der Tod kommt bestimmt
der Himmel ist leer
die Hölle überfüllt
du stehst in der Warteschlange
und schreibst Gedichte
keine Lust auf Reime
verschrottest dein Leben
sicher dir einen Rückflug
überhaupt die Sicherheit
sei nicht fatalistisch
sonst eitert deine Seele
Ekel entströmt dir
dann hängst du bald am Strick
sei nicht oberflächlich
du Anti-Held
der Lappen Elend der du bist
bist schon ein Leichnam
lebe und liebe endlich
packe dein Gehirn ein
und leg es ins Eisfach
hör auf zu denken
die Welt ist zu bitter
das kann dein Gehirn nicht verkraften
du brauchst Veränderung
viele Veränderungen
und keinen Absturz
nein du brauchst viele Abstürze
bleib nicht stehen
in deinem Jammerthal
du hast noch Zeit
noch du Elendsgestalt
suche deinen Ort
und taumel nicht herum
in der Trostlosigkeit
der Hemdsärmel
Ehrfurcht vor dem Ersticken
du Verlierer
es wird ernst
genau das bist du
im Gedrängel der Masse
in den Ismen
du mußt absagen
allem!

 

Ich schweige gern
ich gehör zu den Irren
jedes Nationalgefühl liegt mir fern
lebe immer in Zeiten in wirren

Hört auf zu plappern
ich gehöre nicht zu euch
müßt ihr immer klappern
euch Wichtigleute ich verscheuch

Ich hab nichts zu sagen
und ihr auch nicht
Dagegen wäre viel zu fragen
so werde Licht

Hört doch einmal zu
habt ihr nie gelernt
ihr gebt keine Ruh
was kann ich nur aus dem Gerede ernt.

Ja, ihr Selbstdarsteller
ich geb es zu, ich bin ein Nichts
vergrabe mich im Keller
auf alles verzichts.

Was ihr vieles tut
ich bin nur arbeitslos
da verläßt mich der Mut
hab im Hals ‘ nen Kloß.

Seid beschäftigt und selbstbewußt
ihr gebt schon was her
da verläßt mich die Lust
ich in mich einkehr.

Was bleibt mir als zu schweigen
vor soviel Tatkraft
komm nicht in euren Reigen
hab keinen Lebenssaft.

Den saugt ihr mir aus beständig
ertrage eure lästige Produktivität nicht
macht wohl alles vierhändig
eure verdammte Pflicht.

Ja, ihr Arbeitstiere,
haltet einmal euer Maul,
streckt doch einfach alle Viere
seid doch einfach mal faul.

Und dann schweigt! Ruhe! Muße!

Aalglatt

Wo kommen nur die vielen glatten Menschen her?
Bevölkern die Restaurants und Cafes
kreativ und global
Zeitgeist
sie wissen, was man sagen muß
sie wissen, was man tun muß
sie wissen, was man lassen muß
und dabei kommen sie sich wahnsinnig interessant vor
uniform wie sie sind
Wer kurbelt endlich die Produktion
von FDJ- Blusen an,
sie werden dringend gebraucht
alle anders- alle gleich.

Zentrifizierung

Laß deine Ideen fliegen
laß deine Träume blühen
sonst verlierst du den Verstand
sie fressen Pizza für acht Euro
um die Ecke kostet die 1,95
woanders verhungern sie
der alte Feuerzeugverkäufer schaut betrübt
woanders wollen sie Frieden
und was zu essen
mehr nicht
mitten in Kreuzberg
der Mythos zerschlagen
Lassen sie dir Platz zum Leben?
Du loser fühlst dich bedroht
dein Ostberlin haben sie aufgeräumt
es gibt kein zurück
Wo ist der letzte Anker?

Vor dem QM

Glauben sie Herr Polizist
es macht uns Spaß
hier RATSKRONE zu trinken?

Ich habe eine eigene Meinung

Also bin ich Extremist.
Manchmal denke ich sogar
Dadurch habe ich mir meine
Verfassungsschutzakte verdient.
Schnüffelei kenn ich aus der DDR,
in meinem Bett und Schrank wurde
übrigens noch nicht geschnüffelt.
Wohne allein in einer Bedarfsgemeinschaft.
Ach ja, und mir wurde gesagt,
ich wäre jetzt in der Demokratie.

Wo Lüge Wahrheit ist

Wo die Lüge Wahrheit ist,
da erblüht das Propagandaministerium
und es erstirbt jeder oppositionelle Gedanke.
Wo die Lüge Wahrheit ist,
da macht das Schweigen der Masse
jeden Aufsässigen zum Aussätzigen.
Wo die Lüge Wahrheit ist,
da verhungern und verelenden Menschen,
ohne einen Laut von sich zu geben.
Wo die Lüge Wahrheit ist,
da lachen uns die Reichen und Schönen
aus den Hochglanzmagazinen entgegen.
Wo die Lüge Wahrheit ist,
da macht die Angst das Licht aus.
Goebbels hat gesiegt.
Der Endsieg des Kapitals.
Die Revolte ist tot, ganz ohne KZ.
Mitten in der Party
und Spaß dabei,
vor allem für die Millionäre.
Falls dieser Kapitalismus
einmal vor den Richter treten muß,
heißt es wieder:
Wir haben doch von nichts gewußt.

Arbeitslose

Jammern nach Arbeit
wollen wieder geplagt werden.
Nehme jede Arbeit an!
Was freuts die Kapitalisten
solch Arbeitsvieh ist ihnen lieb
arbeiten auch für Hungerlöhne
und mucken nicht auf.
Wer sich wiedersetzt,
fliegt auf die Straße.
Man kennt seine Kandidaten,
die bleiben draußen.
Und wer nicht jammert nach Arbeit,
der wird genervt,
dafür sorgen die Ämter.
Wer nicht will, der Parasit,
schadet dem Staat.
Schmarotzer werden nicht geduldet,
wenn sie dem Staat auf der
Tasche liegen.
Die wahren Schmarotzer
heißen im Neusprech
Leistungsträger.
Die Aktien steigen,
wenn Stellen abgebaut.
Humankapital abgewickelt.
Arbeitslosen hilft nur die
Revolution.

Sarrazin

Im Urlaub hat er einen Speiseplan
für Hartz IV-Bezieher aufgestellt
eine Bratwurst für 38 Cent
mit 150 Gramm Sauerkraut für 12 Cent
den Senf hat er vergessen
die Arbeitslosen könnten am Tag
mit weniger als 4 Euro auskommen
der Regelsatz sieht 4,25 Euro vor.
4 Euro am Tag für Essen
wieviel kostet wohl sein Gläschen Wein
am Abend im Restaurant
frißt sich voll auf den Banketts
der Steuerzahler blecht die Zeche
Ob er wohl jemals am Monatsanfang nicht wußte,
wie er über den Monat kommt?
Ob er wohl jemals ständig rechnen mußte,
ob er sich den Arztbesuch, die Fahrkarte
oder die Zeitung leisten kann?
Ob er wohl jemals ständig verzichten mußte,
wo andere im Geld schwimmen?
Ob er wohl jemals für 1,50 Euro
in der Stunde arbeiten mußte?
Ob er wohl jemals umziehen mußte,
weil das Jobcenter die Miete nicht zahlt?
Ob er wohl jemals soviel Schulden hatte,
dass er keinen Ausweg mehr sah?
Ob er wohl jemals durch die existentielle Not
krank geworden ist?
Ob er wohl jemals sich ständig demütigen lassen mußte,
nur um seine Existenz zu sichern?
Ob er wohl jemals das Gefühl als Vater kannte,
seinen Kindern kein Schulessen und keine Klassenfahrt
ermöglichen zu können?
Ob er wohl jemals sich ständig in den Medien anhören mußte,
ein Faulenzer und Schmarotzer zu sein?
Ob er wohl jemals Solidarität empfunden hat,
mit jenen Menschen, die weltweit verelenden?
Aber als Wohlhabender Armen Vorschriften machen,
das kann er.
Aber als Wohlhabender bei den Armen sparen,
das kann er.
Aber als Wohlhabender Not und Elend verbreiten,
das kann er.
Ja, das können unsere Spitzenpolitiker.

Die Grünen

Entstanden aus den neuen sozialen Bewegungen
habt ihr verraten wo ihr hergekommen
etabliert euch in den Sesseln der Macht gesuhlt
von den Turnschuhen zum Nadelstreifenanzug
auch äußerlich euch angepaßt
seid wieder in den Schoß eurer Klasse zurückgekehrt
habt ohne mit der Wimper zu zucken
schwerwiegende Entscheidungen getroffen
die für Menschen harte Konsequenzen hatten
selbst in euren ureigensten Feldern habt ihr versagt
ihr habt Kriege geführt und Atomkraftwerke toleriert
jetzt braucht ihr nicht mehr auf Opposition zu tun

Arbeiter

Die Proletarier
wie sie schufteten im Elend
die Arbeiterbewegung erwachte
die Sozibosse ließen sich kaufen
ins Parlament an die Macht
die Nazis sorgten für den Rest
ab ins KZ, was sich rot nennt
dann die Gewerkschaftsbosse
machten auf Sozialpartnerschaft
der Sozialstaat sorgte für Zähmung
die Konsumgesellschaft
für ein bürgerliches Leben
schließlich der Industrieabbau
für Massenarbeitslosigkeit
nach dem Mauerfall ging es dann rund
das Kapital hatte Oberwasser
das Konkurrenzsystem weg
die Löhne gesenkt
Arbeitsplätze ins Ausland verlagert
die Arbeiter in den Ämtern- Hartz IV
Aus dem Proletariat wurde das Prekariat.
Der Weg vom Fließband in der Fabrik
vor die Glotze oder ins Call-Center
Die Arbeiterbewegung tot
und die Gewerkschaftsbosse lassen es sich gut gehen.
Mindestlohn wird jetzt gefordert
und die Menschen sind auch noch dankbar dafür.
Und treten wieder ein, in den Apparat.
Appatschniks am Verhandlungstisch
zusammen mit den Sozis
Wir sind ja alle so sozial.
Jene, die für Hartz IV gestimmt
und Löhne gedrückt haben.
Auf zur Schlachtbank Du Proletenschwein.
Die letzte Eckkneipe ist auch bald dicht.
Der Proletarier eine aussterbende Spezies.
Unterschicht sein Schicksal.
Abgehängt. Er wird nicht mehr gebraucht.
Genug geschuftet, du Arbeitstier.
Hättest dich mal bülden sollen. Du Trottel.
Arbeit ist soviel Wert wie Scheiße,
Kapital und Bildung- das ist Zukunft.

Psychopharmaka

Wer bin ist man wirklich?
Radikaler Wahnsinn
Gedämpfte Normalität
Persönlichkeit und Körper verändert
das nennt sich heilen
statt Wahnsinn nun Vernunft
Menschen, die Langeweile totschlagen
den Stumpfsinn ertragen
die Zuchtmeister der Zurichtung
die Mumien, die sich im
Schlaraffenland aufhängen würden
denn es ist nichts zu tun
Glück ist unmöglich
Wortkram
Es bleibt die Suche nach Erkenntnis
und der Kampf gegen die Unmündigkeit.
Gehe den Weg weiter.

Kaputt durch diese Gesellschaft
Seid stolz auf das Werk!
Vereinzelt, aussortiert, eingesperrt
Der Marsch durch die Institutionen
abgekanzelt, abgestempelt, abgeschoben.
Der Marsch durch die Institutionen
abgefüllt, abgefüttert, abgestumpft.
Schreie nicht zugelassen.
Ruhe herrscht im Land.
Die Unterschicht sitzt vor der Glotze
die anderen im Restaurant
oder machen auf Kultur
im politischen Kabarett wird
herzlich gelacht
ja man steht über den Dingen
und betrachtet alles ironisch
die Armen stören im Bild
sie sollen gefälligst in ihren
verwahrlosten Wohnungen bleiben
Selber schuld
ungeeignet.
Setzen!

Unbequem und du verlierst alles

Unbequem die Haltung
nein sagen
den aufrechten Gang lernen
aber zerschlagen das Rückgrat
der nächste Irrtum
unbestechlich
wer hat das Bild abgehängt
du sägst an dem Ast
auf dem du sitzt
die Spuren verwischen
du bist überführt
mach kein Aufsehen
die Welt ist schlecht
schwarze Zeiten
Falten im Gesicht
Verrat
du bist betrunken
gewöhn dir das ab
der Schlüssel
unscheinbar im Schloß
übel der Geist
nirgendwo jenseits der Barbarei
die Triebe ausgeplündert
marschieren sie
vier Gänge serviert
endlich verschwunden
im Kummer
Regen im Gehirn
ein normaler Mensch sein
Optimist
tröste dich ohne Haß
unberechenbar wie du bist
verlierst du die Geduld
da bemerkst du
du bist angekettet vom Steuerzahler
Zuchthaus
Aufseher mit Peitsche
Flucht in die nächste Pinte
du hast dich geirrt
ein Schlag auf den Schädel
die Messer gezückt
du verlierst alles

Schule in der DDR

Gefangen und gefesselt.
im Frontalunterricht
Zahlen sind wichtig
Formeln in Mathe
die man wieder vergißt
Zahlen sind wichtig
auch im Geschichtsunterricht
der Lehrer mit dem Zeigestock
zack zack schlägt er auf den Tisch,
stures Auswendiglernen,
im Deutschunterricht
eigene Gedanken nicht erlaubt,
im Staatsbürgerunterricht
kritische Fragen nicht erlaubt,
Uniformen sind wichtig
stolz ein Pionier zu sein
stolz ein FDJler zu sein
das ist erlaubt,
Appelle sind wichtig
sich Phrasen anhören
sich Gebote anhören
das ist erlaubt,
Träume werden ausgetrieben,
Befehle eingepeitscht,
die Befehlsstachel
stecken immer noch in mir,
diese Schule werd ich nie mehr los,
die Ordnung wieder betoniert
wie eh und je- ob gestern oder heute.
Mich dürstet nach Freiheit.

Eine militarisierte Gesellschaft

An Feiertagen Militärparaden
Panzer und Kanonen
Stechschritt marschieren
überall Uniformen
der Militärgruß von der Tribüne
Fakelzüge der FDJ
Erinnerung an düstere Zeiten
die Bücher
nicht in den Flammen
aber im Giftschrank
Seid bereit ihr Pioniere
im blauen Hemd Jugendliche
angetreten zum Fahnenappell
nach dem Kalten Krieg
in Zeiten der Entspannung
Wehrkundeunterricht
Schießen bei der GST
Verpflichtung zur Armee
seine Pflicht tun in der Masse
ein Rädchen in der Maschine
Drill! Befehle!
Stillgestanden!
Hurra!

Mit Gesetzen knüppeln sie uns nieder

Mit Gesetzen knüppeln sie uns nieder
tag für tag immer wieder.
Vorschriften, Regeln, Verbote,
damit steigt ihre Aufklärungsquote.

Mit Gesetzen knüppeln sie uns nieder
die Arbeiter sangen früher gemeinsam Lieder
heute wird bestraft jedes kleine Würstelein
und ist zum Schluß dann noch allein.

Mit Gesetzen knüppeln sie uns nieder,
die Masse wartet auf den großen Leader.
Rechtsstaat nennen sie den Paragraphenwust,
wer hat darauf schon große Lust.

Mit Gesetzen knüppeln sie uns nieder,
immer wieder, immer wieder.
Staatsanwälte, Richter, Pfeffersäcke,
dass das arme Schwein verrecke.

Wahlgetöse

Oh vor den Wahlen,
da ist was los,
was wollen sie alles zahlen,
das ist doch famos

Oh vor den Wahlen,
wie sie hauen, wie sie stechen,
das sind schon Polikerqualen,
aber man wird sich rächen.

Oh vor den Wahlen,
wie verschieden sie doch sind,
die Wähler können es sich ausmalen,
ja das weiß doch jedes Kind.

Oh nach den Wahlen,
wie gleich sie doch sind,
die Zeche kann der kleine Mann zahlen,
vergessen alles sehr geschwind.

Anpassen

Ja nicht auffallen
nicht unbeliebt machen
in den Arbeitshallen
immer genau wachen.

Immer anpassen,
Normen befolgen,
konform mit den Massen,
keine eigene Meinung verfolgen.

Gedanken zu gefährlich
immer braver Untertan
sei doch mal ehrlich
ein Leben vertan.

Tristesse

Da sitzen sie auf ihrem Bänkelein
saufen tagein tagaus
was schütten sie alles in ihre Kehle rein
und kommen nicht mehr aus ihrem Kiez raus.

Erleben nichts in ihren Tagen,
die Gespräche wiederholen sich,
wo sind die großen Lebensfragen,
so ein Leben will ich nich.

Sie bekommen nichts mehr auf die Reihe,
der ewig gleiche Lebenstrott.
Wer gibt ihnen eine neue Weihe,
alles andere ist doch Schrott.

Kein Geld auf der Tasche,
keine Idee im Kopf,
manche halten es für eine Masche,
man muß sie packen beim Schopf.

Wacht auf Verdammte dieser Erde
seid lebendig und doch schon tot,
sollt auch nicht leben wie die Menschenhorden,
rafft euch auf, dann kommt alles ins Lot.

Der ewig gleiche Trott

Wie halten es Menschen nur aus
den ewig gleichen Trott.
Wohnen- früher in der Platte, heute baun sie ein Haus.
Dafür hab ich nur Spott.

Wie halten es Menschen nur aus
den ewig gleichen Trott,
Arbeiten- früher monoton, heute flexibel.
Dafür hab ich nur Spott.

Wie halten es Menschen nur aus
den ewig gleichen Trott.
Trinken- immer die gleichen Leute in immer den gleichen Kneipen.
Dafür hab ich nur Spott.

Wie halten es Menschen nur aus,
den ewig gleichen Trott.
Fußball gucken- fast jeden Tag.
Dafür hab ich nur Spott.

Wie halten es Menschen nur aus,
den ewig gleichen Trott.
Immer auf den gleichen Wegen.
Dafür hab ich nur Spott.

1989

„Vielleicht gibt es nur einen einzigen Augenblick, in dem wir frei sind- wenn die alte Ordnung zerschlagen ist und eine neue sich noch nicht etabliert hat. Nur dieser Moment- und wir Affen, wir strengen uns verzweifelt an, ihn auf ein Jahrtausend auszudehnen." (aus Toller von Tankred Dorst; Bakunin: Staatentum und Anarchie)

Die Lebenslügen der DDR-Opposition

Als ich im April 1985 nach Ostberlin zog, lernte ich die Offene Arbeit in Friedrichshain kennen. Zunächst wohnte ich bei einem Pärchen der Gruppe, dann halfen sie mir still und heimlich eine Wohnung zu besetzen. Was mich abschreckte, waren die innerkirchlichen Auseinandersetzungen um Räume. Die OA suchte nämlich Räume in der Kirche. Was hatte das mit meinem Leben in der DDR zu tun? Auch gefielen mir die Hierarchien in der Offenen Arbeit nicht. Also wandte ich mich von der OA ab. Ich ging lieber in Kneipen als in Kirchen. Trotzdem besuchte ich hin und wieder oppositionelle Kirchenveranstaltungen. Was mich immer wieder abstieß, war der Protestantismus. Die Pfaffen waren bemüht, abweichende Jugendliche zu missionieren. Ich gebe es zu, auch ich war kurzweilig verseucht. Atheistisch aufgewachsen, schaute ich mit 20 erstmals neugierig in eine Bibel. Als ich meine Oma nach der Zeitung „Die Kirche“ (oder so ähnlich) fragte, sah sie mich verdutzt an. Ich suchte nach oppositionellem Gedankengut in dieser langweiligen Zeitschrift. Zum Glück bin ich darüber wieder gesundet.

Die Offene Arbeit und Kirche von unten waren allerdings der symphatischere Teil der Opposition. Trotzdem, man lese nur ihr Buch „Das Chaos ist aufgebraucht, es war die schönste Zeit“, wimmelte es auch hier von Religiösität und der quälenden Suche nach Räumen. Wirkliche politische Inhalte Fehlanzeige. Der erste Artikelschreiber vollzog den Bruch mit dem Staat, indem er Theologie studierte. Der Zweite, der durch die Bluesmessen zur Kirche kam, freute sich dann über seine Mitarbeit in einem Bibelarbeitskreis. Pfarrer Eppelmann (heute CDU) sorgte dafür, dass die Bluesmessen von 1979 bis 1986 einen „theologischen Rahmen“ bekamen. Auch die Arbeitsgruppen des Kirchentages von unten machten einen langweiligen, zum Teil wieder religiösen Eindruck.

Symphatisch war, dass sich die Blueser und Punks auch nicht in der Kirche so leicht disziplinieren ließen, sie fielen insbesondere durch einen enormen Alkoholkonsum auf. Das MFS beanstandete, dass es um die „Ordnung und Sicherheit“ schlecht bestellt sei. Die K1 Friedrichshain eröffnete 1980 die Kriminalakte „Kreuz“ wegen $ 218 StGB „Zusammenschluß zur Verfolgung gesetzwidriger Ziele“. In der Samariter-, Auferstehungs- und Galiläakirche würden kirchliche Veranstaltungen (Blues-Messen, Werkstattwochen, Lyrische Abende u.ä.) durchgeführt, um auf Jugendliche und Jungerwachsene so einzuwirken, indem „die sozialistischen Verhältnisse in der DDR verleumdet und entstellt werden.“ Bei den TeilnehmerInnen handle es sich „überwiegend um dekadent aussehende Personen“. (S.38)

Mein prägendstes Erlebnis in der DDR war, als ein Hausblockwart in Dresden-Neustadt, in der DDR Hausbuchführer genannt, meinen beiden Nachbarn (ein Punk und ein Hippie) und mir hinterher schrie: „Unter Hitler hätten sie euch vergast.“Diesen Spruch haben „dekadent aussehende“ Jugendliche in der „antifaschistischen“ DDR des öfteren gehört.

Was störte mich außer dem Protestantismus noch an der DDR-Opposition? Schon zu DDR-Zeiten konnten sich einige dieser Spezies im Westfernsehen bestens darstellen und Selbstbeweihräucherung betreiben. Dadurch waren sie weitestgehend vor Inhaftierungen geschützt. Aber haben sie sich dort mit politischen Gefangenen solidarisiert, die zum Beispiel als Republiksflüchtlinge oder hartnäckige Ausreiseantragsteller massenhaft einsaßen? Im Gegenteil, gerade in Berlin betrachteten Oppositionelle die Ausreiser als Verräter. Und was taten sie eigentlich? Herumschwätzen in kirchlichen Räumen? Klaus Bittermann schreibt über den „Verein von Nervensägen“, nämlich die „Schmuseopposition“ in der DDR, dass diese sich „hinter den Rockschößen der Kirche verschanzte und ihre Kritik ungefähr den Koffeingehalt vom 'Wort zum Sonntag' hatte.“ (Bittermann, S. 14)

Was dabei herumkam, war zu „Wendezeiten“ zu beobachten. Außer Parteigründungen und dem Mitmachen am runden Tisch fiel ihnen nichts ein. Die MG (Peter Decker/ Karl Held) schreiben: „Und da werden dieselben Idealisten, die an Modellen basteln, um dem herzergreifenden 'Aufbruch' Dauerhaftigkeit zu verschaffen, auf einmal saurealistisch und nehmen zur Kenntnis, daß von ihrer Bewegtheit gar nichts abhängt: Die zuständigen Instanzen haben den Fahrplan ihres Ladens hin zur Herrschaftsform einer parlamentarischen Demokratie inzwischen festgelegt und als 'vertrauensbildende' Vorstufe einen 'runden Tisch' in Aussicht gestellt, an dem die 'relevanten gesellschaftlichen Kräfte' zur Stellungnahme über die zweckmäßigsten Herrschaftstechniken geladen werden. Und da steht für die in 'Selbstbestimmung' und 'Basisdemokratie' schwelgenden Oppositionsmenschen sofort fest: nichts wie hin! Weil sonst wäre man ja nicht dabei, also keine 'gesellschaftlich relevante Kraft' mit dem behördlichen Gütesiegel der 'Politikfähigkeit', sondern bloß eine Mannschaft von 'Sektieren'. Der Gedanke, daß man als Oppositioneller dort vielleicht gar nichts verloren hat, weil man ein Gegner der dort zu vereinbarenden Richtlinien für die zukünftige Herrschaftsmethode ist, ist bei den stolzen 'Revolutionären' der DDR äußerst unbeliebt.“ (Peter Decker, Karl Held, S.210f.) So bekamen die „Revolutionäre“ einen Fuß in die Machtinstitutionen und hatten seitdem ein Betätigungsfeld gefunden. Sie paßten sich mehrheitlich an und machten Karrieren. Wenige blieben ihren linken Ideen treu oder verschwanden von der Bildfläche. Viele Bürgerrechtler wurden zum Fürsprecher des Kapitalismus. So landeten Vera Lengsfeld, Günter Nooke und Rainer Eppelmann bei der CDU. Roland Jahn und Marianne Birthler bei Aufarbeitungsinstitutionen. Freya Klier setzte sich dafür ein, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt. Wolf Biermann befürwortete Kriege usw.

Diese DDR-Opposition war in keinster Weise auf den gesellschaftlichen Umbruch vorbereitet und hatte nichts an Alternativen, außer „freien Wahlen“ und „deutscher Vereinigung“ anzubieten. Einige linke Oppositionelle beschwören noch, dass sie den Sozialismus wollten und die anderen ihre Ideen verraten haben. Jene, die in Posten gelangt sind, beschwören wiederum, dass sie schon immer diese „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ wollten und die anderen arme Spinner seien. Was solls, mit dem „untertänigen Volk“ war nur ein anderer Staat zu machen und kein wirklicher Sozialismus. Ich bezweifle, dass das DDR-Volk wirklich Sozialismus wollte, zu sehr waren sie am Westen orientiert und zu sehr waren sie autoritätsfixiert. Und auch die Themen der Bevölkerung waren andere, als die Themen der Opposition. Erstere interessierte der Mangel und die wirtschaftliche Situation, zudem die Mauer und Reisefreiheit. Mit der beginnenden Arbeitslosigkeit dann die soziale Situation. Zu DDR-Zeiten verschanzte sich die Opposition hinter grüne Themen Umwelt und Frieden, später vergrub sie sich in die Stasiakten. Die soziale Spaltung der Gesellschaft nehmen viele ehemalige DDR-Bürgerrechtler bis heute nicht wahr. Die Arbeiter waren die besten Seismographen der DDR-Gesellschaft, sie waren die Unzufriedensten, die flüchteten, die demonstrierten und dann die CDU wählten. Zum Dank wurden viele in die Arbeitslosigkeit und die Prekarität entlassen. Die meisten Oppositionellen kamen dagegen zu Posten und Ämtern, und integrierten sich in die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Der Öffentlichkeit präsentierten sie ihre Stasiakten und seitdem menscheln sie im pastoralen Ton vom Rednerpult herab. Joachim Gauck ist ein schönes Beispiel dafür. Man frage, wer von den Ost-Pfaffen jemals im Knast saß....


Die Rache der Pfaffen aus einem atheistischen Land

Die DDR-Opposition rekrutierte sich vor allem aus dem protestantischen Milieu, dem Bürgertum und der technischen Intelligenz. Angela Merkel ist die Verkörperung dieser Milieus als Pfarrerstochter und Physikerin. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. „Honi“ wurde nicht gewählt, die „Mutti“ schon. Stefan Wolle schreibt: „Honecker war langweilig, phantasielos, provinziell, verspießert, kleinkarriert- ganz wie das Leben in der DDR. Er hat seine Zeit nicht geprägt, er war das Produkt seiner Zeit.“ (Wolle, S.52f.) Die DDR war ein Staat der kleinen Mitläufer, wie die „Mutti“. Ist Angela Merkel etwa nicht langweilig, phantasielos, provinziell, verspießert, kleinkariert? Honecker war ein „kleiner Mann“, er hatte den Beruf eines Dachdeckers, Angela Merkel den Beruf einer Physikerin, den sie sich durch Anpassung in der DDR erworben hat. Es gibt aber noch einen gravierenden Unterschied, die „Mutti“ war Pfarrerstochter, Joachim Gauck war in der DDR Pfarrer. Die Rolle der Kirche in der DDR und die Rolle der Pfaffen und Gläubigen in der Wendezeit bleibt oftmals unbeachtet. Es war fatal, dass die Opposition insbesondere in den 1980er Jahren unter dem Dach der Kirche Platz nahm. Aber es war zum Beispiel für Beatfans und Punks, die sich nicht im öffentlichen Raum aufhalten konnten, der einzige geschützte Raum. Aus der jugendlichen Subkultur gingen oftmals Oppositionsgruppen hervor. Viele von den Oppositionellen wurden theologisiert, wenn sie nicht schon christlich aufgewachsen waren. Sie studierten zum Beispiel Theologie, weil das die einzige Möglichkeit für ein Studium war. Sie suchten in der Kirche Unterstützung, wenn sie den Dienst an der Waffe verweigern wollten. Sie fanden in der Kirche Räume, wenn sie sich oppositionell politisch betätigen wollten. Ein oppositioneller Theologe war zum Beispiel Friedrich Schorlemmer (er sprach auf der Alex-Demo am 4. November 1989, heute ist er bei der SPD und attac), über den sich Gerhard Henschel 1992 in seinem Buch „Menschlich viel Fieses“ lustig machte: „Zuhause vertiefte ich mich wiederum in Friedrich Schorlemmers Gedankengut und Utopien. 'Kühe und Bären werden zusammen weiden', las ich dort. 'Ein Säugling wird spielen am Loch der Otter. Das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein.' Ist das nun Tierquälerei oder Kinderpornographie?“ (Henschel, S.39)


Das Sprachrohr: Die Intellektuellen

Gerhard Henschel machte sich auch über DDR-Intellektuelle lustig. Die Journalistin Gisela Karau beschwere sich:“ Wir müssen nicht nur umdenken, auch umfühlen lernen.“, der Politologe Erhard Crome nähre „die Hoffnung, daß die Nachmahre den Tag niemals einholen“, die Bildhauerin Ingeborg Hunzinger deklamiere „Die Vereinigung schreibt uns die Not in die Haut!“ (Henschel, S.24)

Was Intellektuelle, Künstler und Schriftsteller auch immer sagten, taten, schrieben und schufen- es war nicht gleichgültig. Der Staat widmete ihnen eine rührende Aufmerksamkeit. Andererseits existierte eine intellektuelle Unfreiheit. Viele flüchteten in die Intellektualität, um die Erlebnisarmut hinter der Mauer zu kompensieren und sich von dem peinlichen System abzugrenzen. Kafka, Dostojewski, Hesse, Camus, Sartre, Trakl, Rilke, Toller, Mühsam, Tucholsky usw. usf. Es gab in der Subkultur einen Kanon an Romanen, den man gelesen haben mußte. Oftmals konnten diese kritischen Intellektuellen nicht die entsprechenden Fächer studieren. Vor allem die Geisteswissenschaftler waren meistens angepaßt, staatstragend und marxistisch-leninistisch geschult. Kritische Soziologen und Politologen waren nicht präsent, kritische westliche politische und soziologische Sachliteratur befand sich weitestgehend in Giftschränken.

Die Weltliteratur prägte die Sprache der DDR-Intellektuellen. Heiner Müller war der Vorzeigeintellektuelle. Er machte deutlich, dass die bekannten Intellektuellen der DDR mit Privilegien, zum Beispiel Reisepässen, ausgestattet wurden. Die sozialistische Intelligenz gab vor allem in den 70er und 80er Jahren die Bildungsprivilgien an ihre Kinder weiter. Aber wer kennt nicht das Gejammer von ehemals privilegierten Ossis, sie seien jetzt „Menschen zweiter Klasse“. „Ich bin gutbürgerlicher Herkunft. Das war schon mal schlecht in der DDR.“, so schreibt Daniela Dahn ernsthaft. Das Gejammer der DDR-AkademikerInnen nach 1990, sie seien Menschen 2. Klasse konnte einem gehörig auf die Nerven gehen. Und der Höhepunkt, man würde sie ihrer Biographien berauben...Wirkliche Aufarbeitung gleich Null.