Horst Stowasser


Zitate aus seinem Buch:
"Freiheit pur- Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft" Eichborn 1995

Die Idee:

“Im Grunde ist jeder Anarchist, der ernsthaft sucht. Anarchismus ist Suche und Experiment unter dem Vorzeichen der Vielfalt.”
Dann übt er Kritik am Staat, an der Demokratie, am Kommunismus, am Patriarchat.

Nach anarchistischer Auffassung ist die selbstbestimmte freie Vereinbarung Grundmuster aller gesellschaftlichen Beziehungen. Sind viele Menschen an solch einer Vereinbarung interessiert, entsteht ein Gesellschaftsvertrag auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit. So entwickeln sich an-archische Gesellschaften.
Freie Liebe und freie Schule sind 2 Beispiele freier Vereinbarung.
Die spontane Verwirklichung schöpferischer Ideen an sich ist ein logischer Bestandteil der Anarchie.
Das ist die Grundlage der Kunst. Kunst wird in der alltäglichen Vision alltäglich. Anarchismus ist Kunst.
“Die grundlegende Struktur des anarchistischen Gesellschaftsmodells ist eine Vernetzung von kleinen Einheiten.” Im Anarchismus gäbe es ein System von Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Selbstverwaltung, getragen von einem Netzwerk.

“Anarchie ist nicht Chaos, sondern Ordnung ohne Herrschaft.”

“Anarchistische Wirtschaft beruht auf einer dezentralen Bedürfnisproduktion.”
Produzenten und Konsumenten bestimmen selbst, was sie produzieren, wie sie produzieren und wie sie die Produkte verteilen. “Durch die dezentrale Vernetzung einer Gesellschaft würden viele Waren, Produkte und Lebensmittel in der näheren Umgebung erzeugt und verbraucht.”
Es würde nur hergestellt, was gebraucht wird. Viele Dinge würden wegfallen, wie Rüstung, Werbung etc.
Die Menschen könnten weniger arbeiten.
Beim Geld gibt es unterschiedliche Ansichten. Es gab geldlose Experimente von Solidargemeinschaften als auch Theorien und Experimente für eine andere Art von Geld. Bakunins Motto war: Jedem nach seiner Leistung,
Kropotkins: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Proudhon initiierte eine Tauschbank, Silvio Gesell entwickelte die Freigeld-Theorie. Durch den negativen Zins sollte der Anreiz zu spekulativem Horten genommen werden. (Schwundgeld) Es gab z.B. einen Versuch in Wörgl, der verboten wurde. Heute gibt es Barterclubs und Tauschringe.

“Eigentum ist Diebstahl!” schrieb Proudhon. Jeder hat ein Anrecht auf das Eigentum an persönlichen Dingen, Eigentum an Produktionsmitteln ist in den Augen der Anarchisten unsozial. Nicht die Eigentümer dürfen entscheiden, sondern jene, die damit arbeiten, darin, davon oder damit leben oder sonstwie direkt damit zu tun haben. Das ist Kollektivbesitz und Kollektive sind autonom.
“Eigentum muß sich nach den Gesetzen des kapitalistischen Marktes richten, Besitz nach den sozialen Ansprüchen der Gesellschaft.”

Anarchisten fordern ein Recht auf Faulheit. Stowasser meint aber, die allermeisten Menschen halten ständige Muße nicht aus. Er möchte mal einen Menschen kennenlernen, der überhaupt nichts tut.

Anarchisten fordern eine radikale Ökologie, alle Wurzeln der ökologischen Krise liegen in dem Wirtschafts-und Politiksystem.

Die Anarchogruppe ist der beliebteste Baustein der anarchistischen Bewegung. Gruppen, die eine bestimmte Richtung vertreten, sind eine Gesinnungsgemeinschaft. Gruppen, die praktisch eine gemeinsame Aufgabe bewältigen wollten, sind Konsensgruppen oder Interessensgemeinschaften. Ein dezentraler Zusammenschluß verschiedener Gruppen, die ein Interesse verbindet, ist eine Föderation.

“ Räte bilden das Organisationsmuster, auf dem die Selbstverwaltung aufbaut...Räte sind eine Ordnungsstruktur, die in einem anarchistischen Umgestaltungsprozeß brauchbar wäre.” Jeder Rat ist autonom. Wenn mehr Menschen beteiligt sind, wählt der Rat Delegierte, die sich zu Delegiertenräten zusammenschließen. Delegiert wird nicht Macht, sondern Ausführung. Delegierte erhalten ein imperatives Mandat, bleiben dem Beschluß des Rates verpflichtet und werden von ihm kontrolliert. Es gibt ein Rotationsprinzip.
“Durch eine Rätestruktur verschwindet die Macht nicht, aber sie wird neutralisiert. Frei nach dem Motto: “Verteilt die Macht, damit sie keinen mächtig macht.”

“Die an-archische Gesellschaft müßte..eine vernetzte Förderation vieler kleiner, überschaubarer Mini-Gesellschaften sein.”