Frauen und Gleichberechtigung

Die Frauenfrage wurde in der DDR als Teil der sozialen Frage betrachtet.

Wichtigstes Ziel in der DDR war die Integration der Frauen in die Erwerbsarbeit. Die ökonomische Ungleichheit sollte damit beseitigt, die wirtschaftliche Gleichheit der Frau erreicht werden. Neben der Berufstätigkeit wurde auch die Mutterschaft zum Leitbild erhoben. Frauen wurden als Arbeitskräfte benötigt und sie sollten ihren Beitrag zur „Bevölkerungspolitik“ leisten. In der DDR wurde früher und häufiger geheiratet, die Scheidungsquote verdoppelte sich von 1960-1985. Die Familie mit zwei Vollbeschäftigten und Kindern war das Familienmodell in der DDR. Alternative Lebensformen spielten kaum eine Rolle. Wohnungen wurden meistens an Eheleute mit Kindern vergeben.

1949 wurde in der Verfassung die Gleichberechtigung festgeschrieben. 1950 trat das Gesetz über Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau in Kraft. Ab 1961 wurde die Qualifizierung von Frauen gefördert. So wurde 1963 das Frauensonderstudium eingeführt. Die Qualifikation und Erwerbstätigkeit von Frauen stieg. 1965 wurde im Familiengesetzbuch die Verantwortung beider Partner für Kinder und Haushalt beschlossen. In der Realität sah das oft anders aus. 1971 wurde dann eingeschätzt, dass die Gleichberechtigung der Frau verwirklicht sei. Mit den sozialpolitischen Maßnahmen in den 70er Jahren wurde die berufstätige Mutti zum Maßstab. Leistungen gingen hauptsächlich an Mütter. 1972 wurde ein ganzer Maßnahmenkatalog verabschiedet: die Erhöhung der Anzahl von Kinderkrippen, -gärten und Hortplätzen, die Verbesserung des Mutterschutzes, zinslose Ehekredite, die besondere Förderung von Studentinnen, die Einführung des Haushaltstages. 1976 wurde das Programm durch die Verlängerung des Schwangerschafts- und Wochenurlaubs, das Babyjahr ab dem 2. Kind und die 40-Stunden-Woche für Mütter mit 2 Kindern erweitert. Die Drei-Kind-Familie wurde zur gesellschaftlichen Norm. In den 80er Jahren gab es weitere Maßnahmen zur Familienförderung. 1981 wurde das Kindergeld erhöht. 1986 wurde das Babyjahr für das 1. Kind eingeführt. 1986 waren 91,3% der Frauen erwerbstätig. 1989 waren 48,6% der Studenten Frauen.

Natürlich gibt es viele positive Aspekte, was die Situation der Frauen in der DDR betraf. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Mutterschaft war nur möglich durch die vielen Kinderbetreuungseineichtungen (Tages- und Wochenkinderbetreuung, Essensversorgung, Betreuung in Schulhorten). Allerdings waren das in der Regel staatliche Einrichtungen, die natürlich auch ideologisch auf die Kinder einwirkten. Der Einfluß der Eltern war gering, nicht vergleichbar mit der Situation in heutigen Kinder- und Schülerläden. In diesen haben die Eltern oftmals zwar auch Pflichten (Kochen, Putzen etc.), allerdings sind die Mitspracherechte der Eltern auch größer. Die Qualität der Erziehung und Betreuung ist in diesen Einrichtungen meistens bester als in staatlichen Einrichtungen. In der DDR gab es diese alternativen Betreuungseinrichtungen nicht. Der Staat hatte das Erziehungsmonopol. Aber die Frauen waren sozial abgesichert. Es wurde für eine gute Qualifikation der Frauen gesorgt. Jeder hatte nach der 10.Klasse ein Recht auf einen Ausbildungsplatz. Es bestand dann die gesetzliche Pflicht zur Weiterbeschäftigung. 50% der Studenten und 70% der Fachschulstudenten waren weiblich. 87,8% der weiblichen Beschäftigten hatten eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Durch den Kündigungsschutz und das Recht auf Arbeit war in der DDR die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Mutterschaft gesichert. Der Betrieb war nach einer Kündigung für die Arbeitsbeschaffung verantwortlich. Ein besonderer Kündigungsschutz gab es bei Schwanger- und Mutterschaft. 6 Wochen vor und 20 Wochen nach der Geburt wurden die Frauen freigestellt. Sie wurden mit dem Nettodurchschnittsverdienst bezahlt. Es gab eine großzügige Freistellungsregelung und einen stärkeren Kündigungsschutz während der Erziehung von Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr. Bei Krankheit der Kinder bis zum 14.Lebensjahr wurden sie bezahlt freigestellt. Alleinerziehende Mütter hatten Vorteile bei der Freistellung. Schwangerschaft war kein Hinderungsgrund für eine Einstellung. Frauen konnten auch ohne Probleme in den Beruf zurückkehren.

Der Bruch mit dem bürgerlichen Recht war radikal. Die Gleichberechtigung hatte Konsequenzen für das ganze Familienrecht. Im Gesetz über Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau gab es ein gemeinsames Entscheidungsrecht beider Ehegatten über Wohnsitz, Haushaltsführung, Erziehung der Kinder etc. 1955 gab es eine Verordnung über die Eheschließung und Eheauflösung, wo Scheidungsverfahren vereinfacht wurden.

Im Scheidungsrecht trat an die Stelle des Verschuldungsprinzips nach BGB das Zerrüttungsprinzip. Die Scheidungsverfahren wurden unkompliziert und die Kosten waren gering. Die Scheidungsrate war hoch. Es gab viele Zweit- und Drittfamilien. Nach der Scheidung war jeder Ehegatte für sich selbst verantwortlich. Ehegattenunterhalt war die Ausnahme. Die Mutter erhielt meistens das Erziehungsrecht und die Wohnung. Die Frau war vom Mann wirtschaftlich unabhängig. Nichteheliche Kinder und Mütter waren rechtlich den ehelichen gleichgestellt. (so beim Unterhaltsrecht) Sie wurden bei Kinderbetreuungsplätzen bevorzugt. Seit 1972 gab es ein gesetzliches Recht auf Schwangerschaftsabbruch. 1988 gab es 80 840 Abbrüche.

1965 wurde festgeschrieben, daß Ehegatten gleichberechtigt seien. Der Ehemann sollte auch die Verantwortung Kinderbetreuung und Haushaltsführung übernehmen. Anspruch und Wirklichkeit...Die Hauptverantwortung für die Reproduktionsarbeit lag bei den Müttern. Frauen hatten so eine Doppelbelastung, Beruf und Familie. Für Karrierefrauen existierte eine Dreifachbelastung, denn für die Karriere war auch politische Arbeit notwendig. Bei dieser Mehrfachbelastung kann man nur von einer Pseudogleichberechtigung sprechen. Die Gleichberechtigung erschöpfte sich in der Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft, nicht Elternschaft. Die Gleichberechtigung bei der Haushaltsführung stand zwar im Familiengesetzbuch, war real aber meistens nicht da. Drei Viertel der Hausarbeit wurde meistens von den vollberufstätigen Frauen erledigt. Auch im Beruf waren die Frauen benachteiligt. Nur wenige Frauen hatten Leitungsfunktionen. Sie waren aus den Zentren der Macht ausgeschlossen, außer als Frau von Erich Honecker...Frauen waren überall die 2. Plätze zugewiesen. Frauen hatten untere Positionen in der Berufshierarchie. Bereits in einem SMAD- Befehl von 1946 hieß es, gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die Realität sah anders aus. Die Lohntarife für Frauen waren niedrig. Männer waren die Hauptverdiener und Haupternährer der Familien. Sie verdienten ca. 25-30% mehr als Frauen. Frauen wurden vor allem für die Reproduktions- und Dienstleistungsarbeit in Gesellschaft und Familie eingesetzt. Spätestens seit Ende der 60er Jahre polarisierte sich die Wirtschafts- und Berufsstruktur nach dem Geschlecht. Der Frauenanteil im Sozial-, Gesundheits-, Bildungs-, Post- und Fernmeldwesen sowie im Handel war überproportional hoch. Sie besetzten meistens traditionelle Frauenberufe. Die Bereiche Medizin, Bildung, Kultur, Soziales waren feminisiert, die Produktion männlich dominiert. Die patriarchale Arbeitsteilung bestand weiter. Daher bestand auch ein soziales Gefälle, z.B. aufgrund der Löhne. Die traditionelle Männerrolle änderte sich unzureichend. Frauen waren auch oft unter Qualifikationsniveau eingesetzt. Frauenarbeitsplätze waren häufig monoton, die Arbeitsbedingungen schlecht. Auch die Strukturen der Arbeitswelt waren patriarchal. Im Alter lebten viele Frauen trotz langer Erwerbstätigkeit in Armut. Auch die geschlechtsspezifische Sozialisation bestand weiter fort. Mädchen wurden entsprechend erzogen. Die Frauen übernahmen so die traditionelle Rollenverteilung. Die Emanzipation wurde dann von oben verordnet. Verursachender Faktor für die Unterdrückung der Frau sei die Nichtserwerbstätigkeit. Wenn Frauen arbeiten würden, seien sie automatisch auch emanzipiert. Und nicht die Männer halfen bei den familiären Pflichten, sondern der Staat. Damit wurden allerdings auch die Eltern entmündigt. Frauenpolitik war Muttipolitik. Die Sozialpolitik war auf Mütter orientiert. Die Ehe wurde als Institution hochgehalten. Die Kernfamilie war die Orientierung. Nichteheliche und alternative Lebensgemeinschaften wurden vom Gesetz ignoriert, so homosexuelle Paare. Sie wurden benachteiligt, z.B. bei der Wohnraumvergabe. Anfang der 80er Jahre entstanden Frauengruppen in den Kirchen. Aufgrund des neuen Wehrdienstgesetzes entstand 1982 die Gruppe „Frauen für den Frieden“. Sie bearbeiteten Themen wie Sozialisation in der Familie, die Geschlechtsrolle in Schulbüchern, Fragen zur Kindererziehung und Gewalt gegen Frauen. Am 3.12.1989 gründete sich der Unabhängige Frauenverband mit ca. 1200 Frauen. Frauen aus der DDR sprechen oft von einer verwirklichten Gleichberechtigung zu DDR-Zeiten im Vergleich zu ihrer heutigen Situation. Wenn man aber davon ausgeht, dass vor allem aufgrund des Arbeitskräftemangels die Berufstätigkeit der Frauen gefördert wurde, so bleibt eigentlich wenig übrig von einem Ideal der Gleichberechtigung. Trotzdem sollte sich die Situation vieler Frauen in den neuen Bundesländern verschlechtern. Viele Frauen wurden erwerbslos oder arbeiten prekär. Häufig wurden sie dadurch z.B. als Minijobberinnen zur Zuverdienerin degradiert. Oder sie bekommen aufgrund der Anrechnung des Partnereinkommens überhaupt nichts mehr und müssen um Taschengeld beim Mann betteln. Schon im Bayrisch-Sächsischen Zukunftsbericht 1997 wurde die Schuld an der hohen Erwerbslosigkeit der Erwerbsneigung der Frauen in Ostdeutschland gegeben. Die Arbeitsmarktkrise wurde dann für die Neuordnung des Sozialstaates instrumentalisiert, so kam Hartz IV zu stande. Den Sozialabbau und seine Folgen bekommen die Frauen als erste zu spüren. Immer dann, wenn nach unten gekappt wird, sind Frauen überdurchschnittlich betroffen. Die neoliberale Parole heißt allerdings: Jede Frau kann frei wählen, wie sie ihr Leben gestaltet. In der Praxis bedeutet das: sie setzt sich gut qualifiziert karriereorientiert durch, sie tut sich mit dem richtigen männlichen Partner zusammen oder sie bekommt Armut zu spüren mit oder ohne Arbeit.

Also der 1. Weg wäre Karriere machen. Wie sieht es mit der Karriere von Frauen aus?

In der EU studieren mehr Frauen als Männer. 1997 überwogen in Deutschland die Studentinnen. Bei der Verteilung guter Positionen stehen Frauen allerdings im Abseits. So liegt der Anteil der weiblichen Professorinnen in Deutschland zwischen 4- 8%. Führungspositionen bleiben für Frauen immer noch schwer erreichbar. Eine längerfristige Unterbrechung der Berufstätigkeit oder Teilzeitarbeit bedeuten meist auch einen Verzicht auf eine berufliche Karriere. Frauen konzentrieren sich häufig auf Berufe, die wenig anerkannt und schlecht bezahlt sind. Soziales, Kultur- und Geisteswissenschaften, Bildung. Sobald eine Arbeit eine typische Frauenarbeit (wie Krankenschwester) ist, wird sie geringer bewertet und bezahlt. Und auch auf Bereiche (hoch)qualifizierter Frauenerwerbsarbeit greifen ungesicherte Beschäftigungsverhältnisse- geringfügige Beschäftigung bis zur Scheinselbständigkeit- über.

Frauenarbeitsplätze werden insgesamt diskriminierend bewertet. Frauen werden schlechter bezahlt als Männer. Viele Frauen erhalten trotz Vollzeitarbeit nur einen Armutslohn. Frauen fehlt meistens eine kontinuierliche Erwerbsbiographie. Dieser diskontinuierliche Berufsverlauf bringt Frauen erhebliche Nachteile im Erwerbsleben. Frauen müssen Erwerbstätigkeit mit Familienpflichten in Einklang bringen. Für Frauen sind Übergänge von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt und aus der Arbeitslosigkeit zurück in die Beschäftigung noch immer problematischer als für Männer. Frauen haben meistens atypische Beschäftigungsverhältnisse, Teilzeit, befristete und „flexible“ Tätigkeiten. Zudem leisten sie auch Reproduktionsarbeit und häufig ehrenamtliche Arbeit, die wenig anerkannt sind. Atypische Beschäftigungsverhältnisse haben deutlich zugenommen. Geringfügige Beschäftigung ist eine Frauendomäne. Frauen sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Frauen sind häufig auch länger arbeitslos. Viele ziehen sich ganz zurück und sind die Stille Reserve. Um Karriere machen zu machen, verzichten gerade viele Akademikerinnen auf Kinder.

Dann bleibt für Frauen also der männliche Versorger: Der Ausbau der männlichen Lohnarbeit zum Familienernährer wurde in den 50er Jahren institutionalisiert und durch mehrere sozialpolitische Maßnahmen und Gesetze ermöglicht. Mit der Aufwertung der männlichen Lohnarbeit zum Familienernährer wurde die Erwerbsarbeit verheirateter Frauen entwertet.

Mit dem neuen Unterhaltsrecht wird auch dieses Modell brüchig. Geschiedene Frauen können sich nicht mehr auf den Unterhalt des Mannes verlassen. Sie müssen es lernen, auch beruflich selbständig zu sein. Aber zu diesem Modell gibt es heute oftmals auch in der Normalfamilie kein Zurück, denn die männliche Erwerbsbiographie ist in der Krise. Das Ende der Arbeitsgesellschaft kann als Ende der männlich-erwerbszentrierten Gesellschaft gekennzeichnet werden. Es wird von einer „Feminisierung“ der Arbeit gesprochen. Feminisierung bedeutet zum einen die steigende Zahl erwerbstätiger Frauen, oftmals aus purer materieller Notwendigkeit. Feminisierung bedeutet zum anderen eine Prekarisierung und Informalisierung von Arbeitsverhältnissen: der Anstieg diskontinuierlicher Erwerbskarrieren, ungeschützter Arbeitsverhältnisse, nicht-existenzsichernder Teilzeitarbeit und befristeter Arbeitsverträge. Feminisierung von Arbeit bedeutet eine Absenkung des Lohnniveaus auf das von Frauenarbeit- also von Zuarbeit.

Auch zwischen den Frauen wächst die Spaltung. Gut ausgebildete Frauen in hochdotierten Jobs können sich Reproduktionsarbeiterinnen kaufen. Eine Mutter mit zwei McJobs muß die Reproduktionsarbeit natürlich selbst erbringen. Frauen leisten häufig unbezahlte Arbeit in der Familie und schlechtbezahlte Erwerbsarbeit. Frauen werden zunehmend prekär in den Arbeitsmarkt integriert, Erwerbsarbeit wird „hausfrauisiert“. Von dieser Feminisierung und Hausfrauisierung der Arbeit sind natürlich auch die Männer betroffen. Männliche Normalarbeitsverhältnisse werden in prekäre Beschäftigung umgewandelt. Der Niedriglohnsektor auch für Männer wächst. Von der Armut sind auch zunehmend die Männer betroffen, nur deshalb wird von einer Krise der Arbeitsgesellschaft gesprochen. Den Weg, sich mit einem gut verdienenden Mann zusammenzutun, wollen und können die meisten Frauen nicht mehr gehen. Gerade Familien mit Kindern, in denen nur der Mann verdient, leben häufig in Armut.

Durch die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze wurde die Diskriminierung von Frauen weiter verschärft. Frauen waren schon vorher oft von Armut betroffen, so traf sie jede Leistungskürzung besonders hart. Die Alternative ist dann wiederum prekäre Beschäftigung, von denen viele Familien nicht mehr leben können. Entweder verzichten Frauen ganz auf Kinder oder sie sind mit der Erwerbsarbeit häufig überfordert, aufgrund des zunehmenden Arbeitsdichte. Resultat ist, dass die Probleme in den Hartz IV- oder Niedriglöhner- Familien aufgrund der Armut zunehmen. Da um schlechtbezahlte Jobs noch stärker konkurriert wird, werden viele Frauen ganz aus dem bezahlten Arbeitsmarkt verdrängt.

Was heißt das heute für Frauen. Gut qualifizieren und Karriere machen, meistens ohne Kinder. Oder einen Mann in guter Stellung „abgreifen“, der die Frau mitversorgen kann. Oder erben. Ansonsten bleibt für Frauen nur noch Armut und Working poor. Und natürlich Altersarmut.

Angesichts der Probleme von Frauen im Bereich der Erwerbsarbeit ist es natürlich schade, dass von der Frauenbewegung kaum noch etwas geblieben ist. Die ersten Frauenrechtlerinnen hatten sich vor allem für das Frauenwahlrecht eingesetzt. Die zweite Frauenbewegung war dann Bestandteil der neuen sozialen Bewegungen seit 1968. Auch sie trug zum Wertewandel bei, durch den sich die Situation von Frauen verbesserte. Der Feminismus kämpfte gegen die geschlechtshierarchische Unterdrückung von Frauen. Immer wieder ging es dabei um die Reproduktionsarbeit, die hauptsächlich von Frauen geleistet wird. Heute wird vor allem von Gender gesprochen. Gender bezeichnet das „soziale“ oder „psychologische“ Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht ( sex). Gender ist eine soziokulturelle Konstruktion. Judith Butler spricht von einem perfomativen Modell, d.h. durch Zeichen und Sprechakte wird die Identität als weiblich oder männlich markiert. Sagt eine Hebamme: „Das ist ein Mädchen“, meint sie damit auch: „Werde ein Mädchen!“. Außer Gender- Lehrstühlen und Gender-Seminaren ist kaum noch etwas von der Frauenbewegung übriggeblieben: Gleichstellungsbeauftragte, Frauenprojekte auf ABM-Basis am staatlichen Tropf, Promis wie Alice Schwarzer und Hella von Sinnen in Talkshows oder die Endung Innen, die manchmal verwendet wird. Traurige Realität. Und was ist Emanzipation? Die Männerrolle zu übernehmen wie manche Karrierfrau? Diskrimierung von Frauen ist auch heute noch alltäglich, sei es, weil Frauen immer noch den größten Teil der Reproduktionsarbeit leisten, Kinder alleine erziehen, weniger verdienen, Mädchen Barbiepuppen geschenkt werden, Gewalt gegen Frauen keine Seltenheit hat, oder selbst die Kommunikationsstrukturen in der Linken männerdominiert sind. Die Emanzipation der Frau wird es nur in einer gerechteren Gesellschaft geben. Der Kampf um gesellschaftliche Veränderungen kann nur gemeinsam, also mit den Männern, geführt werden.